19.06.2019 | Kanu-Freizeit

Vogalonga: Bunt, schrill und kein bisschen leise. Mit dem Kajak durch Venedig

Einmal im Jahr treffen sich Wassersportfans aus aller Herren Länder, um am weltgrößten Wasserspektakel Vogalonga in Venedig teilzunehmen. Wohlbemerkt: Es geht um muskelbetriebenen Wassersport, denn nur noch am Pfingstsonntag, dem Vogalonga-Tag, dürfen Kanus, Drachenboote, Ruderboote, Stand-up-Paddler, Gondeln und eigenkonstruierte Boote durch die Kanäle Venedigs schippern.
Vogalonga 2019

Die Wasserstraßen beherrschen ansonsten einzig und allein Motorboote, Fähren, die Linienboote Vamporettos, Wassertaxen sowie die Berufs-Gondolieren. Die Vogalonga war einst als Protestveranstaltung gegen die Flut der Motorboote gedacht.

Dabei sein ist alles

Dieses Jahr fand bereits die 45. Auflage mit der Rekordbeteiligung von 2.000 gemeldeten Booten mit insgesamt rund 6.000 Teilnehmern statt. Sammel-, Start- und Zielpunkt ist der Canal Grande in der Nähe des weltberühmten Markusplatzes. Opernmusik dröhnt aus den Lautsprechern, bevor punkt 9 Uhr ein Kanonenschuss die vielen bunt geschmückten Boote auf den 30 km langen Rundkurs schickt. Die großen und schnellen Boote sollen vorne wegfahren und der Rest hinterher. Doch bereits nach den ersten Kilometern ändert sich das alles. Die anfängliche Euphorie verflogen, nachlassende Kräfte bei 30°C auf stehendem Gewässer mit gelegentlichem Seiten- oder Gegenwind sowie die unvermeidlichen Zwangspausen zum Pinkeln wirbeln die gut gemeinte Startaufstellung gehörig durcheinander. Kenterungen durch Bootskollisionen sind besonders an Engstellen und Kurven vorprogrammiert.

Kreuz und quer, in allen Sprachen, wild gestikulierend – so nah auf Tuchfühlung kommen sich die vielen Wassersportler nur selten. Vorbei an der Artischockeninsel Sant’Erasmo mit lauter Musik an den Ufern geht es weiter nach Burano, die Insel mit den bunten Häusern. Bananen und Wasserflaschen zur Stärkung werden in die vorbeifahrenden Boote geworfen; die wenigen Ausstiegsstellen sind überfüllt; der eine oder andere genießt im wahrsten Sinne des Wortes das Bad in der Menge, sprich in der Lagune mit Badewannentemperatur. Die schrille und bunte Bootsschlange hat sich merklich in die Länge gezogen. Nach rund 20 km sind noch zwei längere Passagen zurückzulegen: Erst Murano, die Touristeninsel mit dem weltberühmten gleichnamigen Glas, dann weiter nach Venedig. Carabinieri auf dem Wasser weisen den Weg.

Die Trommeln der Drachenboote klingen ruhiger, die Paddelschläge behäbiger, vereinzelte Stand-up-Paddler halten noch gut durch, die Ruderer fahren längst langsamer – bis zum großen Finale: Der letzte Kilometer auf dem Canal Grande, wo sonst Motorboote den Ton angeben, gleicht einem karnevalistischen Schaulaufen, Anfeuerungsrufe der Restaurantbesucher direkt am Wasser, der mitgereisten Fans oder der vielen Touristen mobilisieren letzte Kraftreserven.

Am Ziel bei inzwischen aufkommender Gegenströmung wegen der Gezeiten warten Plaketten und Urkunden auf die Teilnehmer. Nochmals Gedränge, lautes Gejohle bevor sich dieser riesige bunte Tross in alle Himmelsrichtungen zerstreut.

Ciao Venedig

Doch für die meisten Kanuten ist mit Paddeln an diesem Tag noch lange nicht Schluss. Viele haben ihre Unterkünfte im Umkreis von 10 km wie in Fusina. So wie die 15 Kanuten vom SKC Saarbrücker Kanu-Club. Nach 8 km am Morgen, nun noch 8 km retour mit Überquerung der stark befahrenen ca. 200 m breiten Wasserautobahn. Meter hohe Wellen von allen Seiten machen die bewegte Querung zu einem spritzigen Vergnügen. Wohl dem, der hier nicht baden geht.

Nach insgesamt 46 gepaddelten km ist die Vogalonga 2019 Geschichte und die 900 km zurück ins Saarland stehen am nächsten Tag auf dem Programm. Ciao Venedig.

In den Tagen zuvor waren die Saarbrücker Kanuten mit Sandro vom Kanuverein in Mestre in der Lagune unterwegs. Die Italiener waren letztes Jahr zu Gast beim SKC. Es ist immer wieder ein Vorteil, fremde Gewässer zusammen mit Einheimischen zu entdecken.

Weitere Infos zur Vogalonga wie Anmeldung, Streckenführung und Bilder unter www.vogalonga.eu


Über die Region Venedig - Das Leben ist schön
Die Lagunenstadt mit ihren 56.000 Einwohnern – mit Inseln, Vororten und Festland sind es 263.000 – ist trotz der Touristenströme immer eine Reise wert. Eine romantische Gondelfahrt gehört genauso zu Venedig wie der Karneval oder das Muranoglas. Vorsicht: Viel Nippes stammt mittlerweile aus China. Ein überteuerter Espresso im Café Florian am Markusplatz ist Kult, die leckeren Eissorten ein Genuss, die venetianische Spezialität sardo em saor, Sardinen süßsauer mit Zwiebeln, nicht jedermanns Sache, frischer Fisch und Meeresfrüchte zum Abwinken, Pasta, Antipasti, regionale entdeckungswürdige Weine … „La vita è bella“, so der gleichnamige Film mit dem italienischen Schauspieler und Regisseur Roberto Benigni. Ob Sportler und Badefreunde, Genussmenschen oder Kulturbeflissene, Venedig hat für jeden etwas zu bieten.

Von Armin Neidhardt

Vogalonga 2019
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