14.08.2022 | Kanu-Slalom

EM-Bronze für Lucie Krech und Lennard Tuchscherer

Am letzten Tag der Nachwuchs-Europameisterschaft konnte die deutsche Erfolgsserie durch die beiden Leipziger Krech und Tuchscherer in den Canadier-Disziplinen fortgesetzt werden. Beide sicherten sich die Bronzemedaille.
Bronze für Lucie Krech und Lennard Tuchscherer zum Abschluss der EM

„Endlich!“ war bei den Gratulanten im Ziel sehr häufig zu hören, als Lennard Tuchscherer aus dem Boot stieg. Der Leipziger hatte in den vergangenen Jahren immer wieder das Los des undankbaren Vierten Rangs gezogen – zuletzt erst vor knapp einem Monat bei der Weltmeisterschaft in Ivrea. Vierter im Einzel, vierte in der Mannschaft, vierter bei der EM im vergangenen Jahr. Dieser Trend fand mit dem heutigen Finale des gebürtigen Zeitzers ‚endlich‘ ein Ende. Mit Bestzeit im Semifinale startete Tuchscherer als letzter im Entscheidungslauf der U23-Altersklasse. Eine Bürde, die er in der Vergangenheit immer wieder einmal trug. Doch heute blieben die Nerven stabil, heute lief es einfach. „Ich bin sauber und auf meiner Linie geblieben. Alles hat gestimmt.“ Lediglich die Kraft habe im unteren Streckenteil etwas nachgelassen: „Ich wollte dann einfach nichts mehr riskieren und habe zwischen den letzten drei Abwärtstoren auch noch einmal kurz Gas rausgenommen, damit das wirklich sauber durchläuft.“ Mit nur 1,30 Sekunden Rückstand auf den Lokalmatadoren Vojtech Heger (CZE) kam er nach einem letzten Zielsprint über die Linie. Und diesmal war es nicht die ungeliebte 4, die auf der Anzeigetafel aufleuchtete. Diesmal konnte sich der 23-jährige über die Bronzemedaille freuen. „Ich bin einfach mega happy aber auch mega erledigt“ gab er erschöpft zu. Das war auch im Ziel zu merken, als er sich nicht einmal richtig über seine Leitung freuen konnte. „Ich war da einfach so ausgepowert. Da ging das einfach nicht mehr.“ Umso mehr freute er sich aber über die sportliche Geste seines Dauerkonkurrenten Kacper Sztuba (Polen). „Ich habe gesehen, dass er mich vom Ziel aus angefeuert hat.“ Der Vizeweltmeister aus Ivrea schaffte heute nicht noch einmal den Sprung auf das Treppchen und wurde sechster. „Er hat sich für mich gefreut, weil er ja auch wusste, dass ich immer leer ausgegangen bin. Ich finde das einfach schön, wenn man sich nach dem Ziel mit einem Lächeln entgegenkommen kann und sich gratuliert.“

 

Für den zweiten deutschen Medaillenerfolg sorgte die 18-jährige Lucie Krech im Canadier der Juniorinnen. Wie schon bei der WM gewann sie erneut die Bronzemedaille. Das Rennen wurde diesmal jedoch von den beiden heimischen Tschechinnen Kneblova und Morenova dominiert. „Es standen andere Leute auf dem Podium, aber es war das gleiche Gefühl: Glück über Glück – Freude – Lächeln!“ fasste die Wahl-Leipzigerin ihre Emotionen zusammen. Die Freude war nicht zu übersehen: „Ich komme aus dem Lächeln gar nicht mehr raus.“ Nach dem frühen Ausscheiden in der Qualifikation im Kajak, war die Enttäuschung zunächst sehr groß. Doch als der Startplatz im Semifinale im Canadier gesichert war, „habe ich mir ziemlich schnell gedacht: ‚Du musst das jetzt abhaken. Es sind alle blöden Dinge passiert, die passieren konnten. Da kann es im C1 nur noch gut laufen‘!“

Im Halbfinale kam sie vor Teamkollegin Paulina Pirro (Bad Kreuznach) auf den fünften Rang. „Ich war vor dem Finale sehr angespannt und habe mir nur noch gedacht: ‚Ein Lauf – der muss noch sitzen. Und danach brauchen meine Nerven dringend Urlaub‘.“

So richtig gesessen hatte der Lauf der gebürtigen Geraerin jedoch nicht. „Ich habe mich sehr über meine beiden Berührungen geärgert. Da dachte ich mir schon, dass das extrem schwer wird, noch vorn mit reinzufahren.“ Doch dann nahm die Sportgymnasiastin das mitlaufende Team am Rand wahr: „Ich habe gemerkt, wie mich alle angefeuert haben. Paulina stand unten im Ziel und hat mich auch angefeuert. Das war einfach schön und hat mich noch einmal motiviert.“ Als im Ziel dann die Ziffer 1 auf der Anzeigetafel stand, war die Erleichterung groß. „Ich dachte mir zwar, dass es mit so vielen Berührungen nichts mit einem Podium werden wird, aber jetzt freue ich mich einfach so sehr, dass es doch noch geklappt hat.“ Denn von den vier nachfolgenden Booten schafften es nur die beiden Tschechinnen, noch vor Krech zu fahren.

 

Die beiden Leipziger erhöhten damit das Gesamtergebnis des deutschen Nachwuchsteams um weitere zwei Bronzemedaillen. Insgesamt bringt die Junioren- und U23-Nationalmannschaft somit zwei Europameistertitel sowie drei Silber- und fünf Bronzemedaillen nach Hause.

 

Text & Fotos: Philipp Reichenbach

Ergebnisse:

C1m U23: 1. HEGER Vojtech (CZE) 82.83 (0); 2. DEBLIQUY Mewen (FRA) 83.31 (2) +0.48; 3. TUCHSCHERER Lennard (GER) 84.13 (0) +1.30 | im Halbfinale ausgeschieden: 18. KIES Benjamin (GER) 93.01 (2) +8.32 | in der Qualifikation ausgeschieden: 21. LINDOLF Julian (GER) 102.03 (4) +7.23
C1w U23: 1. SATKOVA Gabriela (CZE) 91.59 (0); 2. KNEBLOVA Tereza (CZE) 94.07 (0) +2.48; 3. JANSSEN Fanchon (FRA) 97.30 (2) +5.71 | im Halbfinale ausgeschieden: 12. SUESS Hannah (GER) 107.79 (8) +14.76 | in der Qualifikation ausgeschieden: 21. JAKOB Zoe (GER) 120.06 (6) +14.85; 24. PANZLAFF Jannemien (GER) 125.40 (8) +20.19
C1m Junioren: 1. KRAJCI Samuel (SVK) 90.31 (0); 2. HOCEVAR Ziga Lin (SLO) 91.58 (4) +1.27; 3. IMAZ Markel (ESP) 92.42 (2) +2.11 | im Halbfinale ausgeschieden: 12. BORRMANN Ben (GER) 95.88 (4) +8.72; 19. ZIMMERMANN Niels (GER) 102.03 (4) +14.87 | in der Qualifikation ausgeschieden: 25. SACHERS Felix (GER) 112.25 (2) +15.63

C1w Junioren: 1. KNEBLOVA Klara (CZE) 95.03 (0); 2. MORENOVA Adriana (CZE) 104.13 (0) +9.10; 3. KRECH Lucie (GER) 107.20 (4) +12.17; 5. PIRRO Paulina (GER) 114.07 (4) +19.04 | im Halbfinale ausgeschieden: 13. RAPPE Kimberley (GER) 131.39 (2) +32.29

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