Parakanu - Entwicklungen

Die Entwicklung des Paracanoe

Paddler mit Einschränkungen oder Behinderungen jedweder Art sind schon immer in unseren Vereinen aktiv. Im Freizeitbereich, aber auch im Leistungssport haben sie ihren Platz gefunden. Es sind jedoch nur vergleichsmäßig wenige Personen, die eher auf Grund familiärer Bindungen, weil sie vielleicht vor einem Unfall schon paddelten, oder durch Zufall zum Kanusport gefunden haben.

Auf Grund der UN-Menschenrechts-Resolution zur Inklusion Behinderter rückt das Thema der Teilhabe an allen Formen des gesellschaftlichen Lebens zunehmend in den Vordergrund. Es geht grundsätzlich darum, dass Barriere-Freiheit auf allen Ebenen, nicht nur bei Bauvorhaben, sondern auch in den Köpfen aller sich entwickelt. Inklusion bedeutet neben der Aufnahme von Behinderten im Verein vor allem, dass sich die Vereine und ihre Mitglieder aktiv darum bemühen, alle Maßnahmen zu unternehmen, damit es keine unüberwindbaren Hindernisse gibt, die dem Paddeln Behinderter und ihrer Teilnahme am Vereinsleben entgegenstehen könnten. Und dies schon bevor der Erste nachfragt.

In der ICF (International Canoe Federation) wird dieses Thema durch das Komitee „Sports for All“, mit seinem Mitglied Thomas Konietzko, Präsident des DKV, vorangetrieben. 2009 hat die ICF, zusammen mit der IVF (International Va´a Federation), ein Entwicklungsprogramm auf den Weg gebracht, um Paracanoeing ( vorher: PaddleAbility) weltweit bei allen Paddlern und sportinteressierten Behinderten bekannt zu machen. Das englische Wort „disability“ bedeutet, dass jemand auf Grund einer Schädigung in der Durchführung von Aktivitäten beeinträchtigt ist (Definition der WHO). Somit soll der Begriff Behinderung nicht als Stigmatisierung verstanden werden, wie es im allgemeinen Sprachgebrauch oft der Fall ist.

PaddleAbility bedeutet, unabhängig von der Behinderung paddeln zu können .

Es geht darum, dass gerade Paddeln eine Sportart darstellt, bei der Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen ihren Platz finden können, um auf Vereinsebene, aber auch national oder international Sport zu treiben. In Deutschland ist durch die Idee der Integration seit den 70er Jahren bereits viel im Bereich des Behindertensports, auch des Sports von Behinderten in allen Kanuvereinen, geschehen. Dies ist jedoch bei weiten nicht in allen Ländern der Fall. Nicht-Beachten, Ausgrenzung bis hin zur Isolation in speziellen Einrichtungen ist in vielen Ländern, auch in Europa, häufiger der Fall als man sich vorstellen möchte. Daher sind diese Programme immer sinnvoll und notwendig.

Die ICF und IVF hatten es sich zum Ziel gesetzt, dass Paracanoeing für die Paralympics 2016 als paralympische Sportart anerkannt wird. Durch die hervorragenden Paracanoeing Wettkämpfe während der Kanu Sprint WM in Halifax/Kanada 2009 und vor allem bei der Kanu Sprint WM in Poznan/Polen 2010 mit 28 teilnehmenden Ländern, wurde Paracanoeing im Dezember 2010 als paralympische Sportart für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro anerkannt. Die Verbände ICF und IVF konzentrieren sich für 2016 auf die Rennen für Körperbehinderte. Es ist ihr Anspruch, diese auf hohem Niveau und sehr gut organisiert mit spannenden Rennen durchzuführen, um auch in Zukunft paralympisch zu bleiben.

Alle weiteren Behinderungsformen werden jedoch auf nationaler und regionaler in Rennen eingebunden. Für Paddler mit geistiger Behinderung gibt es seit 2003 auf internationaler Ebene die Special Olympics World Games. In Deutschland ist seit 2006 Kanusport Bestandteil der Nationalen Special Olympics.

Es gibt jedoch auch immer mehr Regatten von Kanuvereinen in Deutschland, bei denen Rennen für Behinderte ausgeschrieben werden. Im Drachenbootsport ist es schon seit vielen Jahren üblich, dass Behinderte und Nicht-Behinderte in einem Boot sitzen. Der Ocean-Sport  bietet auch schon länger internationale Wettkämpfe für Menschen mit Behinderung. Teilhabe am Sport und an Regatten für alle, das ist gelebte Inklusion!

Durch den Status einer paralympischen Sportart kommen auf alle nationalen Kanuverbände neue Möglichkeiten zu, Gelder zu generieren, und den Kanusport für Behinderte nachhaltig zu entwickeln. Es entsteht aber auch die Verpflichtung, sich mit nationalen Aktionen um eine Verbreitung des Kanusports als herausragende Sportmöglichkeit für Behinderte zu kümmern.

Nachdem der erste Workshop in Duisburg im Herbst 2009 für Kanusport für Behinderte bereits aufzeigte, dass in Deutschland in vielen Vereinen bereits gute und innovative Arbeit geleistet wird, wird dieses Thema von Jahr zu Jahr detaillierter und intensiver bearbeitet. Durch den Austausch von Ideen, weiteren Workshops und Veranstaltungen stellte es sich schnell heraus, dass es in Zukunft neben dem Bereich Freizeitsport mit und für Behinderte, auch der Rennsport ein wichtiger Bestandteil der Kanu-Familie sein wird.

Der Deutsche Kanu Verband (DKV) hat bereits eine Kooperation mit dem Deutschen Behinderten Sportbund (DBS) in die Wege geleitet, um die Fachkompetenz im Kanusport auf allen Ebenen mit den Kompetenzen des DBS zu bündeln.

Unsicherheiten im Umgang mit behinderten Sportlern entstehen oft auch aus Unwissen. Daher werden in Zukunft vermehrt Fort- und Weiterbildungen angeboten, die diese Wissenslücken schließen und auch der Weiterentwicklung des Kanusports für Behinderte dienen werden. Auch hier werden die Kompetenzen von DKV und DBS zusammengefasst werden.

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