08. Juni 2022

Von der Idee zum SUP-Board

Fotos: Starboard Germany

Bevor ein SUP Board im realen oder virtuellen Warenkorb landet, hat es schon eine gewaltige Reise hinter sich. Und in den Köpfen seiner Entwickler und Produktmanager existiert ein bestimmtes Modell sogar noch viel länger. Was heute in den Regalen zu finden ist, darüber hat sich beispielsweise bei dem inhabergeführten SUP-Hersteller Starboard schon vor zwei Jahren ein über 40-köpfiges Entwicklerteam Gedanken gemacht.

Florian Brunner, Geschäftsführer bei APM Marketing ist deutscher Importeur der Thailändischen Marke und steht in engem Kontakt mit Starboard-Gründer und Windsurf-Profi Svein Rasmussen. 1984 startete dieser bei den Olympischen Spielen für sein Heimatland Norwegen im Windsurfen. Zehn Jahre und vier Weltmeistertitel später gründete er Starboard in Thailand und begann mit wenig Geld aber vielen Ideen, Windsurfmaterial zu produzieren. Seit 2006 gehören auch SUP Boards zum Portfolio. Mit limitierten Wettkampf-Boards hat alles angefangen und seitdem steht die Entwicklung nicht mehr still. „Ein Modell ist nie fertig‘“, sagt Brunner. „Es ist vielmehr so, dass der Entwickler einen Stichtag genannt bekommt, an dem er den aktuellen Stand seiner Entwicklungen als neuen Prototyp vorstellen muss.“ Dann werden aus den Entwürfen am Computer in der Werkstatt erste Boards „geshaped“. „Shape“ bezeichnet die Form eines Brettes und ist wesentlich für bestimmte Fahreigenschaften verantwortlich. Aus einem Klotz expandiertes Polystyrol (EPS) wird in der Werkstatt ein oder direkt mehrere Bretter in Handarbeit geschliffen, die dann mit einer Mischung aus Glasfasern und Epoxidharz (EP) laminiert werden.

   


Dann bekommen diese Prototypen in noch unspektakulär weißer Farbe ihren ersten großen Auftritt. Ein Team an Testfahrer vergleicht die neuen Modelle mit dem Serienprodukt des Vorjahres nach einem umfangreichen Kriterien-Katalog. „Praktischerweise liegt der Hauptsitz von Starboard in Thailand direkt an einem See“, erzählt Florian Brunner, der auch häufig selber die neuen Modelle testen darf. Mittlerweile ist SUP als Sportart deutlich gewachsen. Das zeigen nicht nur die Absatzzahlen der Branche, die in 2016 bereits die 30 000 in Deutschland knackten, sondern auch die Vielfalt an Wettkampfdisziplinen wie Wave, Flachwasser Sprint und Long Distance usw. Da Starboard entsprechend seines Slogan „innovation quality“ in jeder dieser Disziplinen Entwicklungsenergie steckt und der Markt final von den Innovationen bei den Wettkampf-Boards profitiert, hat das dazu geführt, dass es mittlerweile ein sehr breites Sortiment gibt, das vor allem für den Einsteiger kaum noch überblickt werden kann. Auch die unterschiedlichen Bedürfnisse der SUP-Fahrer in der ganzen Welt führen dazu, dass die Hersteller immer mehr Längen und Formen im Angebot haben. „Unsere deutschen Topseller sind Boards von 10 oder 12 Fuß. In Australien dagegen werden in der Regel 8 bis 10 Fuß Bretter gefahren. Deshalb legen wir darauf Wert, dass Boards vom Fachhändler vertrieben werden, der den Kunden bei seiner Produktentscheidung beraten kann“, erklärt der APM-Chef.
Der neue Prototyp ist auf seiner Reise noch lange nicht im Geschäft des Fachhandels angekommen. Viele Entscheidungen stehen ihm noch bevor, eventuell muss er sogar noch einmal zurück in die Werkstatt und komplett neu den Wünschen der Testfahrer angepasst werden. „Ein hartes Board kann über seine ganze Länge hinweg unterschiedliche Dicken haben“, erklärt Brunner. „Waveboards sind grob gesagt von Bug bis Heck dünn-dick-dünn. Aber wie dick? Und wie dünn?“ Race-Boards haben dagegen ein konkaves Unterwasserschiff. Nur wie konkav soll es bitte sein? Bei den aufblasbaren Boards stellt sich diese Frage nicht, da hier durch das Material der Boardhülle und durch die Herstellung nach der Drop Stich Technologie die Formgebung limitiert ist. Das macht den Entwicklungsprozess nicht kürzer. „Hier werden neue Materialien, Herstellungsverfahren oder Zubehör getestet.“

   


Engagement statt Marktanalyse

Zum Beispiel bringt Starboard seit diesem Jahr zum ersten Mal bei den Inflatable Boards (ISUP) aus dem üblichen verklebten PVC Material erstmalig Modelle in der besonderen Starboard Deluxe Technologie auf den Markt. Bei der Konstruktion von Deck und Unterwasserschiff wird durch ein neues Laminierungsverfahren vollkommen auf Kleber verzichtet. Das CO²-freundlichere Modell ist dadurch gleichzeitig drei Kilo leichter als sein klebriger Vorgänger. Die Entwicklungen in das neue Verfahren haben viel Zeit gekostet. Schon vor vier Jahren hatte Svein Rasmussen die Idee, ein umweltfreundlicheres Herstellungsverfahren zu entwickeln. Der Norweger hat in 2014 einen Küstenstreifen gekauft und pflanzt hier Mangroven zum CO²-Ausgleich – aus seinem Privatvermögen. „Die Bemühungen die Produktion der Boards auf nachhaltige Rohstoffe und recycelte Materialien umzustellen, beeinflusst die Entwicklung der Boards bei Starboard deutlich und ist mehr der Einstellung von Starboard geschuldet als einer Markt- und Wettbewerbsanalyse.“
Der private SUP-Fahrer ist in der Regel ohnehin nicht der Initiator, sondern vielmehr der Nutznießer aus den Entwicklungen für die Wettbewerbsszene. „Neue Boards für die Spezialisten sind am aufwendigsten“, weiß Florian Brunner. Aber was für wenige entwickelt wurde, wird schlussendlich bei einer immer größer werdenden Zielgruppe verkauft. Dabei ist der Entwicklungsstand der SUP Boards bereits sehr hoch, obwohl es noch eine recht junge Sportart ist. „Der Ursprung von Starboard ist im Windsurfen zu finden“, erklärt der APM-Geschäftsführer. Dadurch konnten viele Kenntnisse auf die SUP-Bretter übertragen werden. Doch dieser Technologietransfer funktioniert nicht nur in die eine Richtung. „Unsere Entwicklungen bei den ISUPs haben wir jetzt auch für Windsurf-Bretter genutzt.“
Bei aller Liebe zum Detail, irgendwann muss jede Fachsimpelei um den Grad der Abrundung bei einem Prototyp beendet werden. Aber (leider) ist damit noch lange nicht die Serienproduktion gestartet. Denn die Diskussionen beginnen erst jetzt. „Wenn es um den perfekten Shape geht, dann wird schlussendlich der Expertise von Entwicklern und dem „Gefühl“ der Testfahrer vertraut“, sagt der SUP-Experte. Anders bei den Layoutentwürfen für das Design eines Brettes. „Hier kann jeder mitreden und hat eine Meinung.“ Das ist der Grund, warum Starboard die Entscheidung hierüber dem so genannten „inner circle“ vorbehält. Das sind die fünf stärksten Importeure der Marke, darunter auch APM.
Und irgendwann erlangt ein Prototyp die Serienreife. Wer glaubt, dass ab hier alles wie am Schnürchen laufen würde, irrt. Allein bei den Inflatable Boards gibt es mit der One Layer, Two Layer und der Stringer Technologie drei Bauweisen. Dazu kommen Entscheidungen über Materialien, Einkaufskonditionen, Produktionsstätten und vieles mehr. Zu dem Zeitpunkt wo das erste Board einer neuen Serie endlich in den Online-Shops oder in den Fachgeschäften zu finden ist, hat sein Entwickler bereits seinen Nachfolger in der „Schublade“. „Die Modelle gibt es bereits“, weiß der Florian Brunner. Soviel kann bereits jetzt gesagt werden. Es wird noch umweltbewusster und bedienerfreundlicher.

 

   

 

 


 

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