11.04.2019 | DKV

Interview mit DKV-Präsident Thomas Konietzko zum Kanutag

Anfang April fand an der Landessportschule des Saarlandes der Deutsche Kanutag statt. Am Rande der zweitägigen Veranstaltung sprach SaarSport mit Präsident Thomas Konietzko über die aktuellen Projekte, wie unter anderem #DKV2025.
DKV-Präsident Thomas Konietzko

SaarSport
Der DKV zählte Ende letzten Jahres rund 122.000 Mitglieder. Das ist ein Zuwachs von rund 1.400 neuen Kanuten trotz demografischen Wandels und starker Konkurrenz durch andere Freizeitaktivitäten. Woran liegt diese erfreuliche Entwicklung?

Thomas Konietzko
Die Gründe sind vielfältig. Wir sind als kleiner Verband bei großen Sportveranstaltungen wie Olympia, WM oder EM seit vielen Jahrzehnte sehr erfolgreich. Aber es sind auch die unterschiedlichen Facetten, die den Kanusport so interessant und beliebt machen. Paddeln ist ein naturnaher Sport, für Jung und Alt sowie Familien ideal geeignet, macht Spaß und kann grenzenlos getrieben werden, sprich in der ganzen Welt. Das verbindet enorm.

SaarSport
Dem Kanusport droht aber Ungemach. Aufgrund zunehmender Flusssperrungen gerade in Deutschland zieht man den Paddlern doch quasi das Wasser unter den Füssen weg.

Thomas Konietzko
Das ist in der Tat ein Problem. Die Zahl der Befahrungseinschränkungen auf deutschen Flüssen hat sich in den letzten Jahren von ca. 600 auf rund 1.000 erhöht. Dabei liegt den Kanuten der saubere Zustand der Gewässer genauso am Herzen wie beispielsweise den Natur- oder Umweltschutzverbänden. Gemeinsam mit anderen Wassersport treibenden Verbänden und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Tourismus versuchen wir, tragfähige und vor allem nachhaltige Lösungen zu erarbeiten. Auch viele kommerzielle Kanusportanbieter holen wir mit ins Boot. Immerhin gibt es in Deutschland rund 5 Millionen Menschen, die schon mal im Kanu gepaddelt haben. Wenn man bedenkt, dass „nur“ 122.000 in Vereinen organisiert sind, ist das eine sehr hohe Zahl. Trotzdem kommt es manchmal zu Klagen und Protesten.

SaarSport
So wie an Blies und Nied im Saarland. Oder jüngst auf dem Glan in der Pfalz oder der Murg im Schwarzwald.

Thomas Konietzko
Wie gesagt, wir streben immer einvernehmliche Lösungen an. Aber wir brauchen auch immer mehr professionelle Vertretung in diesen Angelegenheiten. Das kostet Geld.
Im Übrigen legen die Kanuvereine und die Verbände großen Wert darauf, dass die Kanuten geschult werden, wie sie sich auf dem Wasser zu verhalten haben, z. B. in Ökologiekursen oder in Sicherheitsschulungen. Das wollen wir weiter verbessern und als Kanusport insgesamt noch grüner werden. Unsere Qualitätsstandards werden zunehmend mehr auch von den kommerziellen Verleihern angenommen.

SaarSport
Wie soll das gehen?

Thomas Konietzko
Nachhaltigkeit oder Klimaneutralität gehören zu den vier Zukunftsthemen DKV 2025, die wir in Saarbrücken beschlossen haben. Dazu richten wir einen Klimafonds ein, in den wir eine gewisse Summe der Reisekosten künftig einzahlen. Es ist eine Art CO2-Abgabe und Vorbildfunktion für die vielen Kanuvereine. Kanusport wird oft als Motorsport tituliert. Warum soll bei Wettbewerben der Veranstalter in Zukunft nicht auch die Boote vorhalten? Dann könnten die Teilnehmer mit dem Zug anreisen anstatt die Boote auf dem Autodach oder Hänger durch die Republik zu fahren. Das ist nur ein Beispiel von vielen Ideen. Es wird auch einen Wandel bei den Menschen selbst geben.

SaarSport
Die Nachhaltigkeit ist ein wichtiger Punkt. Wie lauten die drei anderen Themen?

Thomas Konietzko
Wir wollen in allen Bereichen digitaler werden. Das heißt zum Beispiel, eine einheitliche Software auf Landes- und Bundesebene einführen, womöglich bis zu den Vereinen. Das elektronische Fahrtenbuch gehört ebenfalls in die digitale Kategorie.
Des Weiteren werden wir unsere Kommunikation weiter professionalisieren besonders im Hinblick auf die neuen Medien.
Und was uns ganz wichtig ist, wir wollen noch serviceorientierter werden und zwar für unsere Mitglieder, aber auch für Nichtmitglieder, allerdings dann kostenpflichtig.

SaarSport
Das kostet Geld. Dann wird der DKV um Beitragserhöhungen nicht herumkommen?

Thomas Konietzko
Eine moderate Beitragserhöhung haben wir in Saarbrücken beschlossen. Es ist die erste nach acht Jahren. In dieser Zeit sind die Lebenshaltungskosten und die Personalkosten um rund 20 Prozent gestiegen. Trotzdem haben wir unsere Services nicht eingeschränkt, sondern sogar weiter ausgebaut.
Beispielhaft nenne ich aus dem umfangreichen Portfolio die Interessenvertretungen auf der politischen Ebene, die Mitarbeit in verschiedenen Gremien wie DOSB-Forum Wassersport oder Deutscher Naturschutzring, die Zusammenarbeit mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung, die Unterstützung von Freizeitsportaktivitäten wie das XXL-Paddelfestival, der große Bereich Versicherungen, Werbematerial und das Kanusportprogramm, Jugendmaßnahmen, kanuspezifische Aus- und Fortbildung, die Basisfinanzierung von nichtolympischen Sportarten, unser Info- und Beratungsservice usw. Davon profitieren alle Kanuvereine und Kanuten.

SaarSport
Wie steht es um die Zusammenarbeit mit dem Drachenbootverband?

Thomas Konietzko
Wir werden weiter kooperieren und gemeinsame Deutsche Meisterschaften austragen auch im Breitensport. Das haben wir im Sinne der Sportler so entschieden und das ist gut so.

SaarSport
Mit welchen Trendsportarten können wir beim DKV künftig rechnen?

Thomas Konietzko
Die Weiterentwicklung der Trendsportarten gehört ebenfalls zum Serviceportfolio des DKV. Freestyle und Stand-Up-Paddling sind inzwischen eigene Sparten. Im Trend liegen Sportarten wie Kanu-Rafting oder Ocean-Sport. Vielleicht entstehen ja auch ganz neue Disziplinen. Kanusport ist und bleibt ebene eine spannende Angelegenheit.

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