22. September 2021

Vereinsporträt: Kieler Kanu-Klub von 1921 e.V.

Vereinsporträt Kieler Kanu-Klub (Fotos: KKK)

Kanuvereine sind vielfältig in ihrer Struktur, ihren Zielen und ihren Aktivitäten. Deshalb stellen wir in loser Folge Kanuvereine mit einem kurzen Fragebogen vor. In diesem Beitrag präsentiert sich der Kieler Kanu-Klub von 1921 e.V. Angesichts des 100-jährigen Jubiläums lohnt es sich, zusätzlich einen Blick in die Geschichte des KKK zu werfen.

Das ist unsere Struktur:

Wir sind ein klassischer Spartenverein für den Paddelsport mit einer Renn- und einer Breitensportabteilung. Im Breitensport sind Kajaks, Kanadier, ein Drachenboot und SUPs im Angebot. Der Ältestenrat begleitet mit Sinn für Tradition das Vereinsgeschehen und die Vorstandsarbeit.


Das sind unsere Mitglieder

Der Kieler Kanu-Klub hat seit Jahren stabil mehr als 250 Mitglieder aus allen Altersstufen, die mit eigenen und mit Vereins-Booten unterwegs sind. Wir sind etwa gleichviel Männer und Frauen und haben uns insbesondere der Inklusion verschrieben. Viele Kinder kommen mit ihren Eltern zum Verein, die sich dann in unserer Jugendgruppe selbständig machen. In jüngerer Zeit haben wir viel Zulauf von schon älteren Neupaddlern, die Geselligkeit und Natur erleben wollen und die wir an diesen Sport heranführen.


Das ist unser Paddelrevier

Unser Klubhaus liegt innenstadtnah direkt an der Kieler Förde mit Zugang zur Ostsee, gegenüber der Mündung der Schwentine, die über 50 km weit von Eutin bis zum Klub befahren werden kann. Zudem haben wir eine Außenstelle im ca. 10 km entfernten Achterwehr an der Eider und am Westensee. Eider und Förde sind über den Nord-Ostsee-Kanal verbunden.


Das macht uns besonders

Ein Schwerpunkt von uns ist der Inklusionssport. So haben wir die Kanuwettkämpfe der Special Olympics in Kiel 2018 durchgeführt. Der Breitensport erfolgt vorwiegend auf der oft stürmischen Förde und der Ostsee. Regelmäßige Ausfahrten führen uns auf die Nordsee, zu den umliegenden Kleinflüssen bis in die Alpen ins Wildwasser. Für Anfänger, Ältere und Behinderte haben wir mit unserer Außenstelle in Achterwehr ein wind- und wellengeschütztes Revier. Mit unserem Drachenboot sind wir regelmäßig auf Wettbewerben unterwegs


Das sind unsere Schwerpunkte und Erfolge

Die meisten Mitglieder von uns praktizieren das Wanderfahren – teilweise das gesamte Jahr über – nicht nur in Deutschland, auch in Skandinavien und sonstwo. Außerhalb von Coronazeiten gibt es Kentertrainings im Hallenbad. Neben dem Paddeln bieten wir als Ausgleichssport Nordic Walking und Gymnastik an. In unserer Rennsportabteilung war in den 80er Jahren Dörte Reh erfolgreich, die u.a. im Kajakmarathon eine Goldmedaille im Weltcup nach Kiel brachte. Heute ist ihr Sohn Leif – auch vor allem im Marathon – erfolgreich. Bei den globalen Special Olympics 2019  in Abu Dhabi holte unser Jan Knoll dreimal Edelmetall: Gold, Silber und Bronze.

Das beschäftigt uns gerade

In der Erkenntnis der besonderen Schutzbedürftigkeit von Kindern und Jugendlichen haben wir ein Kinderschutzkonzept entwickelt. Die behindertengerechte Ausgestaltung stellt uns vor schwierig zu lösende Aufgaben. In unserem Klubheim, das wir gerade umfangreich saniert und ausgebaut haben, unterstützen wir einen neuen Gastronomen, den Sternekoch Mathias Apelt, der wegen Corona lange Zeit nicht öffnen konnte. Jetzt gilt es nach dem Lockdown, die Aktivitäten wieder hochzufahren.


Unsere Beste Idee der letzten Jahre war…

Unsere Beste Idee der letzten Jahre war der Ausbau – davon viel in Eigenarbeit –unseres vereinseigenen Klubheims mit neuer Gastro und schönen und gemütlichen Klubräumen, wo mit Blick auf die Förde vor und nach dem Sport geselliges Zusammensein stattfindet.


Da wollen wir hin

Unser Klub mit seiner Lage an der Kiellinie befindet sich an einem touristischen wie sportlichen Brennpunkt, wo Erholungssuchende mit Seglern, Ruderern und Paddlern zusammentreffen. Dies ist Herausforderung und Chance zugleich. Die Chance besteht darin, die Attraktivität des Klubs wie auch unseres Sports weiter zu erhöhen.


Wenn wir etwas zu sagen hätten, dann…

Wir wünschten uns oft mehr Verständnis für unsere Sportanliegen in der Stadtverwaltung. So sehr unsere Arbeit von der Politik anerkannt wird, so sehr haben wir immer wieder mit der Bürokratie zu kämpfen.

 

 

Der Kieler Kanu-Klub im Wandel einer 100jährigen Geschichte

Von Thilo Weichert

Es ist ein lohnendes Unterfangen, Vereinssport in historische, politische, soziale und wirtschaftliche Zusammenhänge zu stellen. Am 24. März 1921 wurde der Kieler Kanu-Klub (KKK) als erster Kanuverein in Schleswig-Holstein gegründet. Ein guter Zeitpunkt, anlässlich des 100jährigen Jubiläums die Geschichte des KKK zu recherchieren. Aus der Geschichte des KKK lässt sich vieles über die Vergangenheit lernen und auch manches für die Zukunft.


Wandel zu gelebter Demokratie

Dass der organisierte Kanusport in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg entstand, ist kein Zufall. Der verlorene Krieg, wirtschaftliche Not sowie damit einhergehende soziale und politische Konflikte ließen die Menschen Fluchtmöglichkeiten suchen. An der Kieler Förde bot sich da die Flucht in ungetrübte Geselligkeit, Natur und Sport mit dem Kanu an. Es waren aber offenbar keine fortschrittlich Jugendbewegten, die sich im KKK organisierten, sondern eher Menschen aus einer konservativen Mittelschicht. Diese Mittelschicht war weltoffen, was die vielen Touren fern von Kiel – auf Flüssen zum Mittelmeer bis zum Polarmeer – zeigen. Sie dachten aber autoritär. Und so war auch das Vereinsleben im KKK in der Weimarer Republik strukturiert.

   


Diese Ausrichtung erwies sich schon vor der Machtübernahme der Nazis im KKK als fatal. Die Hintergründe lassen sich wohl nicht mehr völlig aufklären: Sehr früh – im Herbst 1931 – grüßte der Vergnügungsausschuss die Mitglieder mit „Heil“. Im Herbst 1932 müssen sich dann Konflikte im KKK zugespitzt haben, die über das rein persönliche hinausgingen, so dass der bisherige Vorstand geschlossen zurücktrat und am 28. Oktober in alter Besetzung wieder gewählt wurde. Wir können nur mutmaßen, dass die Konflikte politisch bedingt waren. Jedenfalls war der KKK danach gleichgeschaltet, bejubelte auf einer weiteren Versammlung im April 1933 die Machtübernahme der Nazis und praktizierte im Verein das Führerprinzip. Zitat aus einem KKK-Rundschreiben: „Durch die Bekundung des Willens zum Führerprinzip haben wir den bisher üblichen, nach den Erfahrungen der Vergangenheit zum Unfrieden und zur Uneinigkeit führenden demokratischen und parlamentarischen Grundsatz verlassen. Standesunterschiede, Klassenunterschiede, und unkameradschaftliche Formen in der Einstellung des Einzelnen zum Kameraden und zur gesamten Klubgemeinschaft können im Klub in Zukunft nicht mehr geduldet werden.“  


Es macht keinen Sinn, dies heute moralisch zu verurteilen. Aus den Dokumenten geht hervor, dass die Weltwirtschaftskrise unsere Vereinsmitglieder und den Verein selbst heftig beutelten, und dass die Nazizeit zunächst eine wirtschaftliche Konsolidierung brachte. Wohl aber macht es Sinn, sich dieser Geschichte zu erinnern und Lehren daraus zu ziehen.
Nach dem 2. Weltkrieg war zunächst nicht zu erkennen, dass im Verein Lehren gezogen worden wären: Plötzlich waren wieder – völlig unpolitisch – Geselligkeit, Naturerlebnis und Bewegungsfreude angesagt. Wie schon nach dem 1. Weltkrieg erlebte der Rennsport einen gewaltigen Aufschwung. Die autoritäre Ausrichtung war aber offenbar zumindest teilweise gebrochen. Insofern hatte unser KKK einen Anteil daran, dass viele Kieler neues Selbstbewusstsein entwickeln und das „Wirtschaftswunder“ verwirklichen konnten. Viele Familien wurden zum Teil der größeren Vereinsfamilie. Frauen erlangten eine zunehmende Bedeutung im Klub. Dieser Wandel erweist sich im Nachhinein als segensreich; er erfolgte in der neuen Bundesrepublik gemächlich, aber stet.
76 Jahre nach Kriegsende ist dieser Wandel nicht zu Ende. Der KKK hat inzwischen demokratische Strukturen, die auch tatsächlich gelebt werden. Die Wohlstandsgesellschaft hat einen Individualismus und eine kommerzielle Denkweise mit sich gebracht, was das solidarische Zusammensein in einem Verein auf die Probe stellt. Dieser Herausforderung muss sich der KKK mit neuen Angeboten stellen. Doch wächst hieraus zugleich ein neues Bedürfnis an Solidarität und Gemeinschaft. Umweltverschmutzung und Klimakatastrophe sind für Paddler hautnah erlebbarer als für andere Zeitgenossen, ebenso wie die Notwendigkeiten für und die Möglichkeiten von Integration und Inklusion (siehe dazu Kanu Sport 4/2017, 32 f.).
Dass diese Herausforderungen nicht autoritär zu bewältigen sind, kann und sollte eine bewahrte Erfahrung der Vereinsgeschichte sein und bleiben. 

 

 

 


 

 

Infos

 

Web: www.kieler-kanu-klub.de
Ansprechpartner:  
Thilo Weichert (1. Vorsitzender)
Cornelius Schenk (Breitensportwart)
Julia Riedel (Jugendwart)
Tel.: 0431-566066
E-Mail: vorstand@kieler-kanu-klub

 

Mitmachen!


Stellt euren Verein vor!

Wie? Schickt uns eine E-Mail an redaktion@dkvgmbh.de

Wir schicken euch die Vorlage mit der ihr euren Verein vorstellen könnt. Oder geht direkt auf www.kanu.de/downloads. Hier findet ihr den Bogen für den Steckbrief.
Wir setzen uns mit euch in Verbindung und besprechen mit euch die Veröffentlichung: kanu.de, Social Media oder die Zeitschrift KANU-SPORT.

Wir freuen uns auf eure Zusendungen!


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