10. Juni 2021

Technik-Check: Hast du den Dreh raus?

Kurventechnik (Foto: Mistral)

Unerlässlich für das Stand up Paddling ist das Kurven fahren. Je nach Situation will man sich auf der Stelle drehen, weite oder ganz enge Kurven fahren. Sonni Höhnscheid zeigt die verschiedenen Paddelschläge mit denen das SUP Board die Kurve kriegt.

Von Sonny Hohnscheid (Technik), Sabine Stümges (Text) und Any Klotz, Starboard SUP Deutschland (Fotos)

 

 

1. Stoppschlag / stop stroke

Bremsen und ausweichen

 

Der Stoppschlag oder auch Konterschlag ist ein einfacher und sehr effektiver Schlag, um das SUP-Board vor einem Hindernis zu bremsen und beizudrehen. Beim Stoppschlag wird einfach das Paddel auf genau der Seite weit hinten am Heck (Tail) wie ein Anker ins Wasser eingetaucht in die sich das Board drehen soll. Drehe dabei deinen Oberkörper seitlich ein und belaste das Bein auf der Paddelseite. Der Schaftarm drückt das Paddelblatt gegen das anströmende Wasser. Die Top-Hand stabilisiert und fixiert das Paddel. Das Board bremst sofort deutlich ab und die Nose (Spitze) dreht sich zur Paddelseite. Deshalb solltest du für für einen sicheren Stand beim Stoppschlag die Beine gebeugt halten. Dieser Schlag ist von Anfängern einfach machbar, da er aus dem Parallelstand erfolgen kann.

Sonni`s Tipp für die perfekte Wendung: Für eine noch effektivere Bremswirkung des Stoppschlages zu haben, kannst du dein Paddel nach dem Eintauchen auch parallel zum Board bis zur Nose durchziehen (Rückwärtsschlag / reverse stroke / Turn durch Gegenzug). Das Board wird so noch schneller bremsen und zur gewünschten Seite lenken.

 

 

2. Bogenschlag

Schnelles Lenken im großen Bogen
 

 

Wie der Name es schon verrät, wird das Paddel beim Bogenschlag möglichst weit vorne am Bug eingetaucht und in einem großen Bogen mit der Schaft-Hand in die entgegengesetzte Richtung - also zum Heck - gezogen. Die Top-Hand greift locker, stabilisiert und steuert das Paddel. Durch den Zug dreht das Board von der Paddelseite weg (offside turn). Je gewölbter der Bogen geschlagen wird, desto größer der Hebel, desto effektiver ist seine Wirkung und desto enger die Kurve. Um die 3 – 5 mal sollte der Schlag gemacht werden um eine 180 Grad Kurve im großen Bogen zu erreichen. Wenn du den Bogenschlag von hinten nach vorne ziehst, dreht dein Board zur Paddelseite hin. Das ist allerdings während der Fahrt nur dann hilfreich, wann man während der Richtunggsänderung bewusst abbremsen will. 

 

Sonni`s Tipp für die perfekte Wendung: Wer beim Bogenschlag ohne Bremswirkung das Board zur Paddelseite hin (onside turn) drehen möchte, nutzt den C-Schlag. Hier zeigt die geschlossene Seite des Bogens zum Board hin.

 

 

3. Cross-Bow-Turn

Der effektivste Turn - für jedes Brett

 

 

Sogar Touringbrettern und Race-Boards dreht der Cross-Bow-Turn in einem Zug um 180°. Bei diesem Bogenschlag kreuzt man über das komplette Board (wie der Name sagt - „Cross-Bow“) und sticht das Paddel auf der entgegengesetzten Paddelseite möglichst komplett ein. Dabei versucht man den Oberkörper so weit wie möglich zu drehen um weit hinten einstechen zu können. Dann den Oberkörper beugen und mit den Händen weit nach unten kommen (der vordere Arm ist gestreckt), damit man durch die Rumpfrotation in einem weiten Bogen das Paddel zunächst bis zur Bugspitze ziehen kann. Damit zieht man die Nose bereits in die Richtung in die man wenden möchte. Dann erweitert den Bogenschlag auf der anderen Seite, indem man das Paddelblatt über die Brettspitze schwingt und dann erneut einsticht und den Paddelzug im Halbkreis (analog zum Bogenschlag) vom Bug bis zum Heck zu Ende führt.

Sonni`s Tipp für die perfekte Wendung: Bevor man mit dem eigentlichen Manöver startet, setzt das Paddel zunächst auf der entgegengesetzen Seite in die man eigentlich wenden möchte und verpasst dem Board mittels des Bogenschlages einen ersten kleinen „Schubser“.
Das Brett kann nur über die Paddeltechnik gedreht werden. Die Fußstellung muss nicht verändert werden und die Knie bleiben gebeugt.

 

 

4. Pivot Turn / Kick-Turn / Step-Back-Turn

Wer schnell sein will, kickt den Turn

 

 

Wenn der Bogenschlag gekickt wird, nennen man ihn Pivot Turn. Das macht die Wendung durch die Drehung über das Heck schneller, weil so das Board Tempo behält. Zu Beginn stellt man sich auf das Board und setzt ein Bein nach hinten (Surf Stance). Während du dann auf den hinteren Fuß Druck ausübst, damit das Heck hoch kommt, neigst du den Oberkörper zum Bug hin, damit das Board nicht unter deinen Füßen nach vorne rutscht und du im Wasser landest. Wichtig: auf der Seite wo der Fuß hinten steht, wird der Bogenschlag gepaddelt. Sobald die Nase des Boards aus dem Wasser kommt, kann gedreht werden. Der eigentliche Turn läuft dann wie der Bogenschlag ab: das Paddel (für Erfahrene: so weit es geht) am Bug ins Wasser und mit einem kräftigen Bogenschlag zum Heck. Fertig! Und mit einem weiteren Paddelschlag ziehst du das hintere Bein wieder in die Standposition. Wichtig nach dem Dreh: Gewicht wieder nach vorne bringen, sonst säuft das Heck ab – bis zum Sturz.

Sonni`s Tipp für die perfekte Wendung: Wenn man versucht, das Board mit einem langen, kräftigen Bogenschlag zu drehen, gewinnt man nicht nur Tempo, sondern auch Stabilität. Je öfter man neu zum Paddelschlag ansetzt, desto kippeliger wird der Pivot Turn. Optimal sind 1-2 Schläge. Dazu den Bogenschlag nicht auf Höhe der Boardmitte enden lassen, sondern wirklich bis zum Heck - wenn möglich, sogar über das Heck hinaus - durchziehen.

 

 

Bewegen über die Board-Mitte

Mit normalen Schritten kippt das Brett

 

 

Für schnelle Kurven müsst ihr euch auf dem Brett bewegen, um Gewicht auf das Heck zu bringen. Wie aber wandert man auf den Board nach hinten? Per Cross Step. Hier müssen wir auf die Fußkoordination achten und nicht zu weit von der Mittellinie des Boards wegbewegen - sonst kippt man. Dabei zieht man aus dem schulterbreiten Parallelstand einen Fuß („gleitende Schritte“) längs der Mitschiffslinie ein Stück nach hinten. Umso weiter ihr von der Linie zum Board-Rand tretet, desto instabiler und wackliger wird das Board. Dann erst versetzt man den anderen Fuß nach hinten und stellt diesen quer über Mittellinie so weit nach hinten auf das Heck, dass man die Nase aus dem Wasser drücken kann, aber noch Konrolle halten kann. Dann steht man im sogannten Surf Stand, also mit einem Fuß hinten quer und ein Fuß weiter vorne diagonal. Das verhindert ein unkontrolliertes Steigen des Bugs und man kann das Brett ausbalancieren. Der Weg zurück zur Grundposition verläuft recht schnell: Während eines Ziehschlags nach vorne, ziehen wir gleichzeitig unsere eigene Standposition weiter nach vorne auf das Brett. Erst den hinteren Fuß, dann den vorderen hinterher.
Bei Regular befindet sich der rechte Fuß hinten und der linke Fuß vorne. Bei der Goofy-Stellung ist es genau andersherum. Welcher Typ man bist, musst man für sich selber herausfinden.

Wichtig: Wie weit ich genau nach hinten gehen muss, damit sich die Nase hebt, entscheidet das Material. Auf einem Wave-Board mit einem sehr schmalen Heck reicht oft ein Schritt, während man auf einem InflatableI 40-Fuß Tourer mit viel Volumen auf „Wanderschaft“ geht.

Sonni`s Tipp für die perfekte Wendung: Für mehr Stabilität geht du auch nur ein Bein nach hinten ohne die eigentliche Position zu verändern. Dann den Bogenschlag ausführen und das Board dreht sich erheblich schneller. Der Weg zurück ist das Schwerste - dabei kann man beim ersten aktiven Einsetzen des Paddels (Vorwärtschlag) gleichzeitig eine Kraft auf das Paddel ausüben (Paddelstütze), die einem Sicherheit gibt.

 

 

 

Technik Expertin
 

Die 40-jährige Deutsche Sonni Hönscheid holte 2018 ihren sechsten Weltmeister-Titel als Gesamtsiegerin der SUP Renn-Serie „Paddle League World Tour”, sozusagen der „Formel 1“ des SUP-Sports. Zudem ist sie sechsfache Europameisterin. Sonni lebt auf ihrer Heimatinsel Sylt, wenn sie nicht gerade auf Reisen ist.

Weitere Infos auf ihrer Homepage.

 

 

 

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