Bootshaus und Umwelt

Bootshaus und Umwelt - Insektenhotel

Bild: Isa Winter-Brand

„Wir fliegen auf euch!“ - Warum Insekten so gerne beim Bootshaus wohnen.

Die Nachrichten zum Insektenschwund in unserem Land sind erschütternd. Oft denkt man dann nur an Bienen, ihren leckeren Honig und die unglaublichen Bestäubungsleistungen, die diese fleißigen Fliegerinnen beim Sammeln ihrer Nahrung für uns erbringen. Das Bienensterben ist schlimm und dennoch wäre es zu kurz gedacht, wenn man nur diese Insekten schützen wollte. Alle heimischen Insekten sind Teil eines komplexen Systems, das aktuell großen Schaden erleidet und unbedingt erhalten werden muss.

Und hier können Kanutinnen und Kanuten aktiv werden! Wir wollen euch motivieren auf dem Vereinsgelände, rund ums Bootshaus, etwas für den Insektenschutz zu tun: Baut ein Insektenhotel mit zugehörigem „Buffet“.

 

Tipps zum Bau eines Insektenhotels

Wir freuen uns, dass ihr die Problematik des Insektenschwundes erkannt habt und etwas dagegen unternehmen wollt. Doch da „gut gedacht“ nicht immer auch gleich „gut gemacht“ ist, wollen wir euch ein paar Tipps für den Bau von Insektenhotels und dem Schaffen eines reichhaltigen Nahrungsangebotes geben.

Doch vorab: Warum brauchen die Insekten unsere Hilfe?

Wie bei vielen Tieren ist es auch bei Wildbiene & Co der störende Einfluss von uns Menschen, der ihnen das Leben und Überleben schwer macht. Das Angebot an geeigneten Nistplätzen und vor allem auch das Nahrungsangebot sind absolut unzureichend. Schuld daran sind Verbauungen, die moderne Landwirtschaft, aber auch wir im privaten Umfeld, denn der schöne, gepflegte Zierrasen hinterm Haus ist für Insekten quasi eine Wüste, hier blüht nichts, hier gibt es keine Orte zum Wohnen und nichts zu essen.

Dies können wir aber ändern – vor allem auch auf dem Vereinsgelände, rund ums Bootshaus.

Was ist zu tun?

Zuerst gilt es eine nette Bleibe für möglichst viele Insektenarten zu bauen, dabei darf das Insektenhotel gerne auch für die menschlichen Betrachter eine Augenweide sein. So profitieren die kleinen Helfer, aber auch ihre großen Freunde.

Wer möglichst viele Arten beherbergen möchte, sollte darauf achten, dass das Hotel auch verschiedene „Zimmer“ bietet, das sieht nicht nur gut aus, sondern steigert die Bedeutung für die Insekten. Im mehrstöckigen Hotel könnten unten gestapelte Holzscheite und Totholz liegen. In den weiteren Stockwerken sollten markhaltige Stängel, angebohrte Hartholzklötze, mit hohlen Pflanzenstengeln gefüllte Gitterziegelsteine und Schilf- und Rohrhalme für Wohnungen sorgen. Wichtig sind saubere, glatte Schnittkanten und splitterfreie Röhren und Halme (Wildbienen kriechen rückwärts in den Nistgang und vermeiden gesplitterte Brutröhren). Eine Südausrichtung wäre perfekt, das Dach sollte überstehen, damit alles schön trocken bleibt - dann ist das Hotel sicher bald ausgebucht.

Ungeeignete Materialien sind Röhrchen aus Kunststoff und Glas, Bimsstein, glasierte Klinker und Weich- und Nadelbaumholz sowie Pressspan. Und natürlich verbietet sich der Einsatz von chemisch behandelten Hölzern. Aber das Holz für das Dach und die Außenseiten dürfen gerne mit Pflanzenöl oder Bienenwachs konserviert werden.

Wie sorgen wir für eine reichgedeckte Tafel?

Optimal ist es, ein Nahrungsangebot möglichst rund ums Hotel zu schaffen. Und auch hier gehen der Nutzen für die Insekten und ihrer menschlichen Helfer Hand in Hand: während die einen von Blüte zu Blüte fliegend den Nektar sammeln, genießen die anderen den Anblick einer blühenden Wildblumenwiese oder ernten im Sommer und Herbst die Früchte der Obstbäume und Sträucher.

Beim Bepflanzen ist darauf zu achten, dass heimische (Obst-)Bäume, Sträucher und Blumenarten einsetzt werden, denn das sind die Leibspeisen unserer Insekten. Dass der Einsatz von Pflanzengiften und Insektiziden rund ums Bootshaus unterbleiben sollte, muss eigentlich nicht eigens erwähnt werden.

Falls noch etwas ungenutzter Platz auf dem Vereinsgelände zu finden ist, dann bieten Totholzhaufen und Trockenmauern weitere Möglichkeiten für die Insekten - und warum nicht einen Zaun aus Weiden und Totholz bauen, um damit neben dem Sichtschutz auch vielen weiteren Tieren Unterschlupf zu gewähren.

Wer baut das alles und legt es an?

Natürlich kann man im Baumarkt fertige Insektenhotels kaufen (die allerdings meist praxisuntauglich sind), aber es macht sicher weitaus mehr Spaß, wenn man gemeinsam mit Groß und Klein daran geht, das eigene Hotel zu errichten und rund ums Bootshaus entsprechende Orte zu schaffen.

Und beim Wildbienenhotel muss es ja nicht bleiben, mit geringem Aufwand können Kästen für Marienkäfer, Florfliegen, Schmetterlinge, Hummeln und Hornissen gebaut oder ein mit Holzwolle gefüllter Tontopf für die Ohrwürmer aufgehängt werden.

So kann das Hotel wachsen und immer mehr Insekten eine Heimat bieten. Viel Zeit für Wartung und Pflege muss man dann nicht mehr einrechnen, denn die Tiere würden dadurch eher gestört. Ein gelegentlicher Kontrollblick kann aber nicht schaden.

Können Wildbienen stechen?

Ja, doch die Aggressivität der Wildbienen liegt weit unter der von zahmen Völkern der westlichen Honigbiene. Das liegt daran, dass letztere ihre Königin, den Honigvorrat für den Winter und ihre gesamte Brut im Notfall verteidigen müssen. Wildbienen betreiben hingegen Brutvorsorge, indem sie ihre Nachkommen an unterschiedlichen Stellen nur mit relativ wenig Nektar und Pollen versorgen. Für die Wildbienen ist es somit oftmals klüger sich auf die verbliebenen Nester zu konzentrieren.

Dies alles führt zu einem deutlich geringeren Aggressionstrieb. Trotzdem solltet ihr generell nicht versuchen, Wildbienen zu fangen oder in irgendeiner Form zu quetschen. Sie können sich durch ihren Wehrstachel verteidigen.

Zum Download liegen hilfreiche Informationen zum Insektenhotel und Nahrungsangebot bereit.

 

Wir freuen uns, wenn ihr uns Bilder und Berichte über eure Insektenhotels, Blumenwiesen und andere insektenfreundliche Maßnahmen schickt – nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber.

Einsendungen bitte an: umwelt@freizeit-kanu.de

Petra Schellhorn, DKV-Ressortleiterin Umwelt und Gewässer