28. Februar 2021

Verhaltensregeln für Kanufahrer

Bildquelle: Pixabay

DKV-Regeln für naturverträglichen Kanusport

Von Petra Schellhorn, Ressortleiterin Umwelt und Gewässer

Kaum eine andere Sportart bietet die Möglichkeit, so vielfältige und unmittelbare Eindrücke in der Natur zu gewinnen. Kanusport muss darum nachhaltig natur- und landschaftsverträglich ausgeübt werden. Dann haben auch zukünftige Generationen die Möglichkeit die Natur mit dem Kanu zu erleben.
Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) setzt sich hierfür in Satzung und Praxis ein. Im Rahmen seiner Aus- und Fortbildungsprogramme ist Umweltbildung ein wesentlicher Aspekt. Insbesondere die Fachübungsleiter:innen (Trainer:in C Kanu-Freizeitsport) sowie SUP-Intruktor:innen und Fahrtenleiter:innen werden angehalten, die entsprechenden Verhaltensempfehlungen an Sportlerinnen und Sportler weiterzugeben und auf deren Einhaltung zu achten.
 

Kanusport ist natur- und landschaftsverträglich, wenn Kanusportler…

  • sich bei der Tourenplanung über die vorhandenen gesetzlichen Vorschriften und freiwilligen Vereinbarungen zum Schutz von Flora und Fauna informieren und diese beachten. Hinweis: Viele der gesetzlichen Regelungen wurden in Zusammenarbeit mit den Vertretern des Kanu-Verbandes und der Naturschutzverbände einvernehmlich aufgestellt. Ein Verzeichnis der geltenden Bestimmungen für deutsche und viele europäische Gewässer findet sich im Internet unter www.kanu.de oder im jährlich neu erscheinenden DKV-Sportprogramm;
  • die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft schätzen und achten, das heißt:
    • sich leise und rücksichtsvoll verhalten;
    • ausreichenden Abstand zu Wasserpflanzen, Ufervegetation sowie Tieren auf und am Wasser halten, so dass diese nicht erheblich gestört oder geschädigt werden;
    • alle Flachwasser- und Schilfzonen, die wichtige Laich- und Brutgebiete für Fische und andere Tiere darstellen, weiträumig umfahren;
    • Befahrungen nur bei ausreichendem Wasserstand vornehmen. Eine Übersicht der Pegelinformationen zahlreicher deutscher und vieler europäischer Gewässer findet sich im Internet unter www.kanu.de oder im jährlich neu erscheinenden DKV-Sportprogramm;
    • auf die Befahrung erkennbar übernutzter Gewässer und im Zweifel auf einzelne Kanutouren verzichten. Es ist selbstverständlich, dass Gruppengröße und Bootstyp dem Gewässer angepasst sind und dass Kleinflüsse nur in kleinen Gruppen und mit kleinen Booten befahren werden;
    • keine Abfälle hinterlassen;
    • naturverträgliche Ausrüstung verwenden;
    • möglichst umweltschonend anreisen, das heißt:
      • Fahrgemeinschaften bilden;
      • öffentliche Verkehrsmittel nutzen;
    • vorhandene Infrastrukturen nutzen (z.B. Ein- und Ausstiegsstellen, Lagerplätze, Zuwege und Parkplätze);
    • beim Ein- und Aussteigen Beschädigungen am Ufer sowie an Fauna und Flora vermeiden;
    • für die Übernachtung lokale Rast- und Zeltplätze oder Gasthöfe aufsuchen und die Verpflegung vor Ort einkaufen;
    • auf Umweltverschmutzungen und Missstände an und in der Nähe von Gewässern achten und diese den lokalen Umwelt- oder Ordnungsbehörden oder dem DKV melden;
    • auch andere Kanufahrer auf die Einhaltung dieser Grundsätze aufmerksam machen und mit gutem Beispiel voran gehen!


 

Befahrungsregeln: kurz und knapp


Was sind Befahrungsregeln?

In Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern, werden Regeln für die Befahrung von Küsten, Seen und Flüssen aufgestellt, damit der menschliche Einfluss auf Umwelt und Natur nicht zu groß wird. Bei größeren Wasserstraßen dienen die Befahrungsregeln auch zur Erhöhung der Sicherheit aller Wassersportler.


Es gibt verschiedene Arten der Befahrungsregeln:

  • Betretungsverbote des Ufers und der Kiesbänke (z.B. in Naturschutzgebieten) dienen dem Schutz der empfindlichen Vegetation oder bodenbrütender Vögel.
  • Die Vergabe von Kontingenten bewirkt, dass nicht allzu viele Boote pro Tag das Gewässer befahren (Kanutouren vorher bei den zuständigen Stellen anmelden).
  • Tages- oder jahreszeitliche Regelungen beruhigen die Gewässer(umgebung) während der Dämmerung und der Brutzeit.
  • Mindestpegel-Regelungen schützen den Gewässergrund vor Beschädigung durch den Bootskörper (und den Bootskörper selbst auch).
  • Bei manchen Gewässern sind Bootsgröße und Bootstyp vorgeschrieben, ebenso kann eine Schwimmwestenpflicht vorliegen.
  • Zum Teil liegen ganzjährige Befahrungsverbote vor, wenn besonders schützenswerte Lebewesen das Gewässer bewohnen.
  • Bei einigen Gewässern wird aus ökologischen Gründen ein ganzjähriger freiwilliger Befahrungsverzicht empfohlen.

 

Wer bestimmt diese Regeln und aus welchen Gründen?

  • Die allermeisten Befahrungsregeln werden von Behörden (Land, Landkreis, Kommune) aufgestellt, um eine Übernutzung von ökologisch sensiblen Gewässern zu verhindern.
  • Darüber hinaus haben sich die Kanuten auch freiwillige Selbstbeschränkungen auferlegt, weil sie den rücksichtsvollen Umgang mit der Natur zum Ziel haben.
  • Der Bund erlässt Verkehrvorschriften für Schifffahrtsstraßen, denn diese dienen in erster Linie dem Gütertransport. Hier ist es unerlässlich, die genauen Regeln sowie Zeichen und Signale zu kennen, schließlich sind   muskelkraftbetriebene Fahrzeuge (und somit alle Kanus) die schwächsten Verkehrsteilnehmer auf den Schifffahrtsstraßen.
  • Privatbesitzer (z.B. bei einem See) können eigene Regeln bestimmen.
  • Schließlich kann es vorkommen, dass bei Bauarbeiten (z.B. an Brücken) oder bei militärischen Übungen kurzfristig Gewässer gesperrt werden.

 

Welche Rolle nimmt der Deutsche Kanu-Verband ein?

Durch Verhandlungen mit Naturschutzbehörden konnten zahlreiche Ausnahmegenehmigungen durch den DKV und seine Landes-Kanuverbände erreicht werden. Alle Wasserwanderer werden um genaue Beachtung und um vorbildliches Verhalten in der Natur gebeten, um selbst keinen Anlass für weitere Sperrungen zu bieten.


Wo finde ich Informationen zu Befahrungsregelungen?

  • Der DKV ist für alle Kanuten die erste Informationsquelle bezüglich der Gewässer und ihrer Befahrung.
  • Auf www.kanu.de - Freizeitsport - Tourenplanung - Befahrungsregelnl lässt sich die aktuelle Übersicht der Befahrungsregelungen für Deutschland und elf europäische Länder als jeweiliges PDF-Dokument downloaden.
  • Informationen über die Verkehrsvorschriften auf Schifffahrtsstraßen sind bei ELWIS (Elektronisches Wasserstraßen Informationssystem) zu finden.
  • Die Gewässerführer des DKV mit vielfältigen Angaben zu den Flüssen Deutschlands und Europas sind beim Kanu-Verlag www.kanu-verlag.de oder bei gut sortierten Kanu-Fachhändlern erhältlich.
  • Die Smartphone-App canua für iPhone und Android ist ein Paddel-Navigator, der auf die gesamte Gewässerdatenbank des DKV zugreift und aktuelle Befahrungsregelungen zeigt. Information unter www.canua.info

 

Weitere Informationen zum naturverträglichen Kanusport können hier abgerufen werden:
 

Bundesamt für Naturschutz: www.bfn.de oder www.natursport.wwl-web.de (Recherche über ausgewiesene Schutzgebiete)
Informationsdienst des DOSB „Sport schützt Umwelt“: www.dosb.de unter Sportentwicklung / Sportstätten, Umwelt und Klimaschutz / Service / Informationsdienst

 


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KANU-SPORT 11/2017
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