Portrait - Max Hoff

Interview mit Max Hoff vor der Abreise nach Japan

„Olympia ist eine Herzensentscheidung“

ein Portrait von der Deutschen Sporthilfe
(Foto: Thomas Lohnes)

Max Hoff hat in seiner langen und erfolgreichen Leistungssportkarriere nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Die Olympischen Spiele in Tokio sollten der krönende Abschluss seiner Karriere werden.

Auch für den Übergang ins Berufsleben war gesorgt, nach eineinhalb Jahren als Trainee hatte Hoff bereits eine Jobzusage für die Zeit nach der Leistungssportkarriere. Wie die Verschiebung der Olympischen Spiele diese sicher geglaubten Pläne über den Haufen warf und wieso er sich trotzdem für eine letzte Olympia-Teilnahme entschied, erklärt er in seinem Beitrag im Sporthilfe-Magazin go!d.

Es war alles angerichtet. Gemeinsam mit meinem Partner im K2, Jacob Schopf, hatte ich Kurs auf die Olympischen Spiele genommen und mit dem Selbstvertrauen als amtierender Weltmeister auch gute Chancen, mich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren. Meine insgesamt vierte Teilnahme sollte das letzte Highlight meiner sportlichen Karriere werden, am liebsten noch einmal gekrönt mit einer Medaille. Im Anschluss an die Spiele sollte es dann im Beruf richtig losgehen.

Große Pläne

Foto: Thomas Lohnes

Ich hatte ein Jobangebot von Orthomol, einem Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel. Die letzten eineinhalb Jahre habe ich dort als eine Art Trainee verschiedene Abteilungen durchlaufen und die Möglichkeit gehabt, viel zu lernen. Denn mit Biologie und BWL habe ich zwar zwei Studiengänge abgeschlossen, aber das ist ja nur die Grundlage, um darauf beruflich aufzubauen. Ich habe in unterschiedliche Projekte reingeschnuppert, wann immer es die Zeit neben dem Leistungssport zuließ, es war optimal. Und dann kam das Virus und damit die Verschiebung der Olympischen Spiele.

Der Plan, den ich mir zurechtgelegt hatte, funktionierte vom einen auf den anderen Tag nicht mehr. Denn eines war klar: Mein zukünftiger Arbeitgeber würde keine zwölf Monate auf mich warten können, die Stelle würde eher morgen als übermorgen besetzt werden müssen. Sollte ich also meine über zwanzigjährige Leistungssportkarriere von heute auf morgen beenden?

Schon 2016 nach den Spielen in Rio hatte ich mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören, aber dann ziemlich schnell gemerkt, dass ich noch viel zu sehr mit dem Herzen dabei bin und wahnsinnig viel „Bock“ auf den Sport habe. Und das hat bis heute angehalten. Auf der anderen Seite hatte ich eine feste Jobzusage, eine für mich perfekte berufliche Einstiegschance.

Respekt vor der Zeit nach dem Sport

Foto: Finn Eidam

Mit 37 Jahren bin ich ohnehin schon spät dran. Ich muss gestehen, vor dem Schritt raus aus dem Leistungssport, rein ins Berufsleben, habe ich höllischen Respekt, da ich dort meinen Platz erst finden muss. Sollte ich also den Weg des sicheren Berufseinstiegs wählen?

Und das trotz des Risikos, dass die Spiele vielleicht noch komplett abgesagt werden. Ich habe aber fünf oder sechs Wochen gebraucht, um mich wieder zu fokussieren und zu sagen: Egal was kommt, jetzt mache ich das Beste draus. Ich werde mich das Jahr fit halten und Wettkämpfe so gut es geht simulieren, auch ein Höhepunkt im August ist geplant, um den Körper im jährlichen Rhythmus zu behalten. Im nächsten Jahr wird sich zeigen, wer am besten mit der Situation umgegangen ist, wer solide und professionell weitergemacht hat. Nur der wird erfolgreich sein, Rumheulen bringt nichts.

Geholfen hat mir bei der Entscheidung auch die Unterstützung durch die Deutsche Sporthilfe, die ElitePlus­ Förderung ist für mich extrem wichtig. Ob meine kleineren privaten Unterstützer weitermachen können, ist noch offen. Aber ich nehme die momentane Situation so wahr, dass die Menschen etwas näher und verständnisvoller aneinandergerückt sind. Niemand lässt einen ohne Grund fallen. Und wir sind auf Unterstützer angewiesen, damit unser Job und das, wovon wir leben, finanziert werden kann.

Bei der EM 2021 zur alten Stärke (Foto Finn Eidam)

Und das ist eine Verantwortung, in der ich momentan alle Beteiligten sehe. Wenn wir keine Unterstützung mehr erhalten, wissen wir nicht, wie es weitergehen kann. Es ist ja nicht so, dass wir hochdotierte Verträge haben, bei denen man mal auf ein paar tausend Euro verzichten kann. Nachdem meine Entscheidung gefallen war, ging es mir besser. Und doch habe ich auch jetzt noch ganz viele Fragezeichen und Unsicherheiten im Kopf.

Ich hatte mir ein zweites Standbein aufgebaut, das mir für die Zeit nach dem Sport Sicherheit gegeben hat. Neben dem Sport hatte ich eine Aufgabe, die ich brauchte, um vom Kopf her frei zu sein und den Sport genießen zu können. Ich war erfolgreich, weil ich wusste, das ist der Weg, den ich weitergehen kann. Nochmal ein Jahr komplett reiner Profisportler zu sein, möchte ich mir im Alter von 38 Jahren nicht mehr leisten. Ich werde mir für die kommenden Monate etwas Neues suchen müssen, um beruflich nicht stehen zu bleiben. Schön wäre es natürlich, wenn sich mit Orthomol noch eine Lösung für ein weiteres Jahr ergeben würde. Das ist die wesentliche Baustelle, die ich regeln muss. Allerdings lässt die allgemeine wirtschaftliche Lage natürlich nur schwer einschätzen, ob man nächstes Jahr überhaupt wieder Angebote bekommt.

Quelle: https://www.sporthilfe.de

Foto: Finn Eidam

Interview mit Finn Eidam

 

Allgemeine Fragen zum Kanu-Rennsport

 

Name: Max Hoff

 

Geboren am: 12.09.1982

 

Geboren in: Troisdorf

 

Beruf: Sportler - Uni-Abschlüsse als Diplom Biologe und Diplom Kaufmann

 

Verein: KG Essen

 

Heimtrainer: Robert Berger

 

Bundestrainer: Stefan Ulm und Arndt Hanisch

 

Größter Erfolg: Olympiasieg K4 1000m 2016 in Rio

Foto: Finn Eidam

Allgemeine Fragen zum Kanurennsport

Seit wann paddelst du schon? 

1994

 

Wie bist du zum Kanusport gekommen? 

über meine Patentante 

 

In welchem Verein und auf welchem Gewässer hast du das Paddeln erlernt? 

STV Siegburg auf der Sieg 

 

Wer hat dich in deiner sportlichen Karriere am meisten geprägt? Warum? 

Stephan Steifenhöfer. Mit ihm habe ich 2004 angefangen zusammen zu arbeiten. Bin dann 2006 Weltmeister im Wildwasserrennsport geworden, danach haben wir uns einen Rennsport-K1 geschnappt und trainiert. Das Resultat war dann 5. im K1 1000m in Peking 2008 und der WM Titel 2009 im K1 1000m in Canada. Er hat mich in den Rennsport gebracht, bei dem ich bis jetzt wie ja bekannt ein paar ganz gute und erfolgreiche Jahre hatte.

 

Mit wem wolltest du schon immer mal K2/C2 fahren? 

Na gerade habe ich ja Jacob Schopf und der ist schon eine gute Waffe. Aber Ronny wäre mal ein Kandidat, wir haben es bisher noch nicht geschafft. Liegen unsere Strecken wohl zu weit auseinander. Ich muss ihn noch von einer Masters-WM überzeugen. Ansonsten muss dort Stefan Ulm herhalten.

 

Fragen zum Wettkampf

Auf welcher Regattastrecke bestreitest du am liebsten ein Rennen? Warum?

Szeged. Beste Athmösphare. 

In Deutschland Köln. Leider nur selten im Programm aber tiefes klares Wasser und meine Heimat.

 

Welcher Rennabschnitt (Start, Mittelstück, Endspurt) gefällt dir am liebsten? Warum?

Na die Mitte. Da ist man noch halbwegs bei Sinnen. Ende kann ich auch gut, aber schmerzt echt fies. Zum Start äußere ich mich mal besser nicht.

 

Welche Disziplin fährst du am liebsten? (z.B. K2 500m)

Na gerade K2 1000m

 

Wie bereitest du dich auf ein Rennen vor? Hast du Rituale? Wenn ja, welche?

Ich habe ein genaues Einfahrprogramm genau 100 Minuten vor dem Start gehts los. Das ist seit Ewigkeiten dasselbe. Danach ist es Routine. Umziehen, Fokus, bisschen Quatschen und Aufwärmen und nicht versuchen nervös zu werden. Habe keine Musikroutine oder der gleichen.

Foto: Finn Eidam

Fragen zu Olympia

Welche Besonderheiten gab es in der Olympiavorbereitung für dich persönlich (abgesehen von Corona)? (z.B. besondere Ernährung, anderes Training)

Na das es ein Jahr weiter ging und ich nicht jünger wurde. Motivation war kein Problem, teilweise aber recht schwierig dieses Frühjahr in gang zu kommen.

Ach ja, ansonsten habe ich noch ein festes Jobangebot ausgeschlagen und meinen Arbeitgeber verlassen, damit ich die Sache mit Tokio noch zu Ende bringen kann. Was danach kommt… lasst euch überraschen.

 

Dein Ziel in Tokio? 

Im K2 1000m mit Jacob Spaß haben und das Rennen rocken.

 

Wer wird dein/euer stärkster Konkurrent im Kampf um die Medaillen sein?

CZE!, SVK!, ESP, AUS, HUN 

 

Wie würdest du einen Olympiasieg feiern? 

Keine Ahnung. Da kümmere ich mich drum wenn es denn soweit kommt und ist. Ist ja bekanntlich nix einfacher als das. Vermutlich wären aber wieder Tränen im Spiel.

 

Auf was freust du dich in Japan am meisten? 

Sushi

 

Was erwartest du von den Olympischen Spielen in Tokio? 

Erstmal nicht so viel. Außer, dass sie Safe durchführt werden, wir vernünftige Wettkämpfe haben und den Rest lasse ich auf mich zukommen.

 

Fragen zum Training

War die Verschiebung der Olympischen Spiele für dich eher ein Vor- oder Nachteil? Erkläre bitte kurz warum.

Vorteil: Ich konnte ein Jahr weiter paddeln.

Nachteil: bin nicht mehr der Jüngste und es wird jedes Jahr schwieriger die Spitzenleistungen zu bringen…bzw. brauche ich immer länger, um in Schwung zu kommen.

 

Was ist deine Lieblingstrainingseinheit in der Wettkampfvorbereitung?

Intervalle GA3 im K2 und (jetzt hauen mich alle) GA2 2000m kann ich auch ganz gut. Finde ich aber auch schonmal etwas lang und langweilig.

 

Zu welcher Tageszeit trainierst du am liebsten und warum?

Na ich fange früh an und mag das auch, bloß bin ich auch oft müde… die zweite Einheit gegen 10.30 funktioniert immer mit am besten. Ansonsten hat Training am späten Abend im Sommer (zum Sonnenuntergang wenn es noch warm ist) auch etwas oder ganz früh morgens…da ist bloß das Aufstehproblem.

Foto: Finn Eidam

Persönliche Fragen

Was ist deine größte persönliche Veränderung seit 2016? 

Das ich älter geworden bin?!

 

Was ist dein emotionalster sportlicher Moment? 

Olympiasieg 2016

 

Was ist deine bitterste sportliche Erfahrung? 

Rio 2016 K1 1000m Finale. Nach 100m im Renne raus bzw. ohne Chance wegen Palmblättern im Steuer.

 

Welche Pläne hast du für die Zeit nach den Olympischen Spielen? 

Mit Frieda reisen - und alles Weitere erfahrt ihr dann. Ach ja und weiter Boot fahren.

 

Wen würdest du nach einem Olympiasieg als Erstes anrufen? 

Frieda (meine Freundin)

 

Wie verarbeitest du eine Niederlage? 

Mit Zeit, mit mir selber und zuhause mit den Menschen die mir etwas bedeuten.

 

Fragen zum Material

Bootsmarke/Bootstyp:

K1 Nelo Cinqo XXL, K2 FES V1 2020

 

Paddelmarke/Paddeltyp:

Braća 1 (805) in 221cm


Max Hoff


 

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Persönliche Daten

Geburtsdatum 12.09.1982
Geburtsort Troisdorf
Wohnort Köln
Bootsklasse Kajak
Kanusport seit 1994
Beruf Diplom-Biologe und Diplom-Kaufmann
Verein KG Essen
Coach Berger, Robert + Stiefenhöfer, Stephan
  

Im Internet

 

Im Kurzportrait

  

Sportliche Erfolge

OS: 1x Gold / - / 1x Bronze
WM: 7x Gold / 6x Silber / -
EM: 12x Gold / 6x Silber / 5x Bronze
Europaspiele: 3x Gold / - / 1x Bronze
 

Auflistung der Erfolge

2019 WM: 1. K2 1000m; 2. K1 5000m
2019 EG: 1. K2 1000m; 3. K1 5000m
2018 WM: 1. K2 1000m
2018 EM: 1. K1 5000m; 2. K2 1000m
2017 WM: 2. K1 5000m; 5. K2 1000m
2017 EM: 1. K1 5000m, 1. K2 1000m
2016 OS: 1. K4 1000m, 7. K1 1000m
2016 EM: 1. K2 1000m, 4. K1 1000m
2015 WM: 2. K1 5000m, 4. K1 1000m
2015 EG: 1. K1 1000m, 1. K1 5000m
2015 EM: 1. K1 1000m, 2. 5000m
2014 WM: 2. K2 200m, 2. K1 5000m; 8. K1 500m, 9. K1 1000m
2014 EM: 1. K1 5000m, 3. K1 1000m
2013 WM: 1. K1 1000m, 4. K1 5000m
2013 EM: 1. K1 5000m, 2. K1 1000m, 3. K1 500m
2012 OS: 3. K1 1000m, 4. K4 1000m
2012 EM: 1. K1 1000m, 2. K1 5000m, 4. K4 1000m
2011 WM: 1. K4 1000m, 1. K1 5000m, 4. K1 1000m
2011 EM: 1. K1 1000m, 2. K4 1000m
2010 WM: 1. K1 1000m, 2. K1 5000m, 5. K1 500m
2010 EM: 1. K1 1000m, 2. K1 5000m, 3. K1 500m
2009 WM: 1. K1 1000m
2009 EM: 1. K1 1000m
2008 OS: 5. K1 1.000m
2008 EM: 3. K1 1.000m
2007 WM: 10. K1 1.000m
2007 EM: 4. K1 1.000m