20.05.2019 | Kanu (Allg.)

Japan zu Besuch am Eiskanal

"Japan ist näher als man denkt“, so könnte man es kurz und knapp auf den Punkt bringen. Zumindest auf Augsburg bezogen.
Dirk Wurm, Yuji Fujii, Hans Peter Pleitner, Kazumi Inamura, Alexander Grimm, Marc Lattermann, Horst Woppowa

So reiste letztes Jahr eine Delegation der Stadt Augsburg und der Augsburger Kanu-Vereine sowie des Deutschen Kanu-Verbandes nach Tokio und konnte sich über den Zuschlag für die Kanu-WM 2022 in Augsburg freuen.

Dieses Jahr steht nun ganz im Zeichen der 60-jährigen Partnerschaft mit den japanischen Städten Amagasaki und Nagahama, der ältesten Städtepartnerschaft zwischen Japan und Deutschland, aus der über die Jahrzehnte viele persönliche Freundschaften entstanden sind.

Für das große Festprogramm in Augsburg reiste eine insgesamt aus 60 Personen bestehende Gruppe aus Japan an, die sich aus Mitgliedern verschiedener Delegationen der Bereiche Musik, Kultur, Jugend und Politik zusammensetzte.

Den minutiösen,  von Dieter Saborowski und Pia Schaller (OB Referat) ausgearbeiteten Rahmen bildeten offizielle Empfänge, klassische Konzerte, das jährlich stattfindende Japanische Frühlingsfest der Deutsch-Japanischen Gesellschaft Augsburg e.V.  im Botanischen Garten mit mehreren tausend Besuchern sowie eine Besichtigung der olympischen Kanu-Anlage.

Unter der Leitung der Oberbürgermeisterin Amagasakis, Kazumi Inamura und des Oberbürgermeisters, Yuji Fujii aus Nagahama, machte sich eine Delegation persönlich ein Bild von der Olympiaanlage.

Nach der Begrüßung der Gäste durch den Sportreferent der Stadt Augsburg, Dirk Wurm, Hans-Peter Pleitner und Horst Woppowa von Kanu Schwaben Augsburg/ TSV 1847 Schwaben wurde als Überraschungsgast der Augsburger Olympiasieger Peking 2008 im Kanuslalom Alexander Grimm vorgestellt. Nach seinem Sieg pflanzte er gemäß der Tradition einen Baum auf dem Gelände des Eiskanals und entschied sich für einen japanischen Ginko-Baum, der mittlerweile eine stattliche Größe erreicht hat. Wieder ein Stück Japan in Augsburg.

Nach einem Mittagessen mit Blick auf den Eiskanal ging es direkt an die Strecke, auf der einige Wildwasserpaddler ihr Können demonstrierten. Für viele japanische Gäste war dies die erste Berührung mit dieser Sportart und so ließen sich beide Oberbürgermeister es sich nehmen, die Sportgeräte selber in die Hand zu nehmen - zumindest für ein Foto auf dem Trockenen.

Im Rahmen eines kurzen Rundgangs an der Strecke und um die Bootshäuser der beiden Vereine ließ sich die Delegation die geplanten Sanierungsarbeiten für die WM 2022 vor Ort erläutern.

Die Tatsache, dass Augsburg überhaupt den Zuschlag als Austragungsort der Kanu-Weltmeisterschaft bekommen konnte, lag auch an der langjährigen  Freundschaft und Verbundenheit mit Japan, genauer in der Person Masanori Shoken Narita.  1972 kam er als aktiver Teilnehmer der Olympischen Spiele an den Eiskanal, bezeichnet ihn als „die schönste Strecke der Welt“  und ist seit dem bekennender Fan der ältesten künstlichen Wildwasserstrecke der Welt.
Als Augsburg sich für die WM 2022, also zum 50sten Jubiläum nach den Olympischen Spielen 1972  bewarb, unterstützte der heute als Präsident der Asian Canoe Federation und des japanischen Kanuverbandes tätige Narita die Bewerbung.

Ja mehr noch: die Kandidatur Tokios wurde zurückgezogen, obwohl es aus Gründen der Nachhaltigkeit durchaus üblich ist, nach einer Olympiade wie 2020 in Tokio in der Folge eine WM 2022 auszutragen. Dieses Geschenk von den japanischen Freunden für die Stadt Augsburg und für die Vereine ist sicherlich ein Ansporn und wieder ein Zeichen wie nah die Freundschaft zwischen  Japan und Augsburg seit Jahrzehnten ist.

Die Delegation aus Amagasaki und Nagahama war beeindruckt von dieser langjährigen Verbindung und von den umfangreichen Sanierungsarbeiten rund  um den Olympiapark.

Als Zeichen der Freundschaft überreichten Vertreter der Kanu Schwaben Augsburg den Delegationsleitern gläserne Andenkentafeln mit Gravur.

Ein Andenken der besonderen Art war die Begrüßung der japanischen Gäste durch die beiden japanischen „Mitgliedshunde“  namens „Yoko“ (ein japanischer Mädchenname) und „Kuma“ (Bär) der populären japanischen Hunderasse „Shiba Inu“, die als Fotomotiv sehr gefragt waren.

Auf Wunsch der Oberbürgermeisterin Inamura gab es noch einen spontanen Spaziergang über den Hochablass, mit dem sich die Stadt Augsburg um den Titel „UNESCO Weltkulturerbe“ bewirbt. Von besonderem Interesse war dabei das Wasserkraftwerk, das fast vollständig unter der Wasseroberfläche liegt.

Einen tiefen Eindruck hat das Zusammenspiel von Natur, Stadt und Sport bei der Delegation hinterlassen, beispielsweise die Tatsache, dass der Lech fast Trinkwasserqualität führt. Der Eiskanal und seine Sportler sind ein international renommiertes  Aushängeschild.

So überrascht es auch wenig, dass sich nach den bisherigen Qualifikationsläufen im Kanu-Slalom die Sportler der Augsburger Vereine Elena Apel (KSA/ K1 + C1), Sideris Tasiadis (KSA/ C1), Hannes Aigner (AKV/ K1), sowie Florian Breuer (AKV/ C1) Hoffnungen auf eine Teilnahme an der Olympiade 2020 in Tokio machen können.

Gute Chancen habe auch die in Augsburg lebenden und trainierenden,  aber für andere Vereine startenden Athleten Ricarda Funk (KSV/ K1), Jasmin Schornberg (KRH/KSA  K1 + C1) sowie Tim Maxeiner (WKV/ K1).
Im Spätsommer wird die Entscheidung fallen, wer für insgesamt 27 Trainingstage zur Vorbereitung auf die Spiele zwischen November 2019 bis März 2020 nach Japan fliegen darf.

Die Bande zwischen Japan und Augsburg sind eng

60 Jahre Städtepartnerschaft mit den Städten Amagasaki und Nagahama , die Olympiade 2020 in Tokio und die WM 2022 in Augsburg, zu der u.a. natürlich auch die japanische Nationalmannschaft erwartet wird - Japan ist für Augsburg näher als man denkt!

Oder wie es der Sportreferent der Stadt Augsburg, Dirk Wurm, bei der Verabschiedung der Delegation zusammenfasste: „Wir sehen uns 2020 in Tokio!“

 

Text: Marc Lattermann
Foto: Christa Woppowa

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