05. Mai 2022

Vorwärts rückwärts - seitswärts - stop

Foto: Joonas Linkola (Choppy Water / TAHE)

Sobald man den Schritt vom Gelegenheits- zum ambitionierten Touren-Paddler machen und längere Strecken stressfrei und mit viel Freude zurücklegen möchte, sind korrekte Paddelschläge das A und O.

Du möchtest Kajak fahren lernen und bist bereit für Dein Abenteuer vor der Haustür? Ein Tipp am einfachsten ist es in einen Kanu-Verein einzutreten. Die haben meist eigene Boote, erfahrene Paddler und Ausbilder, die Dir mit Tipps und Tricks zur Seite stehen.
Was aber muss man können bzw. lernen für die ersten “Schritte” auf dem Wasser? Der EPP-Deutschland ist ein Ausbildungsrahmen der Dir über viele Kompetenzstufen hinweg (von den ersten Paddelschlägen bis hin zu schwerem Wildwasser) eine Orientierung gibt was Du erlernen bzw. können solltest. In der Stufe 1 sind all die Grundlagen zusammengefasst, die Dich sicher auf und über den Fluss und See bringen - Spaß und Naturerlebnis natürlich inklusive.

 

Grundlagen

Das richtige Sitzen und der Kontakt zum Boot sind das A&O.
Mit dem sogenannten Ankanten oder Lehnen steuerst Du im Wesentlichen das Boot. Die Paddel - und Steuerschläge wirken nur dann richtig, wenn sie mit Kanten bzw. Lehnen kombiniert werden. Eine gute Trockenübung ist auch das BalanceTraining mit dem  Wobbler. Einer einfachen Konstruktion mit dem früher die Grönländer ihren Kindern Balancegefühl beibrachten.
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Kanten

  • Der Körperschwerpunkt ist außerhalb des Bootschwerpunktes.

Lehnen

  • Der Körperschwerpunkt ist über dem
    Bootsschwerpunkt.
  • nur bei Paddelschlägen und Manövern in Fahrt - sonst fällt man rein

 

 

 

Vorwärtsschlag - Auf Druck und Zug

Dieser Schlag wird von den meisten Paddlern automatisch angewandt. Dabei entsteht der Paddelschlag aus dem Beugen und Strecken der Arme. Die Paddelbewegung wird so automatisch hauptsächlich aus Bizeps und Trizeps gefahren.

So geht´s
Das Paddel wird nah am Boot, weit vorne eingesetzt. Der untere Arm zieht das Paddel gleichmäßig und nah am Rumpf entlang, bis ungefähr auf Höhe des Gesäßes. Gleichzeitig drückt der Gegenarm (der obere) gradlinig ungefähr auf Augenhöhe nach vorne. Dabei bleibt die Gegenhand immer nahezu auf einer Höhe und greift nicht über die Bootsmittelachse. Viele Autodidakten ziehen oder drücken nur, selten wird beides gleichmäßig mit ähnlicher Intensität ausführen. Spätestens wenn man gegen stärkere Strömung oder mäßigen Wind anfahren muss, trennt sich hier die Spreu vom Weizen. Wenn Druck und Zug gleichmäßig und rund laufen, kommt der Einsatz des Schultergürtels hinzu. Wenn der Gegenarm drückt, wird auf derselben Seite die Schulter.
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Rückwärts

Rückwärts geht so wie vorwärts nur andersherum? Nicht ganz. Schnell würden wir beim Rückwärtsfahren ins Schlingern gerade und nicht mehr gerade fahren Beim Rückwärtspaddeln wird das Paddel möglichst steil am Boot nach hinten geführt und ungefähr auf Körperhöhe aus dem Wasser genommen und umgesetzt.
 

Tipp
Bevor Ihr rückwärts fahrt, richtet das Boot dahin aus wo Ihr hin wollt dann merkt Euch einen Punkt vor Euch, den Ihr beim Rückwärtsfahren fixiert. Wenn Ihr Euch immer wieder umdreht bringt Ihr das Boot ins Schlingern und müsst immer wieder nachkorrigieren.
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Seitwärts

Kaum von den ersten Metern auf eigenem Kiel zurückgekehrt, möchte man einfach nur an den Bootssteg und kommt aber irgendwie nicht ran …
Da hilft seitliches Versetzen mit Ziehschlägen. Das Paddel auf der Seite mittig und möglichst steil in das Wasser einsetzen und ranziehen. Das Boot zum Paddel hin aufkanten.
Schon mit wenigen Schlägen seit Ihr dann da wo Ihr hinwollt - am Steg oder am Ufer.

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Stopp

Manchmal fährt das Boot nicht dahin wo es soll, oder es kommt einem etwas oder ein anderer Paddler in die Quere. Da hilft der Stopschlag - mit nur drei Paddelschlägen bringst Du das Boot zum stehen oder legst dann noch den Rückwärtsgang ein.

  1. Schlag: das Paddel nur leicht auf die Wasserfläche legen und “Reibung erzeugen”
  2. Schlag: mehr druck auf das Paddel ausüben
  3. Schlag: stoppen und das Paddel möglichst steil ins Wasser eintauchen um das Boot zum Stehen zu bringen.

 

Wendung - Hast du den Bogen raus?

Willst Du das Boot in eine andere Richtung bringen hast Du im Prinzip zwei Möglichkeiten:

Aus dem Stand mit dem Bogenschlag.
Kante das Boot in die Richtung auf, in die Du möchtest. Führe das Paddel von vorne in einem weiten Bogen nach hinten.  Und so sieht es aus
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In Fahrt die Kante und die Richtung verändern
Wenn Du in Fahrt bist, einfach die Kante in die Richtung heben in die Du fahren bzw. das Boot korrigieren möchtest. Den Kopf (zusammen mit dem Oberkörper) drehst Du in dieselbe Richtung. Einfach weiter paddeln und das Boot verändert so (sehr elegant) seine Richtung.
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Paddeln lernen mit dem EPP

Ein Ausbildungsystem im Schnelldurchlauf

Der EPP ist ein Ausbildungssystem was dich als Trainer und als Paddler auf der „Paddelkarriere“ vom ersten Wasserkontakt bis hin zu Spezialisierungen im Bereich Wildwasser, Küste und Touring begleiten kann. Hier findest du für jede Stufe zusammengestellt, was du für Kompetenzen haben bzw. erlernen solltest, um die jeweiligen Herausforderungen zu meistern, und manche macht es auch stolz nach einem Kurs und einigem Üben einen Schein in der Hand zu haben, der auch beweist, dass „sie es drauf haben”.

Du möchtest zusätzliche Tipps und Infos zum Paddeln lernen?

Der EPP Deutschland gliedert sich in fünf Stufen, von den ersten Paddelschlägen bis hin zum fortgeschrittenen "Profi" und Fahrtenleiter in anspruchsvollen Bedingungen und Gewässern.

 

  • Der EPP Basis beschreibt erste Erfahrungen auf Gewässern und kann auch als das "Seepferdchen" (besonders für junge) Paddler bezeichnet werden.
  • Den EPP 1-Niveau erreichen Paddler nach den ersten Trainingseinheiten, wo Kenntnisse wie geradeaus fahren, Kurswechsel und erste ökologische und Sicherheitsaspekte vermittelt werden
  • Der EPP 2 deckt das Kompetenzspektrum ab was eine Paddler:in braucht, um sich auf deutschen Gewässern (Zahmwasser Stufe 1-2) sicher und ökologisch einwandfrei zu bewegen. Es ist das "Brot- und Butter-Geschäft" im Freizeitsport. Dieses Niveau kann bei regelmäßigem Training nach einer Saison erreicht werden.
  • EPP 3: Ab dieser Stufe findet eine Spezialisierung auf Gewässerarten (und Bootstypen) statt. Paddler:innen dieser Kompetenzstufe können je nachdem im Wildwasser, im Touring oder im Seekajakbereich an leichten bis mittelschweren Touren teilnehmen.
  • EPP 4 kennzeichnet dann das fortgeschrittenere Niveau in den jeweiligen Disziplinen und bedeutet auch, dass die Kandidat:innen Teilnehmer (von EPP-3 Niveau) in den spezifischen Gewässertypen führen und auch leichte Notfälle abwickeln können.
  • EPP 5 ist als höchste Stufe theoretisch vorgesehen. Ist aber bisher nur beim Seekajakfahren in der Erprobung.

 

Mehr erfahren?

Auf der Homepage www.kanu.de werden alle Informationen rund um den EPP zusammengefasst. Ein Flyer gibt außerdem Info über die wesentlichen Grundlagen. Dieser kann über www.kanu.de, telefonisch über die DKV-Geschäftsstelle oder direkt über Nutzung des QR-Codes angefordert werden.
 Du möchtest in einem Verein aus Deiner Nähe paddeln lernen? Hier geht's zum Vereinsfinder

Tipp: für Ausbilder und Vereine gibt es ein Online-Seminar an jedem 3. Mittwoch im Monat. Anmeldung am besten direkt unter epp@freizeit-kanu.de. Außerdem entsteht aktuell für Ausbilder und Vereine unter EPP-AhOI (Ausbildungshilfen und Online-Informationen) eine Materialsammlung die über die Abnahmebögen hinaus nützliche Ausbildungsinhalte bereitstellt (auf Anfrage bzw. für Teilnehmer des Online-Seminars)

 

Der EPP2

Eine komplette Übersicht zum EPP (auch für SUP) findest du im EPP Downloadbereich auf Kanu.de

 

Was bietet der EPP Deutschland

Der EPP-Deutschland ist ein Qualifizierungssystem mit Kanufreizeitsport, das es Vereinen sehr einfach ermöglicht einen Ausbildungsrahmen zu schaffen als Einziges europaweit vergleichbar ist und kontinuierlich weiterentwickelt wird

Für wen?

  • Vereine / Ausbilder
    • einen europaweit anerkannten Ausbildungsstandard
    • eine Einnahmequelle über EPP-Qualifzierungs- und Abnahmekurse
    • eine Möglichkeit, auch unbekannte Teilnehmer auf eine anspruchsvollere Tour mitzunehmen, wenn Diese den erforderlichen Standard über einen EPP-Deutschland nachweisen können
  • für Paddler
    • eine Kontrolle bzw. ein Leistungsanreiz für das eigene Paddelniveau
    • die Möglichkeit, über ein Kanusportabzeichen einfacher international Boot mieten zu können.
    • Die Möglichkeit auch als unbekannter Teilnehmer bei anspruchsvolleren Touren mitzufahren, da über den EPP Deutschland ein Kompetenznachweis möglich ist.

 

Brauche ich den EPP Deutschland?

Der EPP Deutschland ist eine freiwillige Angelegenheit. Nach wie vor ist das Paddeln auf den meisten Gewässern in Deutschland ohne bestimmte Befähigungsnachweise erlaubt. In einigen Nachbarländern verlangen aber immer mehr Anbieter von Kanutouren und Bootsverleiher den Nachweis der technischen Fähigkeiten und über das nötige Fachwissen um den Kanusport – hier ist der EPP Deutschland eine akzeptierte Bestätigung und erleichtert damit die Teilnahme an ausländischen Fahrtenangeboten oder um im Ausland Boote zu mieten.

 

 

 


 

 


 

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