Weser-Tidenrallye

Sportliche Wettfahrt mit dem Gezeitenstrom
Kanuten und Ruderer werden von der DLRG begleitet. - © Dieter Schlack
Kanu-Gemeinschaftsfahrten finden auf der Weser einige statt und jede hat ihren ganz eigenen Charakter, auch die Weser-Tidenrallye. Und doch sticht diese immer in den geraden Jahren vom Landes-Kanu-Verband Bremen organisierte Fahrt besonders heraus. Dabei erscheint die sich an Breitensportler richtende Fahrt auf Unterweser und Lesum mit Start in Nordenham und drei Zielen in Bremen in der offiziellen Kurzbeschreibung noch relativ unspektakulär. Das Interessante jedoch ist, es wird stromauf von Nord nach Süd gepaddelt, und zwar mit dem Gezeitenstrom – niederdeutsch „Tide“ –, dafür aber nicht selten auch gegen einen mehr oder weniger kräftigen Wind. Und wenn man berücksichtigt, dass die Tide am jeweiligen Bezugsort rund alle sechs Stunden ihre Richtung wechselt, dann ergibt das ein von der Natur vorgegebenes Zeitfenster für das Erreichen des jeweils angestrebten Ziels: Silber nach 33 km beim KC Rönnebeck, Gold nach 44 km beim Bootshaus von TURA Bremen und Platin nach 59 km bei den KanuSport-Freunden Bremen kurz oberhalb des Weserstadions. Aufgrund dieser Wettfahrt mit dem Gezeitenstrom ist die Weser-Tidenrallye zumindest in Deutschland, wenn nicht gar weltweit, einzigartig.
Der Start erfolgt noch im Schlick. - © Dieter Schlack
Bis kurz vor dem Start beim WSV in Nordenham liegt der Hafen nahezu trocken, zum Start gibt es dann für die Teilnehmer genügend Wasser unterm Boot und die Fahrt stromauf kann losgehen. Die Schlickränder an den Ufern verschwinden allmählich und es entfaltet sich eine Besonderheit der Marschen, die schon oft Maler und Fotografen beiderseits der Unterweser in ihren Bann zog und noch immer zieht: Es ist das ständig wechselnde Licht, in dem die Weser-Paddler die Landschaft und den Fluss erleben.
Das Platinziel nach 59 km bei den KanuSport-Freunden ist erreicht. - © Norbert Köhler

Den sportlichen Reiz der Rallye bestimmen vor allem Windrichtung und -stärke. Kommt der Wind aus nördlichen Richtungen, werden die von ihm aufgeworfenen Wellen eher zu gefälligen Begleitern, kommt er aus westlicher, östlicher oder gar südlicher Richtung, steigen die Herausforderungen spürbar an. Eines sollte man als Teilnehmer auch immer vor Augen haben: die Gezeitenströme der Weser sind von gewaltiger Kraft. Auch deshalb werden die Rallye-Paddler von Booten der Wasserschutzpolizei, DLRG und motorisierten Wassersportkameraden begleitet.

Als Lohn für ihre Paddelanstrengungen erhalten die Teilnehmer unabhängig vom erreichten Ziel alle die gleiche (Gold-)Medaille. Bei der 28. Weser-Tidenrallye am 21. Mai 2016 entschieden sich übrigens auch 270 der insgesamt 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen für das Goldziel, 35 Paddler und Paddlerinnen erreichten das Platinziel.

Aber die Weser-Tidenrallye bietet an insgesamt vier Tagen weit mehr als nur  Wettfahrt und Reise mit dem Gezeitenstrom: Die zweitägige Anfahrt von TURA nach Nordenham, das mit der Vorfahrt von Nordenham aus verbundene Fischessen in Brake und nicht zuletzt ein Kulturprogramm, das den Blick auf Land und Leute schärft, machen die anspruchsvolle Tour zu einem besonderen Erlebnis für die Teilnehmer, zu denen auch Kanufreunde aus dem angrenzenden Ausland zählten.

www.weser-tidenrallye.de

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