17. November 2022

Auf ins Abenteuer: vorbereitet und flexibel

Unterwegs auf der Reise zu sich selbst (Foto: Landwater Adventures)

Die Suche nach Komfort ist selten der Antrieb für Expeditionen. Dafür hat man im Kanu unterwegs die wunderbare Chance, dem Alltag davonzupaddeln. Doch welche Voraussetzungen sollte man mitbringen? Sebastian Schmidt (Landwater Adventures) führt seine Kunden auf Touren fernab der Zivilisation und bringt sie so an ihre Grenzen. Er git einen Überblick darüber, worauf man sich einstellen sollte.

 

„Expeditions-Tage sind nicht durchgehende Wow-Momente voller Hochgefühl. Beeindruckende Bilder spiegeln nicht wieder, dass man Gepäck auf dem Rücken hat und einem der Zeh von gestern wehtut.“

Sebastian, erstmal vorweg, was verstehst du unter einer Expedition?
Sebastian Schmidt: Zunächst Der Begriff Expedition wird in verschiedenen Sprach-und Kulturräumen unterschiedlich verwendet und hat sich historisch gewandelt. Ich verstehe unter einer Expedition eine autarke Unternehmung auf einer persönlich ungegangenen Route ohne klar vorhandene und im Vorfeld verfügbare Routen- und Gefahrenbeschreibungen. Das macht eine detaillierte Vorbereitung umso wichtiger. Nichts desto trotz, kann eine Expedition auch persönlicher Natur sein. Sprich, ein Paddler verlässt bekannte Reviere und probiert etwas Neues aus. Die Reiseziele müssen nicht exotisch sein. Auch in Deutschland kann man ein autarkes Wochenende verbringen und dabei sozusagen auf Expedition zu sich selbst gehen.


Wer darf sich denn auf Expedition begeben?
Sebastian Schmidt: Es ist sicher immer ein tolles Gefühl, loszuziehen und die Welt zu entdecken. Meine Empfehlung ist, dass sich jedoch nur der in den Expeditionsmodus begeben sollte, der die eigenen Fähigkeiten und Grenzen kennt und weiß was er sich zumuten kann. Grundsätzlich gilt, dass man sich schrittweise herantastet und Erfahrung gewinnt: Die erste Unternehmung sollte keine Island-Umrundung im Seekajak im Winter sein. Drei autarke Tage im deutschen Mittelgebirge oder auch in den Seenlandschaften von Südschweden sind ein besserer Einstieg.


Brauche ich ein Outdoor-Überlebenstraining?
Sebastian Schmidt: Die notwendigen persönlichen und Outdoor-Skills hängen davon ab, wohin die Reise gehen soll. Weiterhin macht es einen großen Unterschied, welche Funktion man während der Tour übernimmt. Während jeder Teilnehmer sich und seine Fähigkeiten immer gut einschätzen können muss, werden an diejenigen, die eine Führungsrolle übernehmen, weitaus größere Anforderungen gestellt: dazu gehören Kenntnisse von Wetter, Orientierung und Navigation und vom genauen Verhalten von Flüssen.


Worauf muss ich mich einstellen?
Sebastian Schmidt: Expeditionstage zwischen Aufstehen und „in-den-Schlafsack-kriechen“ sind nicht durchgehende Wow-Momente voller Hochgefühl. Hochglanzbilder spiegeln nicht wieder wie sich die 25kg auf dem Rücken anfühlen, dass z.B. der Zeh von gestern wehtut und einem Staub in die Augen weht. Auch muss die Erfahrung, Teil einer Gruppe zu sein, persönlich verarbeitet, manchmal ertragen und optimalerweise zum Positiven genutzt werden.


Das klingt ja wenig nach Abenteuer-Romantik...
Sebastian Schmidt: Man erhält ohne Frage unbeschreibliche Momente, die nicht anders zu bekommen sind, als sich außerhalb des Komforts, in schwierige Situationen und in das Unklare zu begeben. Gleichzeitig ist es essentiell, distanziert genug zum eigenen Abenteuer zu bleiben um jederzeit bereit zu sein, abzubrechen. Eine solche Tour ist nicht bis ins Detail planbar. Für mich führt die erhöhte Zahl an unplanbaren Faktoren und Risiken zu einem besonderen Gefühl von Lebendigkeit. Und gleichzeitig zu dem wohligen Gefühl von Einfachheit. Die Ziele werden klarer als im zivilisierten Alltag: Ich muss essen, eine gute Route finden und Abends ein sicheres Camp. Dazwischen müssen alle Teilnehmer sicher und gesund bleiben. Dann war es ein guter Tag.

 


 


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