24.06.2021 | Kanu-Rennsport

„Ich mache weiter – so lange es Spaß macht und die Leistungen passen“

Der zweifache Olympiasieger Max Rendschmidt im Portrait
Max Rendschmidt (Bild: Thomas Lohnes)

Vom Wildwasser in den Rennsport gewechselt – und es nie bereut. Rennkanute Max Rendschmidt gehört zu den erfolgreichsten Sportlern des Nationalteams. Was der 28-Jährige neben dem Paddeln macht und was sein neustes Hobby ist, hat er im Interview mit dem KANU-SPORT erzählt.

Max Rendschmidt wurde das Kanufahren quasi in die Wiege gelegt. Fünf Jahre vor seiner Geburt startete seine Mutter bei den Olympischen Spielen in Seoul. Auch sein Vater, sein Stiefvater und die beiden Brüder waren alle schon auf dem Wasser aktiv oder sind es noch. Welchen anderen Sport hätte Max da machen können? Zuerst im Wildwasser unterwegs und ab 10 Jahren immer mehr im Rennboot, profitiert der 28-Jährige noch heute von seinen Wildwasser-Erfahrungen: „Man merkt auf jeden Fall noch, wenn schlechte Bedingungen sind, mit hohen Wellen und co, dass ich da deutlicher besser mit zurecht komme, als Sportler, die nur Rennsport gemacht haben.“ 

Der Goldjunge 

Dass er auch im Rennboot hervorragend klar kommt, haben seine beeindruckenden Leistungen gezeigt. Nach mehreren Medaillen bei Junioren- und U23-Weltmeisterschaften, zwei Silberrängen bei Europaspielen, fünf Goldmedaillen bei Europameisterschaften und vier ersten Plätze bei Weltmeisterschaften, konnte der Erfolg nur noch durch eines getoppt werden: Zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016. 
Für seine Leistungen hat auch Rendschmidts Heimatstadt Bonn ihn mit mehrfachen Auszeichnungen zum „Sportler des Jahres“ honoriert. Zudem hat er ein silbernes Lorbeerblatt, den Kienbaum-Award für seine Vorbildhaftigkeit, sowie den Felix-Award als bester Sportler NRWs erstanden. Trotz des Erfolges, der zahlreichen Preise und der großen Bekanntheit in der Kanu-Szene, ist Max froh, dass er noch ein Privatleben haben kann. „Ich kann mich frei bewegen und werde selten im Supermarkt erkannt. Bei Fußballern ist das ganz anders. Auf der anderen Seite kommen wir auch nicht so leicht an Sponsoren ran,“ erzählt der Sportler.

Ein Polizeiobermeister spricht 

Nicht immer lief alles wie geschmiert beim 28-Jährigen. Nachdem er mit 13 Jahren auf das Sportinternat in Essen gewechselt war, liefen Schule und Training parallel gut. Das Abitur wollte Max auf einer Gesamtschule machen. Hier passten Trainingszeiten und Schulpensum bald nicht mehr zusammen. Ein weiterer Schulwechsel sollte das Problem lösen, doch langfristig brachte er weder in der Schule noch im Training die erhofften Ergebnisse. 

Als Max die Dienststelle der Bundespolizei in Kienbaum besucht hatte, stand fest: Er will die Ausbildung zum Bundespolizisten machen. Anders als in der normalen, zweieinhalb Jahre dauernden Ausbildung, durfte sich Max im Modell für Spitzensportler weiterbilden lassen. Jedes Jahr müssen die Sportlerinnen und Sportlern nur wenige Monate auf die jeweilige Dienststelle kommen, dafür dauert die Ausbildung zum Polizeimeister vier Jahre. 
2014 schloss er die Ausbildung zum Polizeimeister ab. Die Arbeitszeit beträgt seitdem vier Wochen im Jahr, in denen die Sportlerinnen und Sportler verschiedene Einsatzorte kennenlernen, in denen sie nach der Karriere arbeiten können. Bei der Küstenwache in Cuxhaven hat es Max Rendschmidt sehr gut gefallen. Und den technischen Dienst in Sankt Augustin möchte er noch kennenlernen. Inzwischen wurde Rendschmidt zum Polizeiobermeister gekürt. Ob er bald mit dem Kanurennsport aufhört und nur noch bei der Bundespolizei arbeitet? Nein! Der gebürtige Bonner möchte den Leistungssport noch so lange betreiben, wie es im Spaß macht und die Leistungen stimmen.
Das Leben neben dem Sport 
 

Damit die Leistungen ihn auch weiterhin im deutschen Team halten, war Max mit den anderen Kanuten im Trainingslager in Davos. Vom 2. bis 13. Januar trainierten die Spitzensportlerinnen und -sportler auf 2000 Meter Höhe. Mit dabei war auch Max Rendschmidts Idol und Namensvetter Max Hoff. Seit Kindertagen war der Bonner Fan des ebenfalls sehr erfolgreichen Disziplin-Wechslers Hoff. Seit die beiden im selben Team sind, schätzt Rendschmidt besonders, von Hoff als Trainingspartner zu profitieren.

Inzwischen wohnt Max Rendschmidt mit einem anderen Kanuten in Essen in einer WG. Am Wochenende kommt der Sportler jedoch immer, wie schon zu Internatszeiten, ins heimische Bonn zurück. Der Hauptgrund ist natürlich seine Freundin. Doch auch das Paddeln auf dem Rhein, zusammen mit seinem kleinen Bruder, ist für ihn ein spannender Ausgleich zu den langen Einheiten auf stillem Gewässer. Da Max viele Wochen im Jahr in Trainingslagern, mit der Bundespolizei oder auf Wettkämpfen unterwegs ist, schätzt er das Verständnis seiner Familie und Freunde für lange Abwesenheiten sehr. Und wenn dann doch mal Zeit über ist, dann faulenzt er gerne, fährt Fahrrad oder arbeitet im Garten. Ein relativ neues Hobby fordert neben seiner Technikversiertheit auch handwerkliches Geschick: Rendschmidt möchte seinen neu erstandenen VW-Bus zum Camper umbauen. Beim Basteln an Fahrrädern oder dem neuen Bus kann der Sportler gut abschalten und den Stress vergessen. 

Sorge um den Nachwuchs

Besorgt ist Rendschmidt mehr noch um den Nachwuchs. Für ihn sei das letzte Jahr fast normal gewesen. Er sehe aber für Kinder und Jugendliche ohne Kaderstatus, eine schlimme Zeit, da sie nicht aufs Wasser gehen dürfen. Ob wir dem sympathischen Sportler für Tokio alles Gute wünschen dürfen, weiß noch keiner. Max lässt sich überraschen: „Et kütt wie et kütt“.

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