15. Oktober 2009 | Ocean-Sport

Legendäres Auslegerkanu Rennen auf Hawaii - Das Molokai Ho'e

Shell Va'a (Tahiti) wieder einmal unschlagbar! Das Team gewinnt nun schon zum vierten mal infolge das Molokai Ho'e, das neben dem Hawaiki Nui Va'a auf Tahiti wohl das berühmteste Auslegerkanu-Rennen der Welt ist und von den Hawaiianern auch als Langstrecken-Weltmeisterschaft in der Königklasse (dem 6er) bezeichnet wird.
Legendäres Auslegerkanu Rennen auf Hawaii - Das Molokai Ho'e
Shell Va'a (Foto: Maoli Wa'a/vaatahiti.com)

Am Sonntag, 11. Oktober gegen 7:30 Uhr erfolgte das Startsignal am Hafen von Hale o Lono (Molokai). Von dort aus ist eine ca. 65 km (ca. 41 Meilen) lange Strecke über das offene Meer bis zum Strand von Duke Kahanamoku/Waikiki Beach (Oahu) zu hinterlegen. Jedes Team besteht aus 9 Paddlern (6 Paddler im Auslegerkanu und 3 Paddler im Begleitboot, das auch die Sicherheit und die Versorgung der Athleten gewährleisten soll). Ca. 30-45 Minuten nach dem Start darf zum ersten Mal ein Wechsel stattfinden. Etwa 50 m vor dem 6er springen die 3 Ersatzpaddler vom Begleitboot. Wenn der 6er auf der Höhe der im Wasser wartenden Paddler ist, erfolgt ein blitzschneller Wechsel, indem drei Paddler aus dem 6er springen und gleichzeitig 3 Paddler aus dem Wasser in den 6er einsteigen. Geübte Teams schaffen das in weniger als 5 Sekunden! Während des Rennens darf nach Wunsch gewechselt werden. Der letzte Wechsel findet ca. 30 Minuten vor dem Ziel statt. 

Mit insgesamt 112 internationalen Mannschaften konnte diese 58. Auflage des mittlerweile schon legendären Molokai Ho’e, das die hawaiianischen Inseln Molokai und Oahu verbindet, einen Teilnehmer-Rekord verzeichnen.

Die meisten Paddler, Zuschauer und auch die Fachpresse richteten Ihr Augenmerk vor allem auf die "Gelb-Gekleideten", dreifachen Sieger und Rekordhalter der Regatta. Man beobachtete analysierte sehr genau jede Geste und jede Anweisung des charismatischen Chef-Trainers von Shell, Gérard Teva.

Die Hawaiianer haben dieses Jahr wieder einmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, um der nun schon mehrere Jahre andauernden tahitianischen Dominanz in der Königsklasse des Auslegerkanu-Sports ein Ende zu bereiten. Ein Dream-Team wurde gegründet, überwiegend bestehend aus hawaiianischen und kalifornischen Starpaddlern, wie zum Beispiel dem Gewinner des letzten "Kai’wi Channel" Kay Bartlett und dem Kalifornier Danny Ching, der als bester OC1- Paddler Kontinentalamerikas gilt und dessen Talent unumstritten ist. So verwundert es nicht, dass diese Mannschaft unter dem Namen "Team Primo" bester Hoffnung darauf war, die Tahitianer  auf diesem großen Regatta-Klassiker von ihrem Thron zu stoßen. Jedoch auch andere bekannte Hawaiianische Teams (wie "Lanikai" und "Outrigger Canoe Club") hatten sich wie nie zuvor auf dieses Rennen vorbereitet, um ganz vorne mit dabei zu sein und um die ersten Plätze zu kämpfen. Allerdings war Shell nicht die einzige Mannschaft aus Tahiti. Die beiden Teams "Paddling Connection" (unter der Leitung von Wilfred Ah Min) und das Team Era'i (unter der Leitung von Tuura Mairau) hatten ebenfalls die lange Reise auf sich genommen, um sich mit Shell und der Elite der hawaiianischen Auslegerkanu Paddler zu messen. Jeder wusste, dass auch diese beiden tahitianischen Mannschaften (die beide, im Gegensatz zu Shell Va'a, nur über geringe finanzielle Mitel verfügen) zu den Favoriten zählten.

Schon kurz nach dem Start lag das Team von Shell Va'a, dem auch das Ausnametalent und mehrfacher Weltmeister Taaroa Dubois als Gastpaddler angehörte, vorne. Der Vorsprung auf das Team Primo konnte sogar zwischenzeitlich auf mehr als eine halbe Stunde ausgebaut werden. Schließlich konnte das Team von Albert Moux (Vorsitzender des Erdölunternehmens Shell, Französisch Polynesien) wieder einmal unter Beweis stellen, dass sie die unumstrittene Weltspitze des Auslegerkanu-Sports sind. Mit einer Zeit von 4 Stunden 40 Minuten und 17 Sekunden verpasste Shell den (letztes Jahr eigens aufgestellten) Streckenrekord um nur 1 min 42 Sekunden. Dennoch waren es am Ende mehr als 12 Minuten Vorsprung auf das zweitplatzierte Team aus Hawaii. Spannende Kämpfe lieferten sich die Teams Primo, Paddling Connection, Era'i und Lanikai, die auch in dieser Reihenfolge auf den Plätzen 2-5 landeten.  

Allerdings würde man dem Molokai Ho'e nicht gerecht werden, wenn man es auf den Wettstreit der Favoriten beschränken würde. Es ist vielmehr auch ein Ereignis, bei dem jede Mannschaft und jeder einzelne Paddler über sich hinauszuwachsen versucht. 65 km über das offene Meer bei tropischer Hitze, sehr hoher Luftfeuchtigkeit und 3-4 Meter hohen Wellen: das sind die Herausforderungen, die es zu meistern gilt und auch eine lange und harte Vorbereitung erfordern. Ankommen ist für die meisten der größte Sieg. Es ist der Kampf gegen sich selbst, die Überschreitung von eigenen Grenzen, Durchhaltevermögen und Teamgeist, die das Rennen auszeichnen und zu einem unvergesslichen Ereignis für jeden Paddler, aber auch für die Zuschauer, machen.

So nahmen dieses Jahr auch ein Team aus Brasilien sowie ein Team aus dem fernen russischen Wladiwostok teil. Das Team aus Wladiwostok benötigte knapp 7 Stunden um die 65 km zu bewältigen und belegte Platz 104.

Beeindruckend waren auch wieder die Teilnahme und die Leistungen von körperlich behinderten Teams. So gingen etwa das Team "Pure Light" und das Team "New Hope" in mehreren Alterklassen in der Kategorie "Adaptive Paddling" an den Start. Obwohl deren Zeiten deutlich über 7 Stunden lagen, gehörten diese Teams zu den ganz großen Siegern des diesjährigen Molokai Ho'e.

Gerüchten zufolge plant ein deutsches Team nächstes Jahr wieder am Molokai Ho'e teilzunehmen. Zuletzt hatte im Oktober letzten Jahres Andreas Dittmer mit dem Team Zebra einen beachtlichen 21. Platz belegt. Das Rennen scheint selbst bei einem so erfahrenen Kanuten wie Andreas Dittmer einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben... 

Nachfolgend die ersten 5 Platzierungen des diesjährigen Molokai Ho'e:

1. Shell Va'a: 4:40:17
2. Team Primo: 4:52:24
3. Paddling Connection: 4:57:51
4. Era'i Va'a: 5:02:15
5. Lanikai: 5:05:22

Alle Ergebnisse 

Bilder vom Rennen

Bericht (auf Französisch)

 

Von Jérôme Friedrich
 

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