20.12.2016 | DKV

Deutscher Kanu-Verband muss sein Trainerteam neu ordnen – Trainerentlassungen werden folgen

Mit dem Schreiben des Bundesministeriums des Inneren (BMI) vom 16.12.2016 an den Deutschen Kanu-Verband (DKV) wurde dem Verband mitgeteilt, dass bestehende Projekte bei der Talentfindung- und Entwicklung nicht über den 01.01.2017 hinaus finanziert werden können.

Somit  ist der DKV gezwungen, vier Nachwuchstrainer aufgrund fehlender finanzieller Mittel für den neuen Olympiazyklus zu entlassen. Ebenso wird die Stelle des zum 01.02.2017 ausscheidenden Cheftrainers Reiner Kießler nicht neu besetzt, um die dadurch eingesparten Mittel  als Gehaltsanpassung für die im Verband bleibenden Trainer zu nutzen. Damit sind die Kanuten, die noch bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro  zum siebten Mal in Folge Deutschlands erfolgreichster deutscher Sommersportverband waren, gezwungen, die Strukturen neu zu ordnen.

Einige Aufgaben des Cheftrainers im Kanu-Rennsport soll künftig Sportdirektor Dr. Jens Kahl zusätzlich übernehmen. Neuer leitender Bundestrainer für die Nationalmannschaft wird der bisherige Disziplintrainer Kajak Herren Arndt Hanisch, der aber auch weiterhin für das Training der Disziplingruppe Kajak Herren verantwortlich ist. Alle anderen Bundestrainer verbleiben in ihren bisherigen Funktionen.  
„Dass wir diese Position nicht neu besetzen können, macht uns natürlich große Sorge“, so Konietzko. „Nicht nur unsere Sportler, sondern auch unsere Trainer stehen im internationalen Wettbewerb und verdienen deutlich weniger als vergleichbare Trainer in anderen Ländern. Bereits jetzt gab es durch die internationale Konkurrenz  diverse Versuche, unsere erfolgreichen Trainer  abzuwerben. Dabei wurden deutlich höhere Gehälter, bis zum Doppelten des jetzigen Gehaltes, geboten. Um unseren Trainern unsere Wertschätzung zu zeigen, blieb uns nichts weiter übrig, als eine Stelle einzusparen und damit zumindest einen angemessenen Gehaltsanpassung für die im Verband bleibenden Trainer zu sichern.“

„Sehr schmerzlich sind die Entlassungen der vier Projekttrainer im Nachwuchsbereich“, so DKV-Präsident Thomas Konietzko. „Mit dieser Perspektive wird es uns nicht mehr möglich sein, unsere Talente zu finden, zu fördern oder gar wie bisher in die Weltspitze zu bringen. Der Nachwuchs hat natürlich in unserer Planung einen ganz besonders hohen Stellenwert, den wir nun gefährdet sehen. “Die bevorstehenden Entlassungen betreffen Trainer, die sich im Nachwuchsbereich um potentielle Kandidaten für die A-Mannschaften kümmern und diese in den nächsten Jahren an die Leistungsspitze heranführen sollen.

Vor dem Hintergrund der in Deutschland derzeit stattfindenden Diskussion um die Reform des Leistungssports werden damit erste negative Auswirkungen deutlich. „Die Diskussion um die Reform war wohl eher eine abstrakte  Diskussion“, so Konietzko weiter. “In der Sache wurden viele richtige Veränderungen verabschiedet aber offensichtlich fehlen die nötigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Reform. Wenn wir nun Trainer,  die das zukünftige Potential für sportlichen Erfolg unseres Verbandes sichern sollten, auf die Straße setzen müssen, ist jede weitere Diskussion über notwendige Veränderungen im deutschen Leistungssport sinnlos, solange nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stehen um optimale Leistungsvoraussetzungen in unserer Sportart und insgesamt im deutschen Sport zu schaffen.“

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