23. Dezember 2009 | Kanu-Freizeit

Straßburg ist immer eine Reise wert

Noch immer waren die schönen Erinnerungen an die Wanderfahrt zwischen Rhein und Ill wach, die fast genau ein Jahr zuvor stattfand. Damals sind wir zum ersten Mal das Groschenwasser gefahren und hatten am zweiten Tag eine traumhaft schöne Stadtrundfahrt durch Straßburg erlebt.
Straßburg ist immer eine Reise wert
Straßburgs Wasserstraßen

Auch in diesem Jahr verwöhnte uns die Septembersonne und ein wunderbares Spätsommerwochenende bescherte uns zwei erlebnisreiche Fahrten auf dem krummen Rhein und auf dem besagten Groschenwasser.
Anlaufpunkt war – wie im Vorjahr – der Campingplatz in Kehl, der uns wieder idealer Ausgangspunkt für unsere beiden Wanderfahrten war. Unser Bootsanhänger war wieder gut gepackt als wir uns am Freitagabend gegen 17 Uhr auf den Weg machten. Fast zeitgleich traf ein großer Teil der Mannschaft auf dem Platz am Rheinufer ein und blitzschnell waren das Gemeinschaftszelt und die transportablen Einzimmerapartments aufgebaut. Nun konnte der gemütliche Teil des Abends beginnen.
Helga und Emil waren schon etwas früher angereist und allmählich erfüllte sich die Lounge mit Leben. Natalie hatte mit Hilfe von Werners Kochnische köstliche Spaghetti mit noch köstlicherer Tomatenkräutersauce zubereitet, die nicht nur den Bauch, sondern auch meine Hose wärmte. Es schmeckte allen vorzüglich und an rotem Rebensaft sollte es nicht fehlen. Wir waren wieder vortrefflich ausgestattet und es war alles bereit, um uns die Zeit am Rhein so angenehm wie möglich zu machen.
Soeben war das neueste „AHOI“ erschienen und einige Exemplare waren schon auf dem Tisch. Was lag also näher, als in der kleinen Runde einige Kostproben der aktuellen Lektüre vorzutragen. So wurde der Abend auch zur kulturellen Vorlesestunde.
Wegen der längeren Strecke entschieden wir uns am ersten Tag für die Fahrt vom krummen Rhein über die Ill und den Rhein-Marnekanal zurück zum Campingplatz.
Dazu mussten nur die Boote und die Passagiere ins nahe gelegene Plobsheim gebracht werden, denn für die Rückholung standen auf dem Platz genügend Fahrzeuge zur Verfügung. Schnell war die Einsatzstelle erreicht und die kleine Furt bot eine komfortable Möglichkeit die Boote zu Wasser zu lassen.

Unfreiwillige Badeeinlage
Das muntere Flüsschen führte uns in vielen Schleifen durch den Ort und schon bald war eine kurze Schwallstrecke erreicht, die über ein zerfallenes Wehr hinunterführt.
Andreas konnte der Versuchung nicht widerstehen, etwas in der schäumenden Walze zu spielen und bot dabei den interessierten Zuschauern eine unfreiwillige Badeeinlage. Normalerweise ist dieses Gewässer nicht wirklich „brillengefährlich“, aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste. Dennoch hatte unser Pechvogel alle wohl gemeinten Ratschläge, seine Brille zu sichern, in den Wind geschlagen und so war sein Sehkraftverstärker schließlich in Neptuns Reich gelandet.
Doch die abwechslungsreiche Flusslandschaft und das herrliche Spätsommerwetter ließen das Kümmernis schnell vergessen und bald waren auch die Kleider wieder trocken.
Der krumme Rhein verläuft streckenweise, eingedeicht, etwas höher als das Umland und so wechseln sich saftige Felder und sumpfige Auwälder zur rechten und zur linken ab.
Als wir die erste Umtragestelle an einer Mühle erreichten, war es Zeit zu einer Mittagspause im Schatten der Uferbäume. Wie gewohnt wurde schnell ein behagliches Feuer entfacht und die kleine Gruppe scharte sich um die lodernden Flammen. Nach einer ausgiebigen Rast setzen wir unterhalb der Staustufe ein und unsere Boote trugen uns durch die waldreiche Auenlandschaft fort. Ausgelassene Spielchen und angeregte Unterhaltungen gestalteten den weiteren Teil unserer Fahrt auf dem krummen Rhein sehr kurzweilig.

Durch die Vororte von Straßburg
Dann musste eine weiteren Engstelle an einer verfallenen Schleuse umtragen werden. Mit gegenseitiger Hilfe war auch dieses Hindernis bald bewältigt und wir erreichten die ersten Vororte von Straßburg. An blumengeschmückten Gärten und kleinen Hütten vorbei kamen wir schließlich an die Einmündung in die Ill.
Ein kurzes Stück des Weges begleiteten wir den Fluss, der Straßburg in nordöstlicher Richtung durchquert. Entlang dem Quai Louis Pasteur folgten wir dem Kanal in den Südhafen. Auf halber Strecke zum Hafen war aber noch ein kleines Hindernis zu überwinden, denn nicht alle Schleusen in der Stadt sind dauernd besetzt. Diese Umtragung gestaltete sich etwas schwierig, da ausgerechnet an der Ausstiegstelle unangenehme Brennesseln standen und obendrein ein Wespennest den Weg versperrte. Doch schließlich waren wieder alle auf dem Wasser und die Fahrt Richtung Südschleuse konnte weitergehen. Das endlos lange Hafenbecken bot zwar nicht unbedingt die schönste Aussicht, ermöglichte uns aber direkt in den Rhein einzufahren und am Campingplatz auszusteigen.
Ein Ausflugsdampfer nahm uns dann mit in die Schleusenkammer und der freundliche Schleusenwärter wartete, bis alle Boote eingetroffen waren.
Dann waren es nur noch wenige Kilometer bis zu unserem heutigen Tagesziel. Mit dem Herauftragen der Boote über den Rheindamm endete eine Flußfahrt mit vielen unterschiedlichen Facetten. Dörfliche Idylle wechselte mit Auwäldern und Blumengärten.
Später umgab uns eine pulsierende Stadtlandschaft und die Industriekulisse des Südhafens. Zum Abschluß befuhren wir noch ein paar Kilometer den Rhein, und damit an diesem Tag eine wenig belebte Großwasserstraße.
Nach der Rückholung der Fahrzeuge und einem kleinen Einkauf war die Kaffeetafel bei milden Temperaturen und Sonnenschein unter freiem Himmel gedeckt.
Erst gegen Abend zog sich das Völkchen ins gemütliche Wohnzelt zurück. Emil hatte den Tag auf dem Fahrradsattel verbracht und eine stattliche Anzahl Kilometer zurückgelegt.
Er berichtete von einem Felssturz bei Sasbach, genau an einem Parkplatz, den wir früher auch öfter aufsuchten. Durch die anhaltende Trockenheit waren die Radwege entlang des Rheins aber sehr staubig. Ein Grund mehr, den Abend bei einem gute Gläschen Wein und einem genüsslichen Nachtmahl ausklingen zu lassen.

Auf dem Groschenwasser unterwegs

Der nächste Morgen begrüßte uns wieder mit herrlichem Sommerwetter und die Nacht war so warm wie im Hochsommer. Der Bootsanhänger und ein weiteres Auto wurden an der späteren Ausstiegsstelle platziert und wir setzten am gestrigen Ausstiegspunkt in den Rhein ein. Der breite Fluss war heute eher langweilig - spiegelglatt die Wasseroberfläche und man hatte den Eindruck, als wäre der mächtige Strom eingeschlafen. Aber nach sechs Kilometern hieß es umsetzen. Jetzt folgte der eigentlich interessante Teil unserer heutigen Wanderfahrt. Nach einem kurzen Landgang war das glasklare Groschenwasser erreicht. Anders als im letzten Jahr war die Orientierung überhaupt kein Problem, das schnell strömende Wasser zeigte uns den Weg durch den windungsreichen Flusslauf mit seinen vielen Seitenarmen. Immer wieder faszinierte uns die üppige Vegetation und die Vielzahl der unterschiedlichsten Wasserpflanzen. Einige unserer Wanderfahrer erlebten zum ersten Mal das bezaubernde Flüsschen und waren von der unberührten Flusslandschaft begeistert. Nach einer sehr abwechslungsreichen Fahrt durch stille Schilfzonen und dichte Waldabschnitte war dann unser Pauseplatz erreicht. Auf einer bunten Streuobstwiese lachten uns viele rotwangige Äpfel entgegen. Hier war auch gleich ein geeigneter Platz gefunden, um ein kleines Feuerchen zu entzünden. Kurz darauf brutzelten die mitgebrachten Würste und saftige Bratäpfel über der Glut. Ein kleines Schläfchen in der Mittagssonne oder ein kurzer Spaziergang durchs Feld, dann ging es auf den letzten Abschnitt unserer Reise.
Beim Durchzählen wurde mir bewusst, dass es genau zehn Paddler waren.
Als wir dann alle wieder in den Booten saßen, ging mir ständig das Lied von den zehn kleinen Negerlein durch den Kopf und ich summte die Melodie vor mich hin. Dabei kam mir der Gedanke, das ursprüngliche Lied in „zehn kleine Kanufahrer“ umzudichten.
Natalie war von der Idee so angetan, dass sie nicht eher ruhte, bis sie am Ende unserer Paddeltour alle zehn Strophen zusammen hatte. Jetzt fehlte nur noch ein Happy End und schließlich waren in der elften Strophe alle Zehn im seligen Paddlerhimmel.
Für den heutigen Tag hatten wir den Ausstieg einige Kilometer vorverlegt. Auf dem Campingplatz mussten noch die Zelte abgebaut werden und die Heimfahrt lag auch noch vor uns. Rund um Straßburg gibt es eine ganze Reihe interessanter Gewässer, die sich für eine Wochenendtour anbieten, und der Rhein ist ja auch nicht gerade zu verachten.
Daher ist Straßburg immer eine Reise wert, schon allein deshalb, weil die Region von Saarbrücken aus relativ schnell zu erreichen ist. Unsere Truppe war wieder einmal perfekt aufeinander eingespielt und jeder hatte in unserer „Talentschmiede“ seinen festen Platz.
Begnadete Köche, Dichter, Feuerteufel, Gewässerkundler, Weinkenner, Geschichtenerzähler, und Organisatoren – jeder hatte wieder zum Gelingen einer wohltuend erholsamen Wochenendwanderfahrt beigetragen – eine Freiheit, die unbezahlbar ist. Ihnen allen ein großes Dankeschön – à bientôt !

Weitere Infos:
www.saarbruecker-kanu-club.de

Von Norbert Neuschwander, SKC Saarbrücker Kanu-Club

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