05. Mai 2022

Durch das Naturschutzgebiet Amperauen

Wanderfluss mit zwei Sohlstufen und einem Wehr

 

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Die Amper entspringt in ihrem Oberlauf als Ammer etwas oberhalb von Schloss Linderhof, verlässt als Amper den Ammersee und mündet nach einem Lauf von 175 km bei Moosburg in die Isar. Während die Ammer zu den schönsten Wildwasserstrecken Deutschlands zählt, ist die Amper ein heimlicher Favorit der Liebhaber sanfter Gewässer im Münchner Nahbereich. Der Ammersee garantiert auch im Sommer und Herbst eine zuverlässige Wasserführung. Aus Naturschutzgründen sind die Strecken vom Ammersee bis Grafrath und von Schöngeising bis Fürstenfeldbruck während der Brutzeit vom 1.3.-15.7. gesperrt. Bis Grafrath ist der erste Abschnitt mit Schlauchbooten wegen geringer Strömung etwas mühsam, aber ein Kleinod für Naturliebhaber. Von Grafrath bis Fürstenfeldbruck zieht die Amper dann mit sanfter Strömung vorbei an Wiesen, Wäldern und kleinen Dörfern, zuletzt durch das Landschaftsschutzgebiet Amperauen, bis wir am Ortseingang von Fürstenfeldbruck die abwechslungsreiche Fahrt beenden.

Das Quellgebiet der Ammer befindet sich südlich des Passionsspielortes Oberammergau. Zwischen Saulgrub und der Böbinger Brücke begeistert eine einsame Konglomeratschlucht mit spritzigen Wildwasserpassagen und das Naturdenkmal Schleierfälle. Diese Strecke ist seit Jahren ein Zankapfel zwischen Naturschützern und Paddlern. Unterhalb der Böbinger Brücke bleibt die Ammer noch bis Weilheim kanusportlich interessant, allerdings behindern Wehre und Sohlschwellen die Fahrt. Das Mündungsgebiet in den Ammersee ist wieder NSG und für den Kanusport gesperrt. Der 15 km lange Ammersee lockt im Sommer zahlreiche Badegäste an und bietet sich auch für Luftbootkapitäne für eine Seeumrundung an. Der Ort Herrsching liegt nah am „heiligen Berg“ von Kloster Andechs, einem Zentrum der Bierseligkeit, und ist per S-Bahn erreichbar. Direkt am Seeausfluss in Stegen beginnt die Fahrt auf der Amper, nah an der B 12 Brücke. Zum Einstieg gelangen wir auf einem schmalen Weg hinter dem Minigolfplatz. Nach einer kleinen Gefällestufe zieht unser Flüsschen durch ein ausgedehntes Schilf- und Moorgebiet bis Grafrath. Da hier in der Brutzeit zahlreiche Vögel nisten, ist diese Strecke zeitlich befristet gesperrt (ebenso die Strecke ab Schöngeising). Grafrath ist bekannt durch seine barocke Wallfahrtskirche St.Rasso. Wer hier die Fahrt beginnt, setzt sein Boot wenige Meter von der Kirche ins Wasser (Parkplatz 50 m oberhalb der Brücke). Wer Lust hat, trägt sein Boot ein paar Meter flussaufwärts, um die verblockte Sohlschwelle noch mit in die Fahrt einzubeziehen. Wenig später passieren wir die kurze Amperschlucht bei Wildenroth. Hinter der Straßenbrücke springen uns einige zutrauliche Enten fast ins Boot. In Schöngeising weist uns ein Hinweisschild zur Umtragestelle in den Werkkanal. Nach 50 m erreichen wir wieder den Fluss. Nach dieser Aktion könnte man links beim „Untern Wirt“ eine Brotzeitpause einlegen. Wenig später sorgt ein Hinweisschild „lebensgefährliches Wehr“ für Aufregung, doch die Sohlrampe entpuppt sich nach Ansehen meist als einfache Schwallstrecke, deren spritzige Befahrung für Spaß sorgt.

Sehr einsam präsentiert sich die Folgestrecke durch das NSG Amperauen. Seltene Pflanzen sind hier heimisch, und mit etwas Glück begegnet man Ringelnattern, Bibern, Eisvögeln oder dem seltenen Schwarzstorch. Kurz vor Fürstenfeldbruck endet unsere Fahrt an einem kleinen Parkplatz. Wenig später macht sich der Rückstau des nachfolgenden Wehres bemerkbar. Zum Abschluss bietet sich noch ein Besuch der Klosterkirche Fürstenfeld an. Hier haben Künstler wie Giovanni Viscardi und die Asambrüder ein Meisterwerk des Barock geschaffen, und direkt gegenüber locken zwei empfehlenswerte Klosterwirtschaften zur Einkehr. Alljährlich am 13.12. lassen Kinder vor der St. Leonhard-Kirche selbstgebastelte Papierhäuschen, in denen Kerzen brennen, die Amper hinunter treiben. Ein wunderschöner alter Brauch als Dank dafür, dass die Stadt Fürstenfeldbruck im 18.Jahrhundert von einem Hochwasser verschont blieb.

 

 

Tourensteckbrief

 

Charakter: Wanderfluss mit zwei Sohlstufen und einem Wehr.
Ausrüstung: Eignung für alle Bootstypen.
Beste Zeit: 15.7.  bis Ende Oktober.
Einstieg 1: Stegen (Parkplatz).
Einstieg 2: Grafrath (Parkplatz).
Ausstieg: kleiner Parkplatz linksufrig am Ortseingang von Fürstenfeldbruck in der Schöngeisinger Straße (Grillplatz).
Fahrstrecke: 18 km, ab Grafrath 12 km
Hinweis: Sperrzeit der Strecken von Stegen nach Grafrath und Schöngeising bis Fürstenfeldbruck vom 1.3.-15.7.
Pegel: Stegen ab 100 cm Minimum.
Gefahren: Die Sohlschwellen bei Stegen und nach Schöngeising sind nach Ansehen befahrbar, das Wehr in Schöngeising wird auf 50 m umtragen und ist wie fast alle Gefahrenstellen gut beschildert.
Bahnverbindung: S-Bahn-Stationen in Grafrath und Fürstenfeldbruck (S 8).

Bootsverleih/Touren/Shop:

  • Action + Funteam, Tel. 089/8505904, Alpina-Rafting, Tel. 089/7259995,  Wild Mountain  Tel. 080/71049262,
  • Die Waldmeister, www.diewaldmeister-muenchen.de (alle in München),
  • Kanu-Trekking in Kaufering bei Landsberg, Tel. 08191/65288, www.kanu-trekking.de


Weitere Etappen:

  • Fürstenfeldbruck bis Günding 16 km, (Wehre und Sohlschwellen),
  • Dachau bis Fahrenzhausen 15 km (Wehre).


Kanugewässer der näheren Umgebung: Ammersee, Starnberger See, Isar, Würm, Maisach.

Camping:

  • Camping Ampersee in Olching, Tel. 08142/12786,
  • Camping Buch in Inning, 0175/9640735,
  • Wohnmobilstellplatz am Pucher Meer, Tel. 08141/354735.

Gastronomie:

  • Restaurant Fischer in Stegen,
  • Wirtshaus Dampfschiff in Grafrath,
  • Wirtshaus „Zum untern Wirt“ in Schöngeising,
  • Klosterstüberl in Fürstenfeldbruck.

Auskunft:

  • Fremdenverkehrsamt, Haupstr. 31, 82256 Fürstenfeldbruck, Tel. 08141/281-3334, Internet: www.fuerstenfeldbruck.de
  • Tourismusverband Ammersee-Lech e.V., Hauptplatz 152,  86899 Landsberg am Lech, Tel. 08191/128247, www.ammerseelech.de

Sehenswertes:

  • Wallfahrtskirche St.Rasso in Grafrath mit Werken von Erasmus Grasser und Ignaz Günther,
  • kinderfreundliches Bauernhofmuseum Jexhof nahe Schöngeising mit wechselnden Ausstellungen,
  • Barocke Klosterkirche Fürstenfeld (Baumeister Antonio Viscardi, Fresken von Georg Asam),
  • Kaltenberger Ritterspiele im Juli.

Alternativen:

  • Radfahren auf dem 200 km langen Ammer-Amper-Radweg,
  • Wanderung durch die Amperauen zwischen Schöngeising und Fürstenfeldbruck,
  • Hochseilpark Kletterinsel am Kloster,
  • Schwimmen (Ammersee, Hallenbad/Freibad „AmperOase“ in Fürstenfeldbruck, Badesee Pucher Meer)
  • Dampfschiffahrt am Ammersee.

Buchtipps/Karten:
•    „Die 50 schönsten Kanutouren in Bayern“ (Alfons Zaunhuber) DKV-Verlag 2013
•    „Ammer-Amper-Radweg“, Galli Verlag 2002
•    Kompass Kartenset Nr. 184 „München und Umgebung“ 1:50.000.

 

 

 

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