Regelungen für Motorbootführerschein

Vorsicht und Aufmerksamkeit - Zu den neuen Regelungen für Motorbootführerscheine

Im Herbst 2012 ist nach längerem Hin und Her eine Änderung der Vorschriften für Sportboote in Kraft getreten, die faktisch mit Beginn der neuen Wassersportsaison in diesem Frühjahr wirksam wird.

Zur Vorgeschichte: Aufgrund der Lobbyarbeit einzelner Abgeordneter der Regierungskoalition hat der Bundestag zu Beginn des Jahres 2012 beschlossen, die PS-Grenze für führerscheinfreies Motorbootfahren deutlich herauf zu setzen.

Die Kritik der Wassersportverbände, auch des DKV ist von den Oppositionsfraktionen im Bundestag aufgenommen worden und hat zu einer öffentlichen Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestages geführt. In deren Verlauf sind auch seitens der Wasserschutzpolizei massive Sicherheitsbedenken geltend gemacht worden . Der Bundestag hat mit der Mehrheit der Koalition dennoch beschlossen. Das für die Umsetzung des Beschlusses durch eine Verordnung zuständige Bundesverkehrsministerium hat zunächst lange gezögert und dann die parallele Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung geplant. Das Ministerium hat dieses Vorhaben dann offensichtlich aufgrund von Lobbydruck aufgegeben und die Verordnung mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auf den Weg gebracht. Zusätzlich ist aber eine Überprüfung der neuen Regelungen nach Ablauf von drei Jahren vorgesehen. Auf dem stark befahrenen Rhein gelten sie nicht.

In der Begründung zum Entwurf der Verordnung heißt es:

Die Folgen der Wirtschaftskrise, der bereits in der Freizeitschifffahrt spürbare demographische Wandel (das Durchschnittsalter der Bootseigner liegt bei 56 Jahren) sowie konkurrierende Freizeitangebote haben die Sportschifffahrt  in den letzten Jahren beeinflusst. Vor diesem Hintergrund erhofft sich der Deutsche Bundestag vom Heraufsetzen der Führerscheinfreigrenze auf 15 PS einen Schub für die Freizeitschifffahrt. Ob durch die Anhebung auf 15 PS mit erhöhten Unfallzahlen zu rechnen ist bzw. die Anzahl der sog. „Beinah-Unfälle“ ansteigen wird ist ungewiss.“

Sachliche Überzeugung klingt anders und die Botschaft lautet: Absatzförderung vor Sicherheit.

Eine systematische Erfassung von Unfällen auf See- und Bundeswasserstraßen im Binnenbereich erfolgt bisher trotz anderslautender Ankündigungen nicht. Erst im Februar diesen Jahres hat die Bundesregierung den Entwurf eines „Schiffsunfalldatendatenbankgesetzes“ auf den Weg gebracht, das die Grundlage schafft auch Unfälle von und mit Sportbooten systematisch zu erfassen. Wenn alles gut geht wohl ab dem nächsten Jahr.

Es dürfen jetzt auf  See- und auf  Bundeswasserstraßen außer dem Rhein Sportboote von weniger als 15 m Länge (im Binnenwasserstraßenbereich) mit einer Motorleistung von bis zu 15 PS (ca. 11 kw) statt wie bisher bis zu 3,68 kw führerscheinfrei gefahren werden. Dies erlaubt je nach Bootstyp Geschwindigkeiten von 40-50 km/h. Einzige Voraussetzung ist ein Mindestalter von 16 Jahren.

Die Bedenken, die auch der DKV vorgetragen hat beziehen sich auf die Sicherheit für die anderen Wasserstraßennutzer bei dem ja gewollten erhöhtem Motorbootverkehr mit ungeübten Fahrern. Gerade an den Engstellen wie z.b. Schleusen kann es zu Problemen kommen, wie jetzt schon die Erfahrungen mit den führerscheinfrei gefahrenen Charterbooten zeigen. Auch Konflikte mit Natur- und Gewässerschutz dürften zunehmen. Schon jetzt wird man gelegentlich in Brandenburg auf kleinen Gewässern, die in Naturschutzgebieten wie dem Linumer Luch liegen von mit 40-50 km/h rasenden Wassermotorrädern überrascht, gestört und gefährdet. Das Aufkommen an solchen Fahrzeugen und ihre Disziplinlosigkeit was Geschwindigkeitsbegrenzungen angeht hat in den letzten Jahren wieder stark zugenommen.

 

Gefährungen und Unfälle melden und registrieren

Was bedeutet diese Entwicklung für Kanu- und andere Wassersportler?

Zunächst ist erhöhte Vorsicht geboten. Wer schon öfter mit unerfahrenen und nicht ausgebildeten Charterbootkapitänen in Schleusen oder auf engen Gewässern zu tun hatte, weiß das. Nun ist auch mit unerfahrenen und kenntnislosen Motorbootfahrern zu rechnen, die deutlich schneller fahren.

Daneben lautet die Empfehlung: Gefährdungen, gefährliche Situationen und vor allem Kollisionen und Unfälle zu registrieren und der Wasserschutzpolizei mitzuteilen, die die Daten auch für die Evaluierung der neuen Regelungen in drei Jahren sammeln wird. Eine parallele Information sollte – aus dem gleichen Grund – an den DKV gehen (service@kanu.de)

Und noch ein praktischer Tip: Die rasenden Wassermotorräder wissen oft genau um die Problematik ihres Verhaltens und reagieren auf eine hochgehaltene Kamera mit sofortigem Bremsen, manchmal auch mit Meckern und Schimpfen. Das muss man aushalten.

Friedhelm Wollner - DKV-Vizepräsident Verbandsentwicklung

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