Fahrtenplanung

Welches Gewässer ist für mich und meine Familie das richtige?

 

In jeder Region gibt es typische Gewässer, das reicht vom kleinen Wald- und Wiesenbach über größere Flüsse, den großen Strömen bis hin zu Seen und dem Meer. Nicht alle dieser Gewässer sind gleich gut für Familienfahrten geeignet. Erste Informationen zum Paddelrevier finden sich meist recht schnell und einfach im Internet. Der Verlag des DKV hat eine umfangreiche Palette an Gewässerführern fast aller Regionen im Angebot (http://www.kanu-verlag.de) und im Buchhandel gibt es zahlreiche Bücher mit ausführlichen Tourenbeschreibungen und Vorschlägen.

Darüber hinaus sind hier natürlich die örtlichen Kanu-Vereine kompetente Ansprechpartner oder auch lokale Veranstalter von Kanu-Touren oder Kanu-Vermietungen.

Zur Tourenplanung gehört zunächst das Sammeln von Informationen zum Paddelrevier, die Auswahl einer möglichen Paddeltour und eine genaue Kenntnis der zu erwartenden Schwierigkeiten, vor allem auch zu besonderen Gefahrenstellen auf der Strecke (Wehre, Schifffahrt, Schleusen…).

Zur detaillierten Tourenplanung unverzichtbar, die Gewässerführer des DKV, welche Gewässer in sehr kurzer und kompakter Form mit allen für den Paddler notwendigen Informationen beschreiben. Mit den gesammelten Informationen kann die individuelle Planung beginnen, Start, Pausen, Endpunkt ggf. Teiletappen und Abbruchpunkt werden festgelegt. Vielleicht kann die Tour so gelegt werden, dass schwierige Abschnitte vermieden werden. Ein Wehr, dass Umtragen wird, könnte auch gleich ein guter Pausenplatz sein. Empfehlungen zur idealen Länge von Tagestouren sind schwierig. Gerade mit Kindern gilt: „Weniger ist oft mehr“. Auf Kleinflüssen sind 10-15 Kilometer ein guter Orientierungswert für Tagestouren mit Kindern.

Einige Tage vor der Tour und am Tourentag selbst entscheidet sich dann am aktuellen Wasserstand und Wetterbericht, ob die Tour wie geplant durchgeführt werden kann.

Die zwei größten Spaßkiller bei Touren mit Kindern sind Angst und Langeweile. Diese Aspekte müssen in die Fahrtenplanung ebenso mit einfließen.

Angst

Dieses höchst subjektive Gefühl entsteht, wenn wir uns nicht mehr in der Lage empfinden eine Situation zu beherrschen. Dass dies nicht von allen Menschen in vergleichbaren Situationen gleich empfunden wird, liegt auf der Hand. Kinder werden mitunter auch objektiv ungefährliche Situationen als bedrohlich und Angst einflößend empfinden. Hier gilt es sehr sensibel zu sein und das rechte Maß zu wahren. Wir wollen Kinder vom Kanusport begeistern und sie nicht davor abschrecken.

Langeweile

Das langsame Dahintreiben auf einem ruhigen Fluss, das lautlose Gleiten über den großen See – was uns Erwachsenen höchsten Genuss verschafft, ist für die Kleinen oft kaum zu ertragen. „Da ist ja nichts los!“, „Wann kommt endlich die nächste Stromschnelle?“. Diese und ähnliche Fragen werden gestellt und müssen beantwortet werden. Deshalb bei der Fahrtenplanung daran denken, dass es immer etwas zu bestaunen, immer ein neues Abenteuer zu bestehen gibt. So kann die Begeisterung geweckt und erhalten werden.

 

Welches Gewässer ist das richtige für eine Familientour?

1. Kleinflüsse – Zahmwasser

Unter dem Begriff Zahmwasser ordnet der Paddler Flüsse mit geringer bis mittlerer Strömung ein, die jedoch ohne größere Wellen, Schwälle, Seitenströmungen, Stromschnellen, Stufen und Hindernisse im Fluss sind.

Solche Zahmwasserflüsse sind die typischen Familiengewässer. Meist sind diese kleinen Flüsse recht abwechslungsreich, Pausen sind an vielen Stellen möglich und kleine, harmlose Schwallstücke können auch bei Anfängern für willkommene Abwechslung sorgen.

Je naturnäher das Gewässer, desto eher kommt es zu spannenden Tierbeobachtungen und die Pflanzenwelt am Gewässer fasziniert Groß und Klein.

Eine Kanu-Tour auf solchen Flüssen ist in aller Regel von Einsteigern auch mit Kindern gut zu bewältigen. Doch Vorsicht, Baum und Strauchhindernisse, Brücken und insbesondere Wehre stellen hier Gefahrenquellen dar, die gerade für den Einsteiger oft schwierig zu beurteilen sind. 

 

Unsere Empfehlung an Einsteiger – gerade bei den ersten Fahrten erfahrenen Paddlern anschließen. Im Kanu-Verein findet man hierzu sicher leicht eine Möglichkeit.

 

2. Kleinflüsse – Wildwasser

Der Übergang vom Zahm– zum Wildwasser ist oft fließend und vielfach auch vom Wasserstand abhängig. Eine scharfe Abgrenzung ist schwierig.

Generell gilt für die Klassifizierung vom Wildwasserstrecken eine Einteilung in sechs Stufen. Diese reicht von WW-1 bis WW-6, wobei WW-6 allgemein als unfahrbar gilt. Bereits der heimische Kleinfluss kann Abschnitte beinhalten, die der Stufe WW-1 entsprechen.

Eine Übersicht zu den Wildwasserstufen findet man hier.

Einfachere Wildwasserabschnitte können auch von jungen Paddlern gut und mit viel Spaß befahren werden. Langeweile kommt hier sicher keine auf, Kinder lernen schnell und entwickeln spielerisch ein gutes Bootsgefühl. Die erfolgreiche Bewältigung von Herausforderungen fördert zudem das Selbstvertrauen. Es sei aber eindringlich vor Überforderung gewarnt. Die Tour darf weder zu schwer noch zu anstrengend sein, es gilt das Freiwilligkeits-Prinzip – auch für Kinder.

Dann kann das Befahren von Wildwasserabschnitten zum tollen Familienerlebnis werden. Entscheidende Voraussetzung hierzu ist eine entsprechend ausgebildete und erfahrene Gruppe von Paddlern, welche Kinder und Jugendlichen entsprechend anleitet und die auch in der Lage ist, deren Sicherheit auf dem Fluss zu gewährleisten.

Als erste Anlaufstelle für Interessierte sei auch hier wieder das Angebot der Kanu-Vereine und Verbände genannt. So zum Beispiel die Wildwasserwoche des Baden-Württembergischen Kanu-Verbandes (www.kanu-bw.de/wildwasserwoche) oder auch Angebote wie die Kanu-Camps des Deutschen Verbandes für Abenteuersport (www.abenteuersport.eu/index.php/kanucamps ).

 

3. Größere Flüsse und Ströme

Für viele Kanu-Vereine – etwa am Rhein – ist die Befahrung ihres Heimatgewässers üblich und mit entsprechenden Kenntnissen auch gefahrlos möglich. Bei der Befahrung von großen Flüssen geht vor allem von der Strömung, Schifffahrt und Wasserbauwerken ein Gefahrenpotential aus, das für den Einsteiger oft schwer zu beurteilen ist.

 

4. Große Seen oder Meer

Ähnliches gilt für die Befahrung von großen Seen oder dem Meer.

Gegen das Paddeln auf dem offenen Meer oder die Überquerung großer Seen sprechen bei Familienfahrten zudem zwei gewichtige Argumente.

Oft ist es für Kinder einfach zu anstrengend und meist kommt schon bald Langeweile auf, denn für Kinder ist es wichtig, dass sich etwas ändert, dass ein Ziel erreicht wird, dass es neue Eindrücke gibt.

Daneben sind Situationen wie die einer Kenterung weit weg vom Ufer besonders mit Kindern kaum zu beherrschen und schnelle Reaktionen, etwa wenn das Wetter sich unerwartet verschlechtert, nicht möglich.

Deshalb: Wer mit Kindern das Meer oder große Seen erleben möchte, der tue dies nie ohne ausreichende Kenntnisse oder im Schutz von erfahrenden Kanuten und nur bei Fahrten in unmittelbarer Ufernähe. Denn nur hier sind Pausen zum Spielen, Baden und Entdecken oder ein Fahrtabbruch jederzeit möglich.

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