10. Februar 2022

TechnikCheck: Hinkommen

Kajaktransport (Foto Jens Klatt)

TechnikCheck mit dem EPP:
Einmal nicht am Hausgewässer eingesetzt werden soll stellt sich die Frage wie bekomme ich den „Kahn“ auf das Autodach oder den Hänger?
Der TechnikCheck erklärt Schritt für Schritt worauf ihr achten müsst.

Von Christian Dingenotto, EPP – Referent DKV
Fotos: Lasse Montag, Gabi Koch, Christian Dingenotto

 

Umfassende Ausbildung mit dem EPP

Ein häufig unterschätztes Thema im Wassersport ist der Bootstransport. Auch das ist Teil der Ausbildung, die im EPP enthalten ist. In diesem zweiten Teil der Serie haben wir für euch die wichtigsten Infos zusammengestellt. Nicht jeder Verein hat einen Bootshänger – diese sind sehr unterschiedlich und eine konkrete Beschreibung sprengt den Rahmen des PaddelChecks – in der Regel gibt es auch immer einen der sich damit auskennt. Wichtig: immer VORHER informieren...

 

Zwei Grundlagerarten für den Tranport auf dem Dach:
 

Hockant
Ihr bekommt mehr Boote aufs Dach (zulässige Dachlast beachten!). Vor allem bei laminierten  Booten ist dann allerdings der Druck auf der Bootsseite damit an der statisch schwächsten Stelle des Bootes.

Tipp: Im Fachhandel gibt hierfür vertikale Stützen oder die
sogenannten „Hörnchen“.

   

Flach liegend
Dann gehen maximal zwei Boote nebeneinander auf das Autodach.

Mögliche Varianten:

  • Selbstbau – manche nehmen Heizungsisolierungen und befestigen diese an den Holmen
  • Schaumträger – wenig teurer sind Schaumprofile mit ensprechender Einbuchtung für den Bootsrumpf. Es gibt sie für die zwei unterschiedlichen Profile von Querholmen
  • Auflieger – als Teil eines Komplettsystems. Sie lassen sich der Bootsbreite anpassen, sind gummiert und sorgen schon so für guten Bootshalt. Bei einem Hersteller hat der hintere Träger Filzgleiter, damit lässt sich das Boot von hinten (Auf das Autodach schieben).
Schaumträger Auflieger Ladehilfe


 



Aufladen

Am besten geht das mindestens zu zweit. Bist du dennoch öfters alleine, empfiehlt sich ein Dachträger mit den o.g. Filzgleitern. Dann das Boot hinten auf die Dachkante legen und hochschieben. Zum Schonen des Autodachs gibt es im Handel eine entsprechende Matte, die du vorher auf die Dachkante legen kannst – Bastler können sich so etwas auch gut aus einer alten Auto-Fußmatte selbst machen.

Tipp: die Gurte bereits auf die Dachträger legen BEVOR man das Boot auflädt. Das ist meist einfacher. Außerdem die Gurtenden hinter die Scheibenwischer klemmen – dann fliegen sie beim Aufladen nicht weg.

 

 

 

   

 


 

 

Festmachen

In der Euphorie vor der Fahrt und beim „lästigen“ Aufladen können schnell Flüchtigkeitsfehler passieren, die dazu führen können, das ein Boot sich selbständig macht. Spanngurte helfen hier den richtigen Druck aufzubauen – hier „richtige“ vom Kanuhandel erwerben – die sind auch entsprechend zertifiziert (meist an einem kleinen roten Zettel erkennbar) und ersparen einem unnötige Diskussion bei Polizei-Kontrollen.


Tipp: In der Gruppe macht (wenn möglich) jeder sein eigenes Boot fest, so ist die Motivation höher, dass das Boot auch wirklich fixiert ist und nicht runter fliegt.
Außerdem: sobald ein Boot auf dem Dach liegt – sofort mit einem Gurt leicht sichern – Windböen während des Verladens lassen die wertvolle Fracht ungewollt abheben.
Bei Spanngurten IMMER die Lasche mit einen Knoten sichern – werden die Gurte nass können sie sich sonst um 1 bis 2 cm weiten und die Boote sich evtl. Lösen.

   

Regeln und Vorschriften

Auszug aus der kostenlosen „Ausbildungsmappe Kanu Touring” von G. Koch


Grundsätzliches zum Transport von Booten und Beförderung von Personen (§22 Straßenverkehrsordnung)

Personenbeförderung: Wie viele Personen darf man maximal mit dem PKW befördern?

  • Führerscheinklasse 3, bzw. B = max. 8 Personen „Es dürfen nur so viele Personen mitgenommen werden, wie mit Sicherheitsgurten ausgerüstete Sitzplätze vorhanden sind.“
  • Bis 12 Jahre oder bis 1,50 m Körperhöhe muss bei Kindern ein Kindersitz altersentsprechend verwendet werden.

Bootstransport
Berücksichtigung der gesetzlichen Regelungen zu Fahrzeugabmessungen

  • Max. Breite eines Fahrzeugs inkl. Ladung = 2,55 m
  • Max. Höhe eines Fahrzeugs inkl. Ladung = 4 m
  • Max. Zuglänge eines Fahrzeugs/
  • Fahrzeugverbundes = 18 m
  • Maximale Zuglänge eines Fahrzeugs/
  • Fahrzeugverbundes inklusive Ladung = 20,75 m
  • Ein Einzelfahrzeug darf maximal 12 m lang sein

Berücksichtigung der gesetzlichen Regelungen zu Ladungsausmaßen auf dem Fahrzeugdach:

  • Überstand nach vorne: ab 2,50 m Höhe maximaler Überstand = 0,5 m; darunter gar nicht.
  • Überstand nach Hinten: 1 m (gemessen vom Schlusslicht des Fahrzeugs) ohne zusätzliche Maßnahmen. Bis 1,5 m: rote Fahne oder entsprechendes Schild[30x30cm].
  • Bei schlechten Sichtverhältnissen oder nachts nach vorne 2 weiße und nach hinten 2 rote Lichter.

 


Wichtig

Die aufgelisteten Punkte sind nur ein Auszug wichtiger Aspekte. Im Zweifelsfall empfiehlt sich immer ein Blick in die Straßenverkehrsordnung.

Nicht vergessen - International gelten mitunter andere Vorschriften
Weit vor der Fahrt am Besten vorher beim ADAC erkundigen. Besonders beim Weg über die Alpen gibt es einige Landesvorschriften, die abweichen (z.B. bei Italien ein spezielles rot-weißes Warnschild am Heck). Wer das nicht weiß, für den kann die Fahrt sehr teuer werden.
 

 

 

 

 

 


Neue Serie: "TechnikCheck mit dem EPP"

In der neuen Serie "TechnikCheck - besser Paddeln mit dem EPP" legen wir zunächst den Schwerpunkt auf den EPP 2, der das „Brot- und Butter- Geschäft“ das Paddeln beschreibt. Die erforderlichen Techniken und Fähigkeiten, die in einem EPP 2 zusammengefasst werden, lernt man in der Regel im Verein im Laufe einer Saison. Je nach Vereinsschwerpunkt und Heimatgewässer sind Paddler:innen auf diesem Niveau in der Lage sich auf strömenden (Klein-)flüssen (1-2 ) mit Kehrwässern und leichteren Schwällen oder auch größeren Gewässern mit leichter Wellen- und Windbewegung zu bewegen mit Sicherheit und natürlich viel Spaß. Du paddelst schon länger und „hast es drauf“? Vielleicht findest du dennoch in den folgenden Ausgaben das ein oder andere was dir weiterhilft oder dich und andere Paddler zum reflektieren und diskutieren einlädt.
Wir freuen uns auf Rückmeldungen und Anregungen zur Serie!
 


Weitere Informationen zum Euro Paddle Pass (EPP)

Auf der Homepage www.kanu.de/epp werden alle Informationen rund um den EPP zusammengefasst. Hier finden Vereine und Interessierte unter anderem eine Schnellübersicht und mit EPP-AhOI (Ausbildungshilfen und Online-Informationen) eine Materialsammlung die über die Abnahmebögen hinaus nützliche Ausbildungsinhalte bereitstellt. Ein Flyer gibt außerdem Informationen über alle wesentlichen Grundlagen.

TIPP: für Ausbilder und Vereine gibt es an jedem 3. Mittwoch im Monat ein Online-Seminar Informationen über die  Chancen des Europäischen Paddel-Passes für den Kanu-Verein.
Kursleitung: Christian Dingenotto
Anmeldung:  Tel.: 0203/99759-72 oder per E-Mail an akademie@kanu.de
 

 

 

 


 

 

 


Diesen Artikel sowie weitere Touren, Beiträge und Themen findest du im KANU-SPORT 2/2022:

KANU-SPORT 2/2022
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