21. Juli 2018 | Kanu-Slalom

Deutsche Mannschaft verpasst am ersten Finaltag knapp die Medaillen

Das deutsche Team blieb beim ersten Finaltag bei der Nachwuchs-Weltmeisterschaft im italienischen Ivrea ohne Medaillen. Die U23 war mit vier von sechs Booten im Endlauf vertreten, die Junioren scheiterten am starken Starterfeld. Oft entschieden nur Hundertstelsekunden über Erfolg und Niederlage.
Deutsche Mannschaft verpasst  am ersten Finaltag knapp die Medaillen
Anna Faber (Dormagen)

Timo Trummer (Zeitz) zog im Canadier-Einer der U23 als fünfter in den finalen Lauf ein. Leon Hanika (Leipzig) musste hingegen lange bangen, ob seine Fahrzeit noch reichen würde. Am Ende sicherte er sich ganz knapp mit nur vier Zehnteln Vorsprung zu Rang elf den letzten Finalplatz. Für den dritten Deutschen, Lennard Tuchscherer (ebenfalls Leipzig), reichte es durch eine Torstabberührung nicht mehr zum Finaleinzug. Er belegte Rang 13. Im Finale mussten Trummer und Hanika mit jeweils sechs Strafsekunden die Medaillenränge anderen überlassen. Es gewann der Tscheche Vaclav Chaloupka vor dem Italiener Raffaello Ivaldi und Cedric Joly aus Frankreich. Die beiden Deutschen reihten sich auf den Plätzen sieben und acht ein.

Noch enger waren die Entscheidungen im Kajak-Einer der Damen (U23). Die Augsburgerin Elena Apel und Anna Faber aus Dormagen qualifizierten sich als sechste und achte für den Entscheidungslauf. Faber startete im Finale als dritte und legte eine gute Zeit vor. Durch eine 2-Sekunden Zeitstrafe war aber nicht sicher, ob es für einen Podiumsplatz reichen würde. Auch wenn sich zwischenzeitlich noch die Österreicherin Lisa Leitner und Kimberly Woods aus Großbritannien vor Faber geschoben hatten, war bis zur letzten Starterin nicht klar, ob sie nicht doch noch eine Medaille nach Hause nehmen könne. Letztlich zeigte die Französin Camille Prigent aber einen souveränen Lauf, mit dem sie sich trotz einer Torstabberührung deutlich an die Spitze setzte. Sie siegte mit 3,3 Sekunden Vorsprung. Für Faber bedeutete dies leider den undankbaren vierten Platz mit nur sechs Hundertstelsekunden Rückstand auf das Podium. Teamkameradin Apel kassierte 2 Torstabberührungen und reihte direkt hinter Faber ein. Andrea Herzog aus Leipzig konnte mit 3 Torstabberührungen nicht mehr um die Finalplätze mitreden und belegte im Semifinale Rang 15.

Die Junioren nahmen ihre Rennen in den gleichen Disziplinen am Nachmittag auf. Auch hier saß Leo Braune aus Halle im Halbfinale lang auf heißen Kohlen. Er zeigte zwar einen fehlerfreien Lauf, scheiterte am Ende aber trotzdem um nur eine Zehntelsekunde an der Hürde der besten zehn Halbfinalteilnehmer. Die beiden anderen deutschen Halbfinalisten Hannes Seumel (Zeitz) und Julian Lindolf (Augsburg) konnten ihre Läufe nicht ohne Fehler herunterbringen. Seumel kam mit 2 Strafsekunden auf den 13. Platz und für Julian Lindolf reichte es mit 6 Strafpunkten nur für Rang 19.

Dass die Strecke für die Finaltage eine Herausforderung darstellte, musste leider auch Franziska Hanke aus Augsburg in ihrem Semifinale spüren. Sie erreichte im mittleren Streckenabschnitt ein Tor nicht mehr vollständig und kassierte dafür 50 Strafsekunden. Danach konnte sie nicht mehr auf die Linie zurückfinden und bekam an zwei weiteren Toren im unteren Teil Zeitstrafen. Sie landete schließlich auf dem 30. Platz. Auch Nele Gosse (Leipzig) gelang keine fehlerfreie Linie durch den Kurs. 2 Torberührungen waren zu viel, um sich unter die ersten 10 Sportlerinnen zu fahren. Die erst 17-jährige erreichte bei ihrer ersten WM als Rang 13.

Das Fazit für heute fällt zweischneidig aus. „Vier von Sechs Finalteilnahmen in der U23 sind zufriedenstellend. Vor allem, wenn man sich das Starterfeld in den Finals anschaut. Schade, dass die knappe Entscheidung im Kajak-Damen Finale nicht zu unseren Gunsten ausging. Die Plätze sieben und acht bei den Canadier-Herren sind in Ordnung, auch wenn dort ohne die kleineren Fehler noch mehr gegangen wäre.“ Dennoch merkt Nachwuchs-Bundestrainer Eric Mendel an, dass die Ergebnisse oftmals auch durch Strafpunkte entschieden wurden. „Berührungen darf man sich heute einfach nicht mehr leisten.“
Er sieht zudem Parallelen zur Leistungsklasse: „Immer weniger Nationen schaffen es noch, zwei oder drei Booten ins Finale zu bringen und die Leistungsdichte ist enorm hoch.“ Gerade der Vergleich zwischen Junioren und U23 zeigt, dass es kaum mehr deutliche Unterschiede zwischen den Siegerzeiten der beiden Altersgruppen gibt. „Für die Junioren, die teilweise noch mehrere Jahre in dieser Altersgruppe fahren können, ist es dabei dann schon schwer, in die vorderen Ränge reinzufahren.“

Ergebnisse Canadier-Einer Herren (U23 & Junioren) und Kajak-Einer Damen (U23 & Junioren):
Herren, Canadier-Einer U23: 1. Vaclav Chaloupka (CZE) 80,57 (0), 2. Raffaello Ivaldi (ITA) 81,28 (0), 3. Cedric Joly (FRA) 83,91 (0), … 7. Timo Trummer (GER) 90,22 (6), 8. Leon Hanika (GER) 91,92 (6); Im Halbfinale ausgeschieden: 13. Lennard Tuchscherer (GER) 89,71 (2)

Damen, Kajak-Einer U23: 1. Camille Prigent (FRA) 89,31 (2), 2. Lisa Leitner (AUT) 92,64 (2), 3. Kimberley Woods (GBR) 94,91 (2), 4. Anna Faber (GER) 94,97 (2), 5. Elena Apel (GER) 95,28 (4); Im Halbfinale ausgeschieden: 15. Andrea Herzog (GER) 98,89 (6)

Herren, Canadier-Einer: 1. Miquel Trave (ESP) 81,98 (0), 2. Flavio Micozzi (ITA) 85,82 (0), 3. Nicolas Gestin (FRA) 86,23 (2); Im Halbfinale ausgeschieden: 11. Leo Braune (GER) 93,95 (0), … 13. Hannes Seumel (GER) 95,50 (2), … 19. Julian Lindolf (GER) 99,57 (6)

Damen, Kajak-Einer: 1. Eva Alina (SLO) 89,67 (0), 2. Sona Stanovska (SVK) 93,23 (0), 3. Naemi Braendle (SUI) 94,20 (4); Im Halbfinale ausgeschieden: 13. Nele Gosse (GER) 106,36 (4), … 30. Franziska Hanke (GER) 252,24 (152); In der Qualifikation ausgeschieden: 35. Annkatrin Plochmann (GER) 148,11 (50)
 

Foto und Text: Philipp Reichenbach

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