13. August 2009 | Kanu (Allg.)

Nachruf Hans Memminger

Hans Memminger (*1936) ist seiner schweren Krankheit erlegen. Mit ihm hat die deutsche Kajakszene eine großartige Persönlichkeit, einen Expeditionspaddler, Filmer und Buchautor verloren – und einen großen Erzähler.
Nachruf Hans Memminger

Wer ihm bei seinen Filmvorträgen lauschte, wusste hinterher nicht, was ihn mehr fasziniert hatte: die Bilder oder was und wie Memminger dazu über das Erlebte sprach. Er lebte für den Kanusport und das Filmen. Schnitt, Text, Musikauswahl, alles war original Hans Memminger.

Aufgewachsen in Bad Tölz, hatte er schon in der Kindheit Bezug zum Wasser, denn sein Großvater war Flößerr. Bei ihm entdeckte und beobachtete er die ersten Kanuten, was sein Interesse am Kanusport weckte. Das Paddeln lernte er dann im Kanuverein.

Mit einer geliehenen Kamera machte er Filmaufnahmen bei einer Paddelfahrt und führte den Film später im Vereinsheim vor. Bald luden andere Kanuvereine ihn zu Filmvorführungen ein. Schon in jungen Jahren hatte er sich einen Ruf in der Szene erworben.

Memminger studierte Feinmechanik und Optik und arbeitete als Kamerakonstrukteur. Erste professionelle Filmerfahrungen sammelte er bei einer Nepal-Expedition mit dem Bergsteiger und Expeditionsleiter Günter Hauser. Hans Memminger hatte Feuer gefangen. Von nun an bestimmte das Filmen von Kanu-Expeditionen und Dokumentarfilmen sein Leben

Bekannt von seinen Wildwasser-Expeditionen im Himalaya, erkundete Memminger im Auftrag der bhutanesischen Regierung alle großen Flüsse des Landes Bhutan und ergänzte das Kartenmaterial. Er durchquerte das "verbotene Land" im Jeep, zu Fuß und zu Pferd. Erstbefahrungen der Flüsse Chang-Chu, Kuru-Chu, Dangme-Chu und Manas-Chu waren Folge seiner Arbeit.

Bei der Befahrung des Alsek-Rivers mit Mike Hierl und Claus Streckmann entstand einer seiner bekanntesten Filme. Er zeigte nicht nur erstmals eine Kajak-Befahrung des gefürchteten Turnback-Canyons, sondern zeichnete ein faszinierendes Bild unangetasteter Wildnis aus Wüste, Wasser und Eis, in der der Grizzly-Bär noch der alleinige Herrscher ist.

Eine Drei-Wochen-Expedition führte in die Schluchten des Grand Canyons. Memminger filmte eine rasende Jagd mit Kajaks durch die tosenden Strudel des Hochwasser führenden Colorados und lenkte dabei immer wieder das Augenmerk auf die unglaublichen Naturschönheiten zwischen den kilometerlangen Steilwänden der Schluchten.

Die Nord-West-Passage wurde einer seiner bekanntesten Filme. Erstmals gelang der Memminger-Expedition – u. a. mit dem Donauwörther Hans Schneller – die Durchquerung einer der schwierigsten Eismeerpassagen. Die Gefahren durch Packeis, Sturm und Wellen sowie hungrige Eisbären schilderte Memminger eindrucksvoll in seinen Erzählungen. Das Eismeer faszinierte ihn – noch dreimal kehrte er dort hin zurück.

Für sein Buch "Die Arktis im Kajak – von Grönland nach Kanada, 2400 km durch das Eismeer zeichnete der Bayerische Kanu-Verband Hans Memminger mit dem Journalistenpreis aus.

Ilse Entner/uz

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