18. Dezember 2015 | Kanu-Rennsport

„Der Kanu-Käpt’n geht von Bord“

Treffender als es die Magdeburger Volksstimme dieser Tage formulierte, lässt sich der Abschied von Andreas Ihle vom aktiven Leistungssport wohl kaum beschreiben. Mit dem 36-Jährigen legt einer der erfolgreichsten Kajak-Herren seit 2000 das Paddel aus der Hand.
„Der Kanu-Käpt’n geht von Bord“
Sagt dem Leistungssport adé: Andreas Ihle
Die Entscheidung, mit dem Leistungssport Schluss zu machen, habe er mit „mehr Wehmut als Freude“ getroffen, und er habe lange mit dieser Entscheidung gerungen, bekannte das langjährige Mitglied des Rennsport-Nationalteams gegenüber der Volksstimme. Über 25 Jahre frönte Andreas Ihle dem Wettkampfsport. Seine ersten Paddelschläge absolvierte er zunächst in Bad Dürrenberg, ab 1992 reifte er in Magdeburg unter Guido Behling zum Weltklasseathleten. Im Verlauf seiner Karriere erkämpfte Ihle einen kompletten olympischen Medaillensatz, wurde zweimal Welt- und Europameister und brachte es auf insgesamt sechs WM- und sieben EM-Medaillen. Seine internationalen Erfolge erzielte der Wahl-Magdeburger fast ausschließlich in den Mannschaftsbooten, zunächst als zuverlässiger Schlagmann des Herren-Vierers und später im Zweier vor allem mit Rupert Wagner bzw. Martin Hollstein. Legendär ist sein Olympiasieg mit Martin Hollstein (Neubrandenburg) 2008 in Peking. Die Teilnahme an den Spielen von Peking hing nach krankheitsbedingtem Ausfall seines Zweierpartners Rupert Wagner sechs Wochen vor Olympia schon am seidenen Faden, da erwies sich ein Versuch mit dem acht Jahre jüngeren Neubrandenburger Martin Hollstein als Glücksgriff. Beide harmonierten von Beginn an und obwohl Andreas Ihle erstmals nicht den Schlag angab, sondern auf der ungewohnten Position hinten im Boot Platz nahm, überraschte das neue Duo mit seiner überlegenen Goldfahrt im K2 über 1000m in der chinesischen Hauptstadt die gesamte Weltelite. Als 32-Jähriger schaffte er es 2012 in London mit Martin Hollstein noch einmal aufs olympische Podest, sie gewannen Bronze.
Zuletzt plagte sich der Sportsoldat jedoch immer wieder mit Verletzungen herum und verpasste infolgedessen 2013 und 2014 den Sprung ins Rennsport-Nationalteam. Aufgeben kam für Andreas Ihle jedoch nie in Frage. Zu sehr reizte ihn das große Ziel, 2016 in Rio zum fünften Mal Olympische Spiele zu erleben. Auch als er sich nicht für die Rennsport-Auswahl qualifizieren konnte, verlegte er seinen Ehrgeiz kurzerhand auf die Marathon-Distanz, wo er es ebenfalls bis zur EM- und WM-Teilnahme schaffte. Obwohl er in Vorbereitung auf die vorolympische Saison 2015 noch einmal viel investiert hatte, fünf Trainingslager absolvierte, mit Trainer Eckhard Leue neue Reize gesetzt hatte und von Verletzungen verschont blieb, gelangte er im Ergebnis der nationalen Qualifikation zu der für ihn schmerzlichen Erkenntnis: „Es reichte offensichtlich einfach nicht mehr.“
Bis März 2016 gehört Andreas Ihle noch der Sportfördergruppe der Bundeswehr an, wie es danach beruflich für den gelernten Sozialversicherungs-Fachangestellten weiter geht, weiß er noch nicht genau. Dem Kanusport wird er aber auf jeden Fall verbunden bleiben, derzeit absolviert er die Ausbildung zum B-Trainer. Damit tritt er in die Fußstapfen seiner erfolgreichen Magdeburger Paddelkollegen wie Mark Zabel und Björn Bach, mit denen er noch gemeinsam im Nationalteam war und die inzwischen im Trainerberuf erfolgreich sind.

Text: H.-P. Wagner
PARTNER