23. Juni 2022

Inklusion - Inspiration - Motivation

Foto: Jean Drago Graf, SUP 11 sights Berlin

„Du hast ja nur ein Bein!” „Stimmt nicht - ich habe zwei und eines schöner als das andere“. Katharina Rüsbüldt paddelt seit sieben Jahren. Mit ihrer offenen Art berichtet sie in den Sozialen Medien über Hochs und Tiefs, und motiviert andere SUP einfach mal auszuprobieren. 
Ein Interview von Eliane Droemer mit starboard-Teamfahrerin Katharina (Kathy) Rüsbüldt.

Eliane Droemer: Kathi, wenn ich richtig gerechnet habe, stehst du jetzt Dein 7. Jahr „on Board“ und es hat sich viel getan. Wie siehst Du Deine Entwicklung, Deine Highlights? 

Kathy Rüsbüldt:Erst vor wenigen Tagen habe ich meine Daten sortiert und habe mir das Video vom WorldCup 2018 angesehen und festgestellt, dass eine Menge passiert ist. 2019 bin ich wiederholt dort gestartet und da sieht man schon deutliche Unterschiede - wettertechnisch ähnliche Bedingungen, bessere Haltung/Paddeltechnik, anderes Board und nicht einmal baden gewesen, weil ich gelernt hatte die Prothese aktiver auf dem Board zu nutzen. Meine absoluten Highlights der letzten 5 Jahre: 2x WorldSupCup, Midsummer Viking Challenge (Dänemark) und aktuell SUP11-Sights in Berlin.

 

   

Eliane Droemer: Und jetzt sieht man Dich nicht mehr auf einem Touring Board mit 31 Zoll Breite,sondern auf einem Composite Raceboard aus Carbon. Hut ab! und welche Boards und Maße fährst Du jetzt?

Kathy Rüsbüldt: Wenn ich SUP-Kurse gebe, stehe ich weiterhin auf dem iSup aus reiner Gemütlichkeit - aber ich bin tatsächlich "umgestiegen". Was ich fahre, ist von den Wetter-Bedingungen abhängig. Am Homespot fahre ich sehr gerne den 14"/25" Sprint und 12'6/23" Allstar. In Berlin bin ich den Sprint von Starboard gefahren. Wenn es ordentlich kappelig oder gar wellig ist, fahre ich gerne das Generation 12'6/28. Das Long Distance Rennen am Samstag würde ich gerne mit dem Sprint fahren, aber das ist abhängig von der Wetterlage - zuviel Seitenwelle mit einem schmalen Board kostet mich Kraft, weil ich bei Seitenwellen ordentlich die Prothesenseite belasten muss.

 

Eliane Droemer: Gerade bist Du SUP11-Sights in Berlin gefahren, unglaubliche 166 km an fünf Tagen, wie lange bist Du durchschnittlich jeden Tag gepaddelt?

Kathy Rüsbüldt:Die Zeiten variieren da und waren abhängig von der Distanz, als auch vom Wind. Am ersten Tag mit Strömung und leichtem Rückenwind: 4 Std. 28 Min. für knapp 32km. Ab dem zweiten bis zum letzten Tag Gegenwind, keine Strömung, da war ich dann zwischen fünfeinhalb bis sechseinhalb Stunden unterwegs... Insgesamt war ich knapp 28 Stunden auf dem Wasser!

 

 

Eliane Droemer: Das ist ja eine riesige Challenge für jeden Paddler, hast Du da besondere Herausforderungen?

Kathy Rüsbüldt:Meine größte Herausforderung war mich anzumelden :-) Ich hatte im Vorfeld Kontakt aufgenommen ob Support möglich sei wie z. B.l beim Umtragen helfen an Wehren, oder ob jemand da ist der mir meine andere Prothese schnell geben kann, wenn die andere Prothese (aus welchen Gründen auch immer) den Geist aufgegeben hätte. Am letzten Tag wollten Stumpf und Schaft nicht mehr zusammenarbeiten, irgendwie saß das alles nicht richtig. Von jetzt auf gleich schmerzte eine Stelle wie ein spitzer Stein. Nach der zweiten "Korrektur" stimmte aber alles. Und wenn es das nicht getan hätte, wäre ich dennoch bis zum Schluß gefahren - am letzten Tag die Flinte ins Korn? Niemals.

 

 

Eliane Droemer: Gab es auf dem SUP-Board in den 7 Jahren auch Rückschläge/Enttäuschungen für Dich?

Kathy Rüsbüldt: Da bin ich ehrlich: Ja. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren einige Fehlentscheidungen getroffen. 2020 hatte ich einen Schaft der nicht richtig passte, der war zu eng, das Ventil war undicht, Wasser lief rein und diese Menge drückte mich aus dem Schaft, so daß ich mit "angezogener Handbremse" gefahren bin, nur aus Sorge vom Brett zu fallen und schlimmstenfalls die Prothese zu verlieren. Ich hab mir in der Zeit jedes Rennen versaut. Des Weiteren die Erkenntnis das ich mit einem 23er RaceBoard nicht schneller oder besser fahre, als mit einem breiteren iSup... mein einteiliges Racepaddel zu viel gekürzt... mit dem 23er Brett bin ich bei Kabbelwasser von der Seite oder Welle überhaupt nicht klargekommen. Das hat mich echt frustriert. Resümee für 2021 war: Ich hab letztes Jahr erstmal Ruhe gegeben um mir selbst darüber klar zu werden wo die Reise hingehen soll und welches Material das Richtige ist. Mit Flo Brunner und Carsten Kurmis kann ich immer frei reden, einfach so raushauen welche Idee oder Vorstellung in meinem Kopf rumschwirrt und immer auf Augenhöhe. Naja und natürlich bin ich enttäuscht, wenn ich als Vorletzte ins Ziel komme!

 

 

Eliane Droemer: Egal ob du auf einem schmalen Raceboard oder auf einem wackeligen Balance Board balancierst oder wie in den schönen Videos auf Deinem Instagram- und Facebook-Account zu sehen auf einem Pferd über die Felder reitest und dazu sehr offen über Deine Hochs und Tiefs berichtest, Du verbreitest eine unglaubliche Lebensfreude und bist offenbar die geborene Motivatorin. Diese Fähigkeit setzt Du im Juli bei einem Para-SUPkurs mit dem DKV in Zusammenarbeit mit dem Sanitätshaus APT in Limburg ein, erzähl mal bitte. Was passiert da wo und wie…

Kathy Rüsbüldt: Ein Freund (Niclas Imruck) aus der Sup-Szene schlug mich dem DKV vor, als dieser die Anfrage von APT bekam bezüglich einer Zusammenarbeit für den Para-Sup-Kurs. Das Sanitätshaus möchten seinen Kunden, aber auch allen anderen Interessenten mit Handicap, die Möglichkeit geben diesen Sport auszuprobieren, zu testen. Wer könnte das besser vermitteln als ich? (da muss ich gerade selbst lachen). Die Boards werden vom DKV Limburg mit Unterstützung durch Horst Frankenfeld, zur Verfügung gestellt. Es werden auch Mitarbeiter von APT vor Ort sein. Auf dem Plan steht ein Einsteiger- bzw. Schnupper-Kurs mit angepassten Ablauf. Ich brenne für diesen Sport und mein Ziel ist es die Leidenschaft für diesen Sport in anderen zu entfachen.

 

Eliane Droemer: Warum hast du dich entschlossen Kurse zu geben, bzw. SUP-Instructor zu werden?

Kathy Rüsbüldt: Ich habe in der Anfangszeit viel selbst ausprobiert was mit der Prothese so geht. Bei meinen ersten beiden Rennen stand ich relativ steif auf dem Board, hab die Prothese nicht richtig angesteuert, bzw. benutzt. Das sieht man auf den Aufnahmen vom WSC in Scharbeutz recht gut. Mit dieser Körperhaltung funktioniert SUP auf Dauer nicht gut, ist anstrengend und auch nicht zielführend geschweige denn förderlich für den Bewegungsapparat. SUP ist Sport vom Hals bis in die Fußspitzen - das gilt auch mit Prothese. Es geht eben nicht drum "ach, die freuen sich doch, wenn sie mal auf dem Board stehen". Wer sind die? Ich bin mit "abben" Bein groß geworden, von daher ist für mich alles normal. Ich kenne es ja nicht anders. Im Stehen paddeln zu können ist für Prothesenträger richtig Arbeit. Stets die Balance halten/austarieren, der wackelige Untergrund, sich auf die Prothese verlassen. Ich habe diese Erfahrungen alle schon hinter mir und kann mir auch die Gedanken vorstellen, die im Kopf des/der ein/en oder anderen herumschwirren. Die Ängste die auf einmal da sind oder die Probleme die "auftauchen" beim Stehen auf dem Brett, die beim normalen Gehen garkeines sind. Mir ist es aber auch wichtig Lehrenden klar zu machen das Inklusion kein Projekt ist, sondern Alltag. Das will ich vermitteln. Denn wenn ich mit Prothese Nichtbehinderten das supen beibringen kann, funktioniert das umgekehrt eben auch. Es behindert ja niemanden, weder mich beim schulen noch die Schüler beim Lernen :-)

 


Safe the Date!
Stand-Up Paddle für Menschen, mit Arm-/Beinprothesen – sei dabei und teste es aus!

SUP für Menschen, die eine Bein- oder Armprothesen benutzen geht das? Diese Bedenken hat der Außenstehende sofort. Hält die Prothese, können die Gelenke Wasser abhaben? Diese Fragen stellten sich auch die Verantwortlichen des Kanu Club Limburg als die Firma apt Prothesen nach einem SUP-Angebot Kurs für amputierte Menschen anfragte.

Schon nach wenigen Augenblicken waren die Bedenken um die besonderen Umstände ausgeräumt. Der Blick ins Internet bestärkte alle Beteiligten dies gemeinsam durchzuführen, da gibt es doch schon einige Menschen die Prothesen tragen und auf SUP Boards den Wassersport genießen.
Mit Katharina (Kathy) Rüsbüldt konnte eine erfolgreiche SUP-Leistungssportlerin mit Beinprothese als Referentin für die Auftaktveranstaltung gewonnen werden.

Der Deutsche Kanu-Verband bietet den Kurs in Zusammenarbeit mit apt Prothesen und dem Kanu Club Limburg im ESV am 2. Juli 2022 an.

Weitere Kurse an anderen Orten sind in Vorbereitung. Hier zur Ausschreibung

Ansprechpartner: Horst Frankenfeld, Mobil 0176 42038864, sup@kanu-freizeit.de
 

 


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