Parakanu

Parakanu-News

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12.01.2021 | Parakanu
Im Herbst 2020 haben Hallesche Künstler, die sich unter anderem der Gestaltung des Stadtbildes mithilfe großflächiger Malerei verschreiben haben, den Eingang zur Saalestadt Halle ...
01.12.2020 | Parakanu
Die Kanu- und Basketball-Erfolgsgeschichte geht weiter
23.11.2020 | Parakanu
Die letzte gemeinsame Maßnahme der Parakanuten stand vom 13. bis 21. November 2020 auf dem Programm.
06.10.2020 | Kanu-Rennsport
Hallescher Kanu Club 54 richtet nach dem Hochwasser von 2013 seine erste Regatta wieder aus.
20.09.2020 | Parakanu
Parakanuten fahren nicht nach Szeged zum Weltcup
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Parakanu ist Paddeln für Athleten mit körperlichen Einschränkungen. Im Deutschen Kanu-Verband sind seit 2010 Parakanuten bei Wettkämpfen vertreten.

Auf internationaler Ebene wird der Sport von der Internationalen Canoe Federation (ICF) organisiert und durchgeführt.
Die zwei Bootsklassen sind Kajak (K), das mit einem Doppelpaddel vorwärts bewegt wird, und Outrigger Kanu, genannt Va´a (V), wobei dieses Boot einen „Pontoon“, genannt Ama, als Unterstützung besitzt. Dieses Boot wird mit einem Stechpaddel gefahren. Die International Va´a Federation arbeitet als Partner mit der ICF in diesem Projekt.

Die Paralympische Parakanu Klassifizierung der Behinderungen für Kajak wurde im Februar 2015 neu geregelt. Das geschah als Ergebnis einer Studie über zweieinhalb Jahre durch die ICF.

Behinderungen, die berücksichtigt werden, sind fehlende Gliedmaßen an den unteren Extremitäten, Einschränkungen im Bewegungsausmaß und in der Muskelkraft an Rumpf und unteren Extremitäten.

Im Paralympischen Kajakwettbewerb (K1) gibt es für Männer und Frauen jeweils drei Startklassen:
-    KL1 (= Kajak Level 1): Athleten mit keiner oder einer sehr eingeschränkten Rumpffunktion und keiner Beinfunktion. Sie benötigen üblicherweise im Kajak einen speziellen Sitz mit einer hohen Rückenunterstützung.
-    KL2 (= Kajak Level 2): Athleten mit teilweiser Rumpf- und Beinfunktion, die aufrecht im Kajak sitzen können. Sie benötigen aber möglicherweise eine spezielle Rückenstütze und können die Beine höchstens eingeschränkt beim Paddeln einsetzen
-    KL3 (= Kajak Level 3): Athleten mit voller Rumpffunktion und teilweiser Beinfunktion. Die Athleten können leicht vorwärts gebeugt sitzen und wenigstens ein Bein/ eine Prothese voll beim Paddeln mit einsetzen.

Diese Startklassen waren bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro erstmals am Start.

Weitere Studien der ICF führten dazu, dass seit 2018 auch die Bootsklasse Va'a ein eigenes Klassifizierungssystem aufweist. Dies war die Voraussetzung, dass bei den Paralympics 2020 Paddler im Va'a starten dürfen. Die Startklassen unterscheiden sich von denen im Kajak dadurch, dass das Mindestmaß an Einschränkung heraufgesetzt wurde. Das bedeutet, dass stärker eingeschränkte Athleten, die für sich im Kajak in ihrer Startklasse keine Chance sehen, diese durchaus im Va'a haben können.

-    VL1 (= Va'a Level 1): Athleten können noch ihre Schultern und Arme beim Paddeln einsetzen. Sie benötigen einen adaptierten Sitz mit hoher Rückenlehne.
-    VL2 (= Va'a Level 2): Athleten können ihre Schultern und Arme, sowie teilweise den Rumpf, einsetzen. Die Beine und Hüfte können nicht eingesetzt werden. Sie benötigen einen adaptierten Sitz mit Rückenlehne.
-    VL3 (= Va'a Level 3): Athleten mit voller Rumpf- und Hüftfunktion, wobei die Beine teilweise eingesetzt werden können.

Da neben einem fundierten Klassifizierungssystem auch die Anzahl der Starter für das Internationale Paralympische Komitee ausschlaggebend für die Aufnahme ins paralympische Programm ist, sind jedoch nicht alle Startklassen derzeit paralympisch. Daher sind im Va'a in Tokio die VL2 für Männer und Frauen, sowie die VL3 der Männer startberechtigt.

Aktuell laufen weitere wissenschaftliche Studien, um zukünftig weitere Einschränkungen wie z.B. der oberen Extremitäten in das internationale Wettkampfprogramm aufnehmen zu können.

Auf nationaler Ebene haben Athleten mit nicht-klassifizierbaren Einschränkungen die Möglichkeit in der sogenannten offenen Startklasse an Wettkämpfen teilzunehmen.

Sobald mehrere Athleten zusammenkommen, die ihre Sportart engagiert betreiben, möchten sie herausfinden, wer denn der Beste ist. So ist auch der Kanu-Rennsport entstanden. Und dies erst einmal auf lokaler Ebene oder innerhalb eines Bundeslandes. Bis zur ersten Weltmeisterschaft ist es dann ein längerer Weg.

Für den Parakanu-Rennsport in Deutschland gilt dies nicht. Hier kamen zuerst die Weltmeisterschaften, um darüber den Impuls in die Verbände und Vereine zu tragen. Im April 2010 wurde die Idee an der Sprint Kanu Weltmeisterschaft in Poznan mit einem Parakanu-Team teilzunehmen aus der Taufe gehoben. Dies geschah auf einem Autobahnrastplatz an der A9 in einem Gespräch zwischen dem Präsidenten des DKV, Thomas Konietzko und dem Beauftragten für Kanusport mit und für Behinderte, Horst Schlisio. Bis zum Mai 2010 waren vier Athleten gefunden, die sich dieser Herausforderung stellen wollten.

Henry Schröder und Ricco Ladewig aus Schwedt/Oder starteten als Anfänger, Michael Katzenmeier aus Stuttgart hatte schon einige Paddel-Erfahrung, während Gerhard Bowitzki bereits vor seinem Unfall Kanu-Rennsportler mit Leib und Seele war. Alle, Aktive, Trainer und Betreuer, betraten jedoch Neuland in der Ausrichtung auf Rennsport mit Menschen, die starke körperliche Einschränkungen aufweisen. Tatkräftige Unterstützung hatten sie dabei durch den Orthopädiemechaniker-Meister, Ingolf Hentsch aus Schwedt. Denn es stellte sich schnell heraus, dass neben Boot und Paddel auch spezielle Anfertigungen (Adaptionen) für Sitze notwendig wurden, die ganz individuell angepasst werden mussten. Nach Kenterungen, die natürlich auch vorkommen, hat sich ein Katamaran-Boot zur Rettung als beste Wahl erwiesen.

Die Weltmeisterschaft in Poznan im August 2010 wurde dann von allen hervorragend gemeistert - trotz aller Unsicherheiten und Aufregungen, die die Teilnahme begleiteten. Neben den hervorragenden Platzierungen von Henry Schröder und Michael Katzenmeier in den Finalläufen der Kajakfahrer, wurde Gerhard Bowitzki Zweiter und damit Vizeweltmeister im Va'a. Die Rennen wurden über 200m ausgetragen und 28 Länder schickten ihre besten Parakanu-Sportler. In einigen Ländern ist Parakanu bereits seit vielen Jahren stark auf nationaler Ebene vertreten.

Diese Entwicklung erhoffen sich alle, die bereits engagiert im Parakanu-Bereich arbeiten. Zu der ersten nationalen Sichtung für die Weltmeisterschaft 2011 in Szeged kamen bereits weitere Athleten nach Halle, um sich der Herausforderung zu stellen. Die 1. Deutsche Meisterschaft im Parakanu in München, zusammen mit der Deutschen Kanu-Rennsport-Meisterschaft, brachte dem Sport verstärkte Aufmerksamkeit ein.

Seit dem Start 2010 haben deutschlandweit viele Vereine begonnen, sich mit Parakanu-Rennsport zu befassen. Neben den Deutschen Meisterschaften gibt es in der Zwischenzeit auch viele Regatten, die explizit Parakanu-Rennen anbieten. Hierbei wird dann nicht nur über 200m, sondern auch über andere Strecken gestartet.

So ist es nicht verwunderlich, dass bei den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro erste Medaillen durch deutsche Parakanuten gewonnen wurden. Edina Müller aus Hamburg und Tom Kierey aus Berlin errangen jeweils die Silbermedaille. Auf nationaler Ebene wird der Sport immer weiter professionalisiert. So gibt es seit 2019 einen fest angestellten Bundestrainer im DKV, der sich intensiv um die sportliche Weiterentwicklung kümmert.

Paddler mit Einschränkungen oder Behinderungen jedweder Art sind schon immer in unseren Vereinen aktiv. Im Freizeitbereich, aber auch im Leistungssport haben sie ihren Platz gefunden. Es sind jedoch nur vergleichsmäßig wenige Personen, die eher auf Grund familiärer Bindungen, weil sie vielleicht vor einem Unfall schon paddelten oder durch Zufall zum Kanusport gefunden haben.

Auf Grund der UN-Menschenrechts-Resolution zur Inklusion Behinderter rückt das Thema der Teilhabe an allen Formen des gesellschaftlichen Lebens zunehmend in den Vordergrund. Es geht grundsätzlich darum, dass Barriere-Freiheit auf allen Ebenen, nicht nur bei Bauvorhaben, sondern auch in den Köpfen aller sich entwickelt. Inklusion bedeutet neben der Aufnahme von Behinderten im Verein vor allem, dass sich die Vereine und ihre Mitglieder aktiv darum bemühen, alle Maßnahmen zu unternehmen, damit es keine unüberwindbaren Hindernisse gibt, die dem Paddeln Behinderter und ihrer Teilnahme am Vereinsleben entgegenstehen könnten. Und dies schon bevor der Erste nachfragt.

In der ICF (International Canoe Federation) wurde dieses Thema durch das Komitee „Sports for All“, mit seinem Mitglied Thomas Konietzko, Präsident des DKV, vorangetrieben. 2009 hat die ICF, zusammen mit der IVF (International Va'a Federation), ein Entwicklungsprogramm auf den Weg gebracht, um Parakanu ( vorher: PaddleAbility) weltweit bei allen Paddlern und sportinteressierten Behinderten bekannt zu machen. Das englische Wort „disability“ bedeutet, dass jemand auf Grund einer Schädigung in der Durchführung von Aktivitäten beeinträchtigt ist (Definition der WHO). Somit soll der Begriff Behinderung nicht als Stigmatisierung verstanden werden, wie es im allgemeinen Sprachgebrauch oft der Fall ist.

PaddleAbility bedeutet, unabhängig von der Behinderung paddeln zu können .

Es geht darum, dass gerade Paddeln eine Sportart darstellt, bei der Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen ihren Platz finden können, um auf Vereinsebene, aber auch national oder international Sport zu treiben. In Deutschland ist durch die Idee der Integration seit den 70er Jahren bereits viel im Bereich des Behindertensports, auch des Sports von Behinderten in allen Kanuvereinen, geschehen. Dies ist jedoch bei weiten nicht in allen Ländern der Fall. Nicht-Beachten, Ausgrenzung bis hin zur Isolation in speziellen Einrichtungen ist in vielen Ländern, auch in Europa, häufiger der Fall als man sich vorstellen möchte. Daher sind diese Programme immer sinnvoll und notwendig.

Die ICF und IVF hatten es sich zum Ziel gesetzt, dass Parakanu für die Paralympics 2016 als paralympische Sportart anerkannt wird. Durch die hervorragenden Parakanu Wettkämpfe während der Kanu Sprint WM in Halifax/Kanada 2009 und vor allem bei der Kanu Sprint WM in Poznan/Polen 2010 mit 28 teilnehmenden Ländern, wurde Parakanu im Dezember 2010 als paralympische Sportart für die Spiele 2016 in Rio de Janeiro anerkannt. Die Verbände ICF und IVF konzentrieren sich für 2016 auf die Rennen für Körperbehinderte. Es ist ihr Anspruch, diese auf hohem Niveau und sehr gut organisiert mit spannenden Rennen durchzuführen, um auch in Zukunft paralympisch zu bleiben.

Alle weiteren Behinderungsformen werden jedoch auf nationaler und regionaler in Rennen eingebunden. Für Paddler mit geistiger Behinderung gibt es seit 2003 auf internationaler Ebene die Special Olympics World Games. In Deutschland ist seit 2006 Kanusport Bestandteil der Nationalen Special Olympics Wettkämpfe.

Es gibt jedoch auch immer mehr Regatten von Kanuvereinen in Deutschland, bei denen Rennen für Behinderte ausgeschrieben werden. Im Drachenbootsport ist es schon seit vielen Jahren üblich, dass Behinderte und Nicht-Behinderte in einem Boot sitzen. Der Ocean-Sport  bietet auch schon länger internationale Wettkämpfe für Menschen mit Behinderung. Teilhabe am Sport und an Regatten für alle - das ist gelebte Inklusion!

Durch den Status einer paralympischen Sportart kommen auf alle nationalen Kanuverbände neue Möglichkeiten zu, Gelder zu generieren und den Kanusport für Behinderte nachhaltig zu entwickeln. Es entsteht aber auch die Verpflichtung, sich mit nationalen Aktionen um eine Verbreitung des Kanusports als herausragende Sportmöglichkeit für Behinderte zu kümmern.

Nachdem der erste Workshop in Duisburg im Herbst 2009 für Kanusport für Behinderte bereits aufzeigte, dass in Deutschland in vielen Vereinen bereits gute und innovative Arbeit geleistet wird, wird dieses Thema von Jahr zu Jahr detaillierter und intensiver bearbeitet. Durch den Austausch von Ideen, weiteren Workshops und Veranstaltungen stellte es sich schnell heraus, dass es in Zukunft neben dem Bereich Freizeitsport mit und für Behinderte, auch der Rennsport ein wichtiger Bestandteil der Kanu-Familie sein wird.

Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) kooperiert mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS), um die Fachkompetenz im Kanusport auf allen Ebenen mit den Kompetenzen des DBS zu bündeln.

Unsicherheiten im Umgang mit behinderten Sportlern entstehen oft auch aus Unwissen. Daher werden in Zukunft vermehrt Fort- und Weiterbildungen angeboten, die diese Wissenslücken schließen und auch der Weiterentwicklung des Kanusports für Behinderte dienen werden. Auch hier werden die Kompetenzen von DKV und DBS zusammengefasst.

Info-Flyer