Portrait - Max Rendschmidt

„Ich mache weiter – so lange es Spaß macht und die Leistungen passen“

Der zweifache Olympiasieger Max Rendschmidt im Portrait

von Lea Löffler

(Foto: Ute Freise)

Vom Wildwasser in den Rennsport gewechselt – und es nie bereut. Rennkanute Max Rendschmidt gehört zu den erfolgreichsten Sportlern des Nationalteams. Was der 28-Jährige neben dem Paddeln macht und was sein neustes Hobby ist, hat er im Interview mit dem KANU-SPORT erzählt.

Max Rendschmidt wurde das Kanufahren quasi in die Wiege gelegt. Fünf Jahre vor seiner Geburt startete seine Mutter bei den Olympischen Spielen in Seoul. Auch sein Vater, sein Stiefvater und die beiden Brüder waren alle schon auf dem Wasser aktiv oder sind es noch. Welchen anderen Sport hätte Max da machen können? Zuerst im Wildwasser unterwegs und ab 10 Jahren immer mehr im Rennboot, profitiert der 28-Jährige noch heute von seinen Wildwasser-Erfahrungen: „Man merkt auf jeden Fall noch, wenn schlechte Bedingungen sind, mit hohen Wellen und co, dass ich da deutlicher besser mit zurecht komme, als Sportler, die nur Rennsport gemacht haben.“ 

Der Goldjunge

Foto: Henning Schoon
Dass er auch im Rennboot hervorragend klar kommt, haben seine beeindruckenden Leistungen gezeigt. Nach mehreren Medaillen bei Junioren- und U23-Weltmeisterschaften, zwei Silberrängen bei Europaspielen, fünf Goldmedaillen bei Europameisterschaften und vier ersten Plätze bei Weltmeisterschaften, konnte der Erfolg nur noch durch eines getoppt werden: Zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016. 
Für seine Leistungen hat auch Rendschmidts Heimatstadt Bonn ihn mit mehrfachen Auszeichnungen zum „Sportler des Jahres“ honoriert. Zudem hat er ein silbernes Lorbeerblatt, den Kienbaum-Award für seine Vorbildhaftigkeit, sowie den Felix-Award als bester Sportler NRWs erstanden. Trotz des Erfolges, der zahlreichen Preise und der großen Bekanntheit in der Kanu-Szene, ist Max froh, dass er noch ein Privatleben haben kann. „Ich kann mich frei bewegen und werde selten im Supermarkt erkannt. Bei Fußballern ist das ganz anders. Auf der anderen Seite kommen wir auch nicht so leicht an Sponsoren ran,“ erzählt der Sportler.

Ein Polizeiobermeister spricht

Foto: Thomas Lohnes

Nicht immer lief alles wie geschmiert beim 28-Jährigen. Nachdem er mit 13 Jahren auf das Sportinternat in Essen gewechselt war, liefen Schule und Training parallel gut. Das Abitur wollte Max auf einer Gesamtschule machen. Hier passten Trainingszeiten und Schulpensum bald nicht mehr zusammen. Ein weiterer Schulwechsel sollte das Problem lösen, doch langfristig brachte er weder in der Schule noch im Training die erhofften Ergebnisse. 

Als Max die Dienststelle der Bundespolizei in Kienbaum besucht hatte, stand fest: Er will die Ausbildung zum Bundespolizisten machen. Anders als in der normalen, zweieinhalb Jahre dauernden Ausbildung, durfte sich Max im Modell für Spitzensportler weiterbilden lassen. Jedes Jahr müssen die Sportlerinnen und Sportlern nur wenige Monate auf die jeweilige Dienststelle kommen, dafür dauert die Ausbildung zum Polizeimeister vier Jahre. 
2014 schloss er die Ausbildung zum Polizeimeister ab. Die Arbeitszeit beträgt seitdem vier Wochen im Jahr, in denen die Sportlerinnen und Sportler verschiedene Einsatzorte kennenlernen, in denen sie nach der Karriere arbeiten können. Bei der Küstenwache in Cuxhaven hat es Max Rendschmidt sehr gut gefallen. Und den technischen Dienst in Sankt Augustin möchte er noch kennenlernen. Inzwischen wurde Rendschmidt zum Polizeiobermeister gekürt. Ob er bald mit dem Kanurennsport aufhört und nur noch bei der Bundespolizei arbeitet? Nein! Der gebürtige Bonner möchte den Leistungssport noch so lange betreiben, wie es im Spaß macht und die Leistungen stimmen.
Das Leben neben dem Sport 

Training im Winter (Foto: privat)

Damit die Leistungen ihn auch weiterhin im deutschen Team halten, war Max mit den anderen Kanuten im Trainingslager in Davos. Vom 2. bis 13. Januar trainierten die Spitzensportlerinnen und -sportler auf 2000 Meter Höhe. Mit dabei war auch Max Rendschmidts Idol und Namensvetter Max Hoff. Seit Kindertagen war der Bonner Fan des ebenfalls sehr erfolgreichen Disziplin-Wechslers Hoff. Seit die beiden im selben Team sind, schätzt Rendschmidt besonders, von Hoff als Trainingspartner zu profitieren.

Inzwischen wohnt Max Rendschmidt mit einem anderen Kanuten in Essen in einer WG. Am Wochenende kommt der Sportler jedoch immer, wie schon zu Internatszeiten, ins heimische Bonn zurück. Der Hauptgrund ist natürlich seine Freundin. Doch auch das Paddeln auf dem Rhein, zusammen mit seinem kleinen Bruder, ist für ihn ein spannender Ausgleich zu den langen Einheiten auf stillem Gewässer. Da Max viele Wochen im Jahr in Trainingslagern, mit der Bundespolizei oder auf Wettkämpfen unterwegs ist, schätzt er das Verständnis seiner Familie und Freunde für lange Abwesenheiten sehr. Und wenn dann doch mal Zeit über ist, dann faulenzt er gerne, fährt Fahrrad oder arbeitet im Garten. Ein relativ neues Hobby fordert neben seiner Technikversiertheit auch handwerkliches Geschick: Rendschmidt möchte seinen neu erstandenen VW-Bus zum Camper umbauen. Beim Basteln an Fahrrädern oder dem neuen Bus kann der Sportler gut abschalten und den Stress vergessen. 

Sorge um den Nachwuchs

Besorgt ist Rendschmidt mehr noch um den Nachwuchs. Für ihn sei das letzte Jahr fast normal gewesen. Er sehe aber für Kinder und Jugendliche ohne Kaderstatus, eine schlimme Zeit, da sie nicht aufs Wasser gehen dürfen. Ob wir dem sympathischen Sportler für Tokio alles Gute wünschen dürfen, weiß noch keiner. Max lässt sich überraschen: „Et kütt wie et kütt“.
Foto: Thomas Lohnes

Interview mit Finn Eidam

Allgemeine Fragen zum Kanurennsport

 

Seit wann paddelst du schon?

Im Rennsport paddel ich seit 2007, mein erstes Rennen im Wildwasser bin ich 1999 gefahren.

Wie bist du zum Kanusport gekommen?

Über meine Eltern bin ich zum Kanusport gekommen

In welchem Verein und auf welchem Gewässer hast du das Paddeln erlernt?

Das Paddeln habe ich beim OWV Oberkassel auf dem Rhein erlernt.

Wer hat dich in deiner sportlichen Karriere am meisten geprägt? Warum?

Mich haben über meine Eltern bis hin zu meinen Gegnern alle in meiner sportlichen Karriere geprägt, jeder auf seine Weise

Mit wem wolltest du schon immer mal K2/C2 fahren?

Mit allen mit denen ich mal K2 fahren wollte, habe ich bereits mal eine Runde gedreht.

Foto: Thomas Lohnes

Fragen zum Wettkampf

 

Auf welcher Regattastrecke bestreitest du am liebsten ein Rennen? Warum?

Das kommt auf den Wettkampfort an, da das Wasser immer eine unterschiedliche ist.

Was darf in deiner Wettkampfvorbereitung nicht fehlen? Warum?

Gute Stimmung

Welcher Rennabschnitt (Start, Mittelstück, Endspurt) gefällt dir am liebsten? Warum?

Das Ziel, dort kann man aufhören sich anzustrengen

Welche Disziplin fährst du am liebsten? (z.B. K2 500m)

Ich fahre am liebsten die Mannschaftsboote über alle Disziplinen

Wie bereitest du dich auf ein Rennen vor? Hast du Rituale? Wenn ja, welche?

Ich habe ein spezielles Erwärmungsprogramm

Foto: Finn Eidam

Fragen zu Olympia

 

Welche Besonderheiten gab es in der Olympiavorbereitung für dich persönlich (abgesehen von Corona)? (z.B. besondere Ernährung, anderes Training)

Viel mehr Trainingslager und Training

Dein Ziel in Tokio?

Eine Medaille gewinnen

Wer wird dein/euer stärkster Konkurrent im Kampf um die Medaillen sein?

Spanien

Wie würdest du einen Olympiasieg feiern?

Mit einer Feier

Auf was freust du dich in Japan am meisten?

Auf die Japaner

Was erwartest du von den Olympischen Spielen in Tokio?

Gute Wettkämpfe

Foto: Finn Eidam

Fragen zum Training

 

War die Verschiebung der Olympischen Spiele für dich eher ein Vor- oder Nachteil? Erkläre bitte kurz warum.

Nachteil, es hat die komplette Planung durcheinandergebracht.

Was ist deine Lieblingstrainingseinheit in der Wettkampfvorbereitung?

Regenerative GA1

Zu welcher Tageszeit trainierst du am liebsten und warum?

Vormittags, da ist es nicht zu früh und nicht zu spät

Was darf im Training für dich persönlich nicht fehlen?

Gutes Wetter

Foto: Finn Eidam

Persönliche Fragen

 

Was ist deine größte persönliche Veränderung seit 2016?

Die Hauptwettkampfstrecke hat sich von 1000m auf 500m verkürzt

Was ist dein emotionalster sportlicher Moment?

Die Siege beiden Olympischen Spielen

Was ist deine bitterste sportliche Erfahrung?

2014 knapp an dem Treppchen vorbei gefahren zu sein

Welche Pläne hast du für die Zeit nach den Olympischen Spielen?

Ich machen den Aufstieg bei der Bundespolizei

Wen würdest du nach einem Olympiasieg als Erstes anrufen?

Meine Familie und Freundin

Wie verarbeitest du eine Niederlage?

Einfach weitermachen

 

Fragen zum Material

 

Bootsmarke/Bootstyp

K1 Nelo Cinco/ K4 FES

 

Paddelmarke/Paddeltyp

Lettmann Speed


Max Rendschmidt


 

Zurück zur Liste

Persönliche Daten

Geburtsdatum 12.12.1993
Geburtsort Bonn
Wohnort Bonn
Bootsklasse Kajak
Kanusport seit 2007
Beruf Bundespolizist
Verein KG Essen
Coach Berger, Robert
  

Im Internet

 

Im Kurzportrait

  

Sportliche Erfolge

OS: 2x Gold / - / -
WM: 5x Gold / 1x Silber / -
EM: 5x Gold / 2x Silber / 1x Bronze
Europaspiele: - / 2x Silber / -
U23 EM: 1x Gold / - / 1x Bronze
JWM: 1x Gold / 1x Silber / -
JEM: - / 1x Silber / 1x Bronze
 

Auflistung der Erfolge

2019 WM: 1. K4 500m
2019 EG: 2. K4 500m
2018 WM: 1. K4 500m; 2. K1 1000m
2018 EM: 2. K4 500m; 3. K1 1000m
2017 WM: 1. K4 500m
2016 OS: 1. K2 1000m, 1. K4 1000m
2015 WM: 1. K2 1000m
2015 EM: 1. K2 1000m, 1. K2 500m
2014 WM: 4. K2 1000m, 4. K2 500m
2014 EM: 1. K2 1000m, 7. K2 500m
2013 WM: 1. K2 1000m, 4. K2 500m
2013 EM: 1. K2 1000m, 1. K2 500m
2012 U23 EM: 1. K2 1.000m, 3. K2 500m
2011 JWM: 1. K2 1000m, 2. K1 1000m
2010 JEM: 2. K4 1000m, 3. K1 1000m