16.10.2019 | Naturorientierte Fahrten

Nebel-Oder-Fahrt

Unterwegs auf der Oder - Im Bann einer bezaubernden Natur
© Peter Groß

Die Oder zählt zweifellos zu den eher stillen Flusslandschaften. Wohl auch gerade deshalb erfreut sie sich bei Wanderpaddlern so großer Beliebtheit, umso mehr, seit mit dem Beitritt Polens zum "Schengener Abkommen" 2007 komplizierte Grenzabfertigungen entfallen und die Paddler sich auf den verschiedenen Oder-Gewässern frei bewegen können. Kanuten waren bei Gemeinschaftsfahrten jedoch schon viel früher auf dem Fluss unterwegs.

So z. B. bei der Nebel-Oder-Fahrt, die in diesem Jahr ihre 44. Auflage erlebt und an drei Tagen vom 31. Oktober bis 3. November über insgesamt 140 Kilometer von Guben über Eisenhüttenstadt bis nach Hohenwutzen führt. Ihren Namen trägt die Fahrt nicht zu Unrecht, denn es passiert nicht selten, dass sich die idyllische Oder vor allem morgens in ein Nebelgewand hüllt. Die Teilnehmer werden ab Mittwochnachmittag am Bootshaus der Kanuwanderer in Eisenhüttenstadt/Fürstenberg begrüßt, wer früher anreisen möchte, kann auf Anmeldung vor der Tour noch das aus dem 15. Jahrhundert stammende sehenswerte Kloster Neuzelle – das einzige erhalten gebliebene Zisterzienserkloster in Brandenburg, auch ehrwürdig „Barockwunder Brandenburgs“ genannt – besichtigen oder eine Wanderung im schönsten Bachtal des Landes, dem Schlaubetal, unternehmen.

Am Donnerstag ist eine Werksbesichtigung bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt geplant. Es wird das 1996 in Betrieb genommene Warmwalzwerk besichtigt. ArcelorMittal ist einer der größten Stahlhersteller der Welt.

Die erste Paddeletappe startet am Freitag in Guben. Auf der Neiße geht es bis zur Mündung in die Oder in Ratzdorf. Nach einer Mittagspause im „Oderblick“ wird auf der Oder bis Eisenhüttenstadt weiter gepaddelt. Kurz hinter Eisenhüttenstadt ist Schluss und die Boote werden am Ziel abgelegt.

Am Samstagmorgen erfolgt von dort auch der Start zur zweiten Etappe nach Bleyen. Der Fluss bietet den Naturliebhabern unter den Paddlern – und wer ist das nicht – die Aussicht auf eine artenreiche Tierwelt: Mit etwas Glück lassen sich z. B. Gänsesäger auf den Buhnen, Fischadler, Eisvögel, Kraniche, Graureiher sowie Silberreiher, Weißstörche und auch Schwarzstörche beobachten, auch so mancher Seeadler lässt sich blicken. Die Fahrt führt zunächst vorbei an den „Lossower Bergen“ nach Frankfurt, wo die Alte Oder mit der Halbinsel Ziegenwerder, ein beliebtes Naherholungsgebiet der Frankfurter, passiert wird. Von dort kann bei einer Pause zu Fuß in fünf Minuten die Frankfurter Innenstadt erreicht werden.

Von Frankfurt geht es vorbei am bewaldeten Ufer auf der polnischen Seite nach Lebus. Dort wartet bei Kilometer 594 im Anglerheim am Fahrgastschiffanleger das Mittagessen. Rund ein Dutzend Kilometer weiter erheben sich die Ruinen der Festung Küstrin aus dem Gelände. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Schutz der Residenzstadt Küstrin errichtet, endete ihre Nutzung als Festung erst 1920 infolge des verlorenen 1. Weltkrieges. Kurz bevor auf polnischer Seite die Warthe in die Oder mündet, ist auf deutscher Seite das Tagesziel Bleyen erreicht, wo die Gaststätte „Zum Wagenrad“ die Paddler zum Abendessen empfängt und – wer nicht im Gemeindesaal übernachten möchte – auch Unterkunft finden kann.

Am nächsten Morgen geht es zeitig weiter durch die pralle Natur der Oder-Landschaft, vorbei an dem an einem Altarm der Oder gelegenen Naturerlebnishof „Uferloos“ bei Letschin, einer kleinen Oase fernab von jeglichem Stadtgetümmel mit ausgefallenen Übernachtungsmöglichkeiten in Jurten oder ausgebauten Zirkuswagen. Für die Mittagsrast empfiehlt sich, da wo sich „Fuchs und Storch Gute Nacht sagen“, beim Oder-Kilometer 651 das auf dem Deich gelegene Gasthaus „Zollbrücke“. Einige Häuser weiter ist hier in einem alten Fachwerkhaus das interessante "Theater am Rand" zu Hause.

Nach weiteren zehn Kilometern erreichen die Paddler den Zielort Hohenwutzen, wo an der Ausstiegsstelle bei der Gaststätte „Fuchsbau“ die Tour endet. Teilnehmer der Fahrt im vergangenen Jahr sprachen übrigens in höchsten Tönen von diesem Erlebnis.

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