03. November 2022

Im Porträt - Olaf Obsommer

Olaf Obsimmer bei der Arbeit (Foto: Erik Boomer)

Die Serie „Kanuten und Kanutinnen im Porträt“ widmet sich den Menschen im Freizeit- und Leistungssport. Den Autorinnen und Fotografen, den Herstellerinnen und Veranstaltern sowie dem besonders gewöhnlichen Paddlerinnen und Paddlern. In dieser Ausgabe freuen wir uns den prominenten Kajak-Filmemacher und Kopf hinter dem Kajak-Filmfestival Olaf Obsommer (52) vorzustellen.


Olaf Obsommer ist in der Paddelszene bekannt wie ein bunter Hund. Kurz für jene, die gerade erst gedanklich zuschalten: Der 52-Jährige ist mit der digitalen Revolution groß geworden und hat sich als freiberuflicher Produzent und Kameramann einen Namen gemacht. Er realisiert Produktionen für TV und Unternehmen und arbeitet als Kameramann. Seine Kunden sind unter anderem adidas, Freeride World Tour, SEDA Umwelttechnik, Globetrotter und diverse Produktionsfirmen, die unter anderem TerraX und Stern TV produzieren. Besonders bekannt ist er allerdings für seine Kajakfilme und für das Kajakfilmfestival.


Den Sport und sich feiern

Der gebürtige Haaner bei Düsseldorf ist seit 1997 im Filmgeschäft aktiv, nachdem er sich auf Kredit für 5.000 DM den ersten digitalen Camcorder kaufte. Ein Heidengeld für den gelernten Industrieschlosser und Altenpfleger. Seitdem folgte grob geschätzt jedes Jahr ein Film. Kurzer Abgleich von damals zu heute: Damals war er quasi im horizontalen Kajak-Filmgewerbe tätig: Kajakactionpornos.

Olaf Obsommer in Island (Foto: Jens Klatt)

Also kurze hintereinandergeschnittene, möglichst krasse Actionszenen. „Es ging damals darum, sich selber und den Sport zu feiern.“ Es war eine extreme Zeit in der Olaf Obsommer viel mit Michael Neumann, Manuel Arnu, Jonas Nöcker, Hans Meier, Horst Fürsattel unter weiteren unterwegs war und an die er sich gerne erinnert. „Während Michael und Arnu fotografierten, habe ich eben gefilmt, um die nächste Reise finanzieren zu können. Nachdem ich 1989 von meinem Mentor Wolfgang Bonas  mitgenommen wurde, der ebenfalls mit der Filmkamera unterwegs war, wurde ich für die Filmerei sensibilisiert. Außerdem ist der Kajakmarkt klein und ich musste etwas eigenes finden.“ Mehr als die Reisekosten sollte ein Film erst einmal nicht einbringen und es erschienen die epischen Werke wie „Boof Chicken Boof“ oder „Sickline 3“, der immer noch einer seiner Lieblingsfilme ist. „Es war eine Zeit mit vielen extremen Wasserfällen und Erstbefahrungen in denen ich sehr sorglos unterwegs war. Ich habe mir kaum Gedanken gemacht, ob ich mich verletzen könnte. Rückblickend hatte ich manchmal eine riesen Portion Glück.“ Rund 20 Filme später begeistern die Produktionen von Olaf Obsommer immer noch - aber anders. „Während das Netz heute voll ist mit kurzen Kajak-Pornofilmchen, zeigt er Kajak-Reise-Dokumentationen. „Ich finde die kurzen Filme auf YouTube oder in den sozialen Medien stark. Wenn ich selber jedoch versuchen möchte, Leute für einen 60 Minuten-Film zu begeistern, funktioniert mein Ansatz der kurzen Clips von früher nicht mehr.“ Außerdem kann sich der Filmemacher nicht mit den technischen Einschränkungen von Internet-Video-Content anfreunden: Maximallänge, Action in den ersten 30 Sekunden, Voraussetzungen der unterschiedlichen Plattformen...


Ohne Storybook unterwegs

Einige Aufnahmen müssen beim ersten Versuch sitzen. 
(Foto: Jens Klatt)

Olaf Obsommer möchte flexibel und kreativ bleiben und macht sich immer mit leichtem Gepäck auf. Sprich möglichst ohne massig Ausrüstung, aber auch ohne Storybook. Szenenplanung oder Spannungsbogen - Fehlanzeige. „Wenn ich unterwegs bin, dann heute hauptsächlich als Begleiter. Ich nehme mich selber total zurück, damit ich beobachten kann. Außerdem ist die Filmerei die beste Ausrede, wenn sich die jungen Freaks bei einem 20m Wasserfall wieder selber herausfordern.“ Mit markanten Persönlichkeiten wie Bren Orton, Jochen Lettmann oder Adrian Mattern, um nur drei aus seinem Film „Tibet“ zu nennen, hat der Filmemacher die besten ‘Gewürze’ für seine Story. Genauso wie er selber für seinen Film in die Rolle des Beobachters schlüpfen muss, sind auch Super-Egos auf den Reisen fehl am Platz. „Alle sind sehr erfahren und erfüllen ihre Aufgaben. Ich bin dankbar, dass das so gut klappt. Dadurch muss ich mich nicht einmischen.“
Denn anders als vor 20 Jahren ist er nicht mehr im grenzenlosen Adrenalinrausch unterwegs, sondern permanent im Modus „Empfangen“. „Ich habe teilweise schon im Hinterkopf, ob sich eine Szene für den Doku-Film nutzen lässt, denn das Projekt muss laufen. Er hat ein Gespür für schöne Motive und sammelt Aufnahmen nach der Prämisse „viel hilft viel“. Denn auch mit den heutigen technischen Möglichkeiten sieht er erst beim Schnitt, ob die Aufnahme passt. „Bestimmte Szenen drehe ich standardmäßig in drei bis vier Einstellungen: Großaufnahme, Halbtotale, Close-Up und Detail. Und das wiederum in verschiedenen Positionen. Da brauche ich keine Liste zum Abhaken, damit ich nichts vergesse. Aber es kostet viel Zeit.“ Ansonsten lässt er gerne die Situation auf sich wirken. „Natürlich informiere ich mich vorher über das Land und über die Paddelspots und weiß teilweise schon, was mich erwartet. Aber vieles lasse ich auf mich zukommen.“
Was dabei rauskommt, entscheidet sich am Schnitttisch. Bis zu 40 Stunden Material muss Olaf Obsommer sichten und zu einem Gesamtwerk verpacken. Für die ersten Filme hat ihm Udo Neumann das Equipment gestellt und (mit)geschnitten. Mittlerweile tobt sich der Filmemacher alleine aus. Es werden immer nur die besten Aufnahmen verwendet ohne Rücksichtig auf Sponsoren oder die Eitelkeit der Akteure. „Es hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Die Sorglosigkeit ist nicht mehr in der Form da, wie ich sie früher mal hatte. Aber ich kann nicht sagen, dass es heute schlechter ist. Ich habe das Risiko, aber auch die Freiheit das zu machen was ich will und wie ich es will.“ Olaf Obsommer ist mit seiner Filmerei damals ins kalte Wasser gesprungen, hat viel von Freunden und Kollegen wie unter anderem auch „Full-On“-Macher Arnd Schäftlein und Produzent Jörg Kiesow gelernt und sich sein Wissen weitestgehend selber beigebracht. Alles was er erreichen wollte, ist durch die Welt zu reisen, zu Paddeln und davon leben zu können. Und hier hat er seinen ganz eigenen Weg gefunden was man seinen Filmen ansieht. Schaut es euch an.

 

Tipps vom Profi


Hab Muße:  Im Gegensatz zum Fotografen kann der Filmemacher sein Werk nicht schnell auf Facebook hochladen und bekommt unmittelbar die Anerkennung seiner Community. Und: wer den Sprung vom Wasserfall filmt sitzt leider nicht selber im Kajak.
Hab Geduld: Unterschiedliche Einstellungen, Perspektiven, Lichtbedinungen. Filmen erfordert mehr Zeit als Fotografieren.
Informiere dich:  das Internet ist mittlerweile eine unerschöpfliche Quelle für Tipps und Ratschläge, die dich auf den Weg bringen. Sei dabei du selbst und versuche nicht einen Stil zu kopieren.
Erzähle deine Geschichte: Das macht deine Werke authentisch und greifbar.
 

 

 

Vorträge und Literatur von Olaf Obsommer

 

 

Vortragstour

Der prominente Kajak-Filmer Olaf Obsommer blickt auf mehr als 30 Jahre Wildwasser-Erfahrung zurück, gesammelt auf den schwierigsten Flüssen der Erde. Zahlreiche Erstbefahrungen sind seinem Engagement zu verdanken. Regelmäßig kann man ihn im Rahmen seiner Vortragstour und des Kajakfilmfestivals erleben.

Seine Filmproduktionen faszinieren Wassersportler und Nichtpaddler gleichermaßen. Für seine Gäste fängt er traumhafte Landschaften, paradiesische Wildflüsse und atemberaubende Aktionen auf der ganzen Welt ein. In seinen Live-Reportagen berichtet er in entspannter und humorvoller Atmosphäre über seine Expeditionen und den sportlichen und logistischen Weg dorthin. Eine besondere Note verleiht Obsommer seinen Filmvorträgen indem er dem Publikum live berichtet und die Tonspur seiner Filme den Momentaufnahmen während den Expeditionen überlässt.

Termine und weitere Informationen: www.obsommer.de/

 

Sick Life Line - Abenteuer im Kajak

Von Kanada bis Réunion: Obsommer stellt sich allen Wildwassern der Welt - Ein Extrem-Kajaker und seine Abenteuer

Olaf Obsommer ist seit 30 Jahren auf den Wildwassern dieser Welt zu Hause und berichtet in spannenden Geschichten und mit eindrucksvollen Bildern von seinem Lebensweg als Extremsportler und erfolgreicher Filmschaffender.

Folgen Sie ihm auf ereignisreiche Kanu-Expeditionen in die entlegensten Winkel der Erde und erleben Sie gemeinsam mit ihm die körperlichen und mentalen Herausforderungen, die es dabei zu meistern gilt.

Sei es auf den donnernden Wildwassern des Indus, den vereisten Wasserfällen Islands oder den türkisblauen Trassen des Agua Azul in Mexiko.

Die Erlebnisse des preisgekrönten Extremsportlers erstmals in Buchform. Ab 07. September 2022 ist das Buch im Handel erhältlich oder per Email bei Olaf Obsommer direkt  zum Preis von 19,90€ + Versand bestellen: olaf@obsommer.de (dann gibt es noch eine persönliche Widmung dazu).

Weitere Informationen: 

Sick Life Line im Conbook-Verlag: www.conbook-verlag.de

   

 


Diesen Artikel sowie weitere Touren, Beiträge und Themen findest du im KANU-SPORT 10/2020:

KANU-SPORT 10/2020
Weitere Infos zum Heft
und Online-Bestellung

 


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