26. Februar 2021

Kaufberatung Doppelpaddel

Foto: Michael Hennemann

Das Paddel ist der Motor eines Kanus und muss zum Paddler passen wie ein Topf auf den Deckel. Oder wie Länge, Schränkung und Material zum Paddelstil. Alle wichtigen Tipps für den Paddelkauf auf einem Schlag.

Von Sabine Stümges

Eigentlich sollte die Aufgabe für einen erfahrenen Fachverkäufer mehr als simpel sein: „Finden Sie das passende Paddel für mich.“ Aber diesen Optimus weiß Ralph Konrath (Kanusport Erkner) zu zerstören: „Das kann ich nicht“, sagt er ruhig. Erfahrene Paddler können von der Odysse zum richtigen Paddel ein Lied singen. Die Kriterien Länge, Schränkung, Blattform und -design werden auf dem Markt in einer nahezu endlosen Vielfalt von Paddeln kombiniert. Es erwartet den ambitionierten Paddler, die Qual der Wahl.

Aber: Es lohnt sich, Zeit und Energie für die sorgfältige Auswahl zu investieren. Die Unterschiede zwischen optisch ähnlichen Paddeln können gewaltig sein. Und: nachdem Ralph Konrath den unbedachten Optimismus zerstört hat, sorgt er für einen Hoffnungsschimmer, indem er die fünf Schritte zum perfekten Paddel auflistet und als Extra die „Tipps zum Probepaddeln“ verrät.

 

Der Weg zum richtigen Paddel

Um das richtige Paddel zu finden, muss man erst selektieren und dann selber prüfen. Dabei ist die Auswahl bei näherem Betrachten nicht mehr so groß, wie es auf dem ersten Blick scheint. „Viele Paddel sind sich ähnlich. Über die Jahre haben sich hinsichtlich Form und Länge bestimmte Vorgaben durchgesetzt“, so Ralph Konrath. Allerdings sagt der Inhaber und Gründer von Kanusport Erkner auch: „Paddeln hat sehr viel mit Gewöhnung zu tun“. In seinen vielen Jahren als Verleiher und Händler hat er schon die abenteuerlichsten Kombinationen von Boot, Paddler und Paddel zu Gesicht bekommen. „Ich sehe ein Paddel, das nicht zum Paddler passt. Aber der Kanute ist zufrieden, weil er mit dem sein gewohntes Gefühl beim Paddeln hat.“
Was heißt das für den Paddler auf Paddelsuche? Das heißt, wer sucht und schon einmal ein Paddel hatte, mit dem er rundum zufrieden war, sollte dessen Werte als Maßstab für die anstehende Selektion nehmen. Und dennoch ein Auge dafür haben, welche Maße rein objektiv für ihn die besten sind.

 

Schritt 1: Die Länge

Die ersten Maßstäbe für die Länge sind naturgegeben Bootsbreite und Körpergröße. Die Paddellänge verhält sich proportional zur Bootsbreite und zur Körpergröße. Kleinere Paddler sollten bei schmalen Booten unter 60 cm Bootsbreite kürzere Paddel verwenden. Neben diesen fixen Werten beeinflussen auch „weiche Faktoren“ die Wahl der passenden Paddellänge.

  • Oberschiffbau – ist hier ein längeres Paddel nötig?
  • Paddeltechnik – Je steiler die Technik, desto kürzer das Paddel
  • Gewässer – Strömung, Untergrund
  • Paddelblattdesign (langes Blatt – langes Paddel)
  • Geschmack & Gewöhnung

Daher an dieser Stelle daher nur eine beispielhafte Tabelle. Alle Bestimmungsgrößen abzudecken ist nicht möglich. Generell gilt: Extreme vermeiden!

 

Paddellänge Tourenpaddel, flache Technik, mittleres Blatt

Bootsbreite Paddellänge
bis 55 cm (sportliche Kajaks) 210-220 cm
bis 60 cm (Standard-Wandereiner) 215-225 cm
ca. 70 cm (fast alle Zweierkajaks) 225-230 cm
ab 86 cm (klassische Faltboote) 240 cm

 

Schritt 2: Die Blattgröße

„Sehr viele sind mit einem zu großen Paddelblatt unterwegs“, findet Ralph Konrath. „Weil sie glauben, dass sie mit einem großen Druckgefühl auch viel Bewegen. Aber vieles ist auch einfach Widerstand.“ Für die Einschätzung der richtigen Blattgröße müssen Paddellänge, Blattgröße und der persönliche Fahrstil (Schlagfrequenz) abgewogen werden.
Grundsätzlich gilt: Die meisten Paddler fahren mit mittelgroßen Blättern am besten. Große Blätter sind für große, kräftige Leute geeignet, kleine Blätter dagegen für zierliche Personen, Jugendliche oder Paddler mit Gelenk- oder Sehnenschäden.

 

Schritt 3: Die Blattform

„Exterme Formen gab es immer wieder, haben sich aber nicht bewährt“, urteilt Konrath. Das freut den Paddelinteressenten. Denn das bedeutet, dass die Auswahl übersichtlich ist. Im Groben gibt es:

 

Blattform Anmerkung
Symmetrisch - die Unter- und Oberseite ist gleich.
vielfach beim Wildwasser eingesetzt.
geeignet für Anfänger, wenig Fahrtechnik nötig, Paddel hat die Tendenz sich zu drehen.
Asymmetrisch - die Unterseite läuft flacher aus  als die Oberseite, d.h. sie ist „angeschnitten“ saubere Paddeltechnik notwendig, gleichmäßiger, über die gesamte Blattfläche verteilter Druckaufbau, flatterfreier Durchzug
Kinetisch - das asymmetrisch geschnittene Blatt am Ende der oberen Blatthälfte voluminöser Die Blätter stehen auch dann senkrecht im Wasser, wenn das Paddel nicht ganz vertikal geführt wird, sprechen schneller auf Vor-, Rückwärts- oder Bogenschlägen an

Im Blattquerschnitt erkennt man weitere Details wie eine Kehlung, eine Führungsrippe oder Profilierungen. Ein persönlicher Test entscheidet was zu einem passt.

 

Schritt 4: Der Schaft

Bei der Wahl des geeigneten Schaftes, achtet man auf:

  • Größe der Handflächen (Durchmesser)
  • Ovalisierung (Ermöglicht einen besseren Griff)
  • Persönliche Vorliebe für Ergo- oder gerade Schäfte


Schritt 5: Die Schränkung


Die Schränkung, also der Winkel, unter dem die beiden Paddelblätter gegeneinander verdreht („geschränkt") sind, ermöglicht den runden, fließenden Bewegungsablauf beim Paddeln ohne ein Abknicken der Handgelenke. Die richtige Schränkung hängt vom persönlichen Fahrstil ab – das Anheben des passiven Paddelblattes bewirkt, dass sich das Blatt auf der aktiven Seite in die richtige Schlagposition dreht. So höher man die Hand auf der passiven Seite hebt, desto mehr dreht sich das Blatt auf der aktiven.
Generell gilt: Beim geraden Schaft hat sich ein Winkel von 45° etabliert, beim Bentshaft sind es 30°.

 

 


Die wichtigsten Tipps für das effiziente Probepaddeln:

  • Das Testboot ist im besten Fall das eigene – oder zumindest sehr vergleichbar.
  • Jedes Paddel wird für eine bestimmte Paddeltechnik konzipiert. Der Fachhändler kennt diese. Daher dürfen gut gemeinte Ratschläge gerne beherzigt werden.
  • Mindestens eine Stunde unter verschärften Bedingungen paddeln (Gegenwind, Strömung). So erahnt man, ob man auch einen Wochenendtrip mit dem Paddel „übersteht“.

 


 


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KANU-SPORT 03/2017
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