24. März 2016 | Gewässer

Gespräche mit dem Erftverband und dem Kreis Neuss erwecken Zuversicht

In einer dritten Gesprächsrunde am 17. März über die möglichen Auswirkungen der geplanten Renaturierung des Unterlaufs der Erft im Rhein-Kreis Neuss auf den Kanusport wurden die Befürchtungen des Kanu-Verband NRW und seiner Mitglieder deutlich gedämpft und Verbesserungen bzw. Alternativlösungen in Aussicht gestellt.
Gespräche mit dem Erftverband und dem Kreis Neuss erwecken Zuversicht

Dankenswerterweise hatte Kreisdirektor Dirk Brügge vom Rhein-Kreis Neuss die Gesprächsrunde einberufen. Aus der Kreisverwaltung hatte der Kreisdirektor die Leiterin der Unteren Wasserbehörde, Frau Bemba, und den Leiter des Kreissportamtes, Herrn Schütz, mitgebracht. Auch der Erftverband war durch Herrn Bucher, als Ständiger Vertreter des Vorstandes mit seinen Ingenieuren Frau Jüttner und Herrn Gattke hochrangig vertreten. Dementsprechend kompetente und verbindliche Aussagen durften protokolliert werden.

Aus Sicht des Kanusports beinhalten die vorliegenden Planungen drei kritische Punkte. Die Slalomstrecke an der Römerbrücke, das Wiesenwehr mit dem Schwerpunkt Kanu-Freestyle und die geplante neue Sohlgleite.

Zur Slalomstrecke an der Römerbrücke versicherte die Planungsingenieurin Frau Jüttner, dass hier keine baulichen Veränderungen stattfinden werden. Aber die zwei Kilometer unterhalb des Gnadenthaler Wehres beginnende Anhebung der Flusssohle der Erft wird am Wehr zu einer Reduzierung des Höhenunterschieds zwischen dem Oberwasser und dem Unterwasser von 100 cm auf 70 cm führen. Die Fließgeschwindigkeit in der Strecke wird jedoch lediglich um 0,1 Meter/Sekunde geringer werden. Falls sich wider Erwarten dennoch gravierende Veränderungen in der Strecke ergeben, ist der Erftverband gewillt, mit baulichen Veränderungen einen Ausgleich herbeizuführen.
Das Wiesenwehr wird in Zukunft so deutlich unter der Wasserlinie liegen, dass es ohne Wellen- und Walzenbildung glatt überströmt werden wird und daher als Trainingsspot und Wettkampfort vollständig entfallen wird. Alternative Standorte für eine neue Freestyle-Walze könnte sich der Erftverband an zwei Wehren oberhalb der Römerbrücke vorstellen. Die wassertechnischen Gegebenheiten und die vorhandene Infrastruktur sollen geprüft werden.

Die geplante Sohlgleite wird beim gegenwärtigen Wasserdurchfluss in der Erft, der bis ca. 2030 durch die bekannten Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau konstant bleiben wird, mit einem Wasserpolster von etwa 50 cm überströmt. Das wird für eine Befahrung mit Booten als vollkommen ausreichend angesehen. Dennoch wird geprüft, wo die notwendigen Umtrageeinrichtungen installiert werden können. Damit wäre die Durchgängigkeit bis zum Rhein dauerhaft sichergestellt. Ob bei nach 2030 deutlich niedrigeren Wasserständen nachträglich ein Borstenpass oder eine Treidelgasse installiert werden können, soll zu gegebener Zeit untersucht werden.

Als alternativer Trainingsstandort für Slalom und Freestyle könnte auch der sogenannte „Eiskanal“ in Grevenbroich dienen. Verbandstrainer David Krajnik und Max Münchow als Freestyle Referent im KV NRW hatten sich vor Ort ein Bild gemacht. Für Kanu-Slalom präsentiert sich der „Eiskanal“ in gutem Zustand als attraktive alternative Trainingsstrecke. Für den Freestylebereich wäre jedoch ein Umbau am Auslauf der Strecke notwendig. Ob die gegenwärtige Beschränkung der Nutzung auf 90 Minuten am Tag erweitert werden kann, wird der Erfverband ebenfalls überprüfen. Bis zur nächsten Gesprächsrunde am 30. Mai bleibt somit einiges zu tun. Aber Ulrich Clausing als Beauftragter für Gewässerschutz und Geschäftsführer Randolf Wojdowski bedankten sich beim Rhein-Kreis Neuss und beim Erftverband mit der Zuversicht, dass für alle kanusportlichen Probleme, die aus den Plänen zur Renaturierung des Unterlaufs resultieren, Lösungen in Aussicht gestellt worden sind.

Unabhängig von den bisherigen, durchweg konstruktiven Gesprächen hat der Kanu-Verband NRW ausführlich zu den Planungen gegenüber der zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf schriftlich Stellung bezogen. Dankenswerterweise hatten zahlreiche Vereine, Bezirke und Fachsparten im Verband die dazu notwendigen umfangreichen Fakten kurzfristig bereitgestellt.

Bild: Dietmar Meinert

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