02. Juni 2021

6 SUP-TOURER im Praxis-Check

SUPScout hat sie ausprobiert: Neue Tourer für die Saison 2021 (Foto: Andres Saurle)

Es gab viel zu tun: Der SUP-SPORT hat den Experten von SUPscout die neuesten Touring inflatable SUPs der Saison 2021 gezeigt. Seid gespannt auf deren persönliches Fazit! Welches Boards
wollt ihr jetzt selber testen? 

Rocker, Kick-Pad, EVA-Pads, Shape, Stringer, Bungee-ties – alles klar? Eigentlich wollt Ihr ja nur Paddeln. Aber was ist das richtige Touring SUP und welche Unterschiede gibt es?

Andreas und Jutta von SUPScout haben sich  für uns einige der Touring inflatable SUPs der Saison 2021 angeschaut.  Alle Praxis-Check inklusive Videos findet ihr auch direkt auf SUPScout.

   


Die Praxis-Checks im Überblick:


 

Ein paar Worte zu den Praxis-Checks...

Das mit der Testerei ist ja immer so eine Sache! Der eine findet ein Board "furchtbar kippelig", der andere feiert den großartigen Geradeauslauf, dem dritten gefällt die Farbe grundsätzlich nicht. Klar, worum es geht? Spätestens wenn Eigenschaften wie persönlicher Paddelstil, Lieblingsgewässer usw. dazu kommen, werden die Ansprüche an das eigene Lieblingsboard immer individueller. Und gerade hier setzen wir mit den Praxis-Checks an: Es gibt keine Gewinner oder Verlierer und auch kein Ranking. Die Praxis-Checks solen euch einen subjektiven Eindruck der Boards vermitteln. Wir stellen euch neue Tourer für die Saison vor und machen euch neugierig, euren persönlichen Favoriten selber zu testen. Sprecht einen Fachhändler, SUP-Station, Hersteller oder Verein an, der euch bei der Suche nach einer Testmöglichkeit unterstützt. Wir wünschen euch viel Spaß auf dem Wasser!

 

 

Interview mit den "SUP-Checker" SUPScout:


SUP-SPORT: Was macht für euch ein Touring SUP aus?

Andreas (SUPScout):  Für uns muss ein Touring SUP vor allem einmal flott sein. Nichts ist störender, als eine lange Tour zu paddeln und dann im letzten Drittel zu merken, dass das „Supen“ immer zäher wird. Ein guter Geradeauslauf ist für uns eine weitere Anforderung an ein Touring SUP. Nur wenn Kleinflüsse befahren werden, kann ein drehfreudigeres Brett von Vorteil sein.  

Die Breite ist eine zweischneidige Sache. Es hängt vom Einsatzzweck, Körpergröße, Gewicht und paddlerischem Können ab. Bist Du mehr auf Seen unterwegs, darf das Brett schon schmäler sein. Es läuft dann flotter und ist weniger anstrengend zu paddeln. Wird es auf Deinen Touren eher wellig sein, oder du bist groß und schwer (hoher Körperschwerpunkt), kann ein breiteres Board für Dich die bessere Wahl sein. Das solltest Du am besten vor dem Kauf ausprobieren.

Für uns ein weiteres Kriterium für ein gutes Touren SUP ist die Möglichkeit, Gepäck mitzunehmen; vor allem, wenn man längere Tagestouren oder gar Mehrtagestouren plant. Sonst stellt sich schnell die Frage: wohin mit Ersatzklamotten, Verpflegung, Zelt, Kocher und Pumpe?  

Noch ein Punkt, der nach unserer Erfahrung wichtig ist: wie gut lässt sich das aufgepumpte Touren SUP tragen. Warum? Müsst Ihr auf einer eurer Touren ein Wehr oder eine Schleuse umtragen – im schlimmsten Fall mehrere 100 Meter – dann ist nichts nerviger, als wenn das Brett zu schwer ist. Oder das SUP schleift dauern am Boden, weil es mit montierter Finne – getragen am Mittelgriff – nicht in der Balance ist. Nur wenige Touren SUP haben die Möglichkeit zur Montage eines Trageriemens mit dem das Tragen wesentlich bequemer ist. Unsere längste „Portage“ von SUPs mit Trageriemen waren mal 3 km. Nur am Mittelgriff wäre das unmöglich gewesen.

Wir haben die SUPs im aufgeblasenen Zustand (+ ca. 200 gr Luft) und montierter Finne (+ ca. 200 – 300 gr) gewogen. Denn das ist das reale Gewicht, das Ihr tragen müßt.

 

SUP-SPORT: Worauf habt ihr bei der Verarbeitung der Boards geachtet?

Andreas (SUPScout): Das erste Augenmerk beim Vergleich bzw. Tests von SUPs richtet sich immer auf die Verarbeitung. Wir können Euch mitteilen, alle SUPs im Test waren gut bis sehr gut verarbeitet. Natürlich gab es mal da und dort einen kleinen Kleberfleck. Aber das ist in unserer Sicht alles nicht der Rede wert gewesen, da man solche Stellen mit der Lupe suchen musste.  

Deutliche Unterschiede gab es allerdings beim Material. So fühlen sich das PVC der einzelnen Boards schon unterschiedlich an. Dies sagt aber leider nichts über das Material aus. Beim Lite Venture Ultra Light ist das Material gefühlt dünn, aber es ist ein Double-Layer, während zum Beispiel das Tahe Air Yak sich richtig dick anfühlt, aber ein Single-Layer ist. Das Siren „knittert edel“ im nicht aufgeblasenen Zustand. Prall gefüllt ist es dagegen glatt und sehr steif.

Und dann kommt es auf den „Inhalt“ an. Die größten Unterschiede gab es beim verwendeten Dropstitch – also den Fäden, die das Ober- und Unterschiff zusammenhalten. Die Hersteller machen dazu leider teilweise sehr ungenaue Angaben. Die Boards aus dem Test waren sowohl gewebt (woven oder X-woven) als auch gestrickt (knitted), in x-Anordnung, linear oder doppel-linear. Generell kann man sagen, je mehr Nylonfäden (Dropstitch) das Ober- und das Unterschiff zusammenhalten, desto stabiler wird das Board. Um den Dropstitch in irgendeiner Weise von außen besser beurteilen zu können, haben wir die Fäden auf 100 cm2 (10 x 10 cm) ausgezählt. Zwischen 100 – 132 Fäden ist hier die Norm. Lediglich Lite Venture kommt hier auf 289 X-woven Dropstitch Punkte (Fäden) bei 100 cm2.

Das EVA Deckpad ist bei allen getesteten Boards ca. 3 mm dick. Eine Ausnahme ist das Indiana, dass 5,5 mm starkes Material für das EVA Pad verwendet. Das macht sich durch ein angenehmeres und wärmeres Fußgefühl positiv bemerkbar. Hier müssten wir noch einmal im Winter nachtesten, wie sich die Materialwahl dann auswirkt. Ansonsten unterscheiden sich die Deckpads nur durch die Größe und die Art der Oberflächengestaltung. Imprint oder in Rauten geschnitten.

Einen Tragegriff in der Mitte haben alle Boards, aber manche haben zusätzliche Griffe, wie z.B. Makaio, wo es in Summe vier Griffe gibt. Solltet ihr mal auf einer eurer Touren „über Board gehen“, können solche zusätzlichen Griffe ganz hilfreich, um wieder auf das Board zu kommen. Makaio ist auch der einzige Hersteller, der eine Halteschlaufe mit Klettverschluss am Mittelgriff zusätzlich montiert. Damit könnt ihr auf langen Mehrtagestouren auch ein Ersatzpaddel sicher verstauen und befestigt mitnehmen.

 

SUP-SPORT: War der Lieferumfang eigentlich immer vergleichbar?

Andreas (SUPScout): Bei allen Boards waren eine Pumpe, eine Finne, ein Reparaturset und ein Boardbag dabei.  

Alle Pumpen waren Doppelhubpumpen mit einem Zylinder (oder zwei Zylindern bei Siren). Im Doppelhubbetrieb bekommt ihr schnell Volumen in die SUPs. Erst wenn das Board seine Form angenommen hat, bei etwa 1-2 PSI, sollte man auf Singlehub umschalten. Hier gibt es dann einige Unterschiede: mittels Drehhebel (LiteVenture, Indiana), durch Drücken eines Knopfes (Makaio, Apatcha) oder durch einen Ventilstopfen (Tahe). Eine Besonderheit ist die Triple Action Pump von Siren mit ihren 2 Zylindern. Ihr habt hier drei verschiedene Einstellungen, die mittels Drehschalter wählbar sind: Doppelhub mit beiden Zylindern (Stellung 1), Doppelhub nur mit dem größeren Zylinder (Stellung 2) und Singlehub mit dem kleineren Zylinder (Stellung 3).  

Mit allen Pumpen könnt ihr ohne allzu große Kraftanstrengung die 15 PSI Betriebsdruck in das Board pumpen.

Bei den beigelegten Reparatursets gibt es wenige Unterschiede. 2-3 Flecken PVC Material, Ventilschlüssel sind in den bekannten orangefarbigen Drehverschlussdosen, bis auf Tahe und Stemax ist auch immer der Kleber mit dabei.  

Bei den Boardbags kann man feststellen: je günstiger das SUP, desto einfacher der Boardbag. Als Rucksack lassen sich alle Bags verwenden. Kommen die Boardbags als Trolleybags, so lassen sich diese dank der Rollen auch hinter sich herziehen. Indiana und LiteVenture haben außen am Boardbag zusätzlich die Möglichkeit, das Paddel festzuzurren. Wobei das Paddel beim Trolleybag von Indiana auch gleich als Griff zum Ziehen genutzt werden kann. Der Bag von Lite Venture ist nicht als Trolley konzipiert und muss getragen werden. Dafür ist er der einzige im Testumfeld, der komplett wasserdicht ist (Packsack mit Rollverschluss) und somit uneingeschränkt bei euren Touren auf das Board mitgenommen werden kann. 

So und jetzt zu den Finnen: Bei den meisten Boards bekommt ihr eine klassische Dolfin-Finne mitgeliefert. Ausnahmen im Testumfeld waren Siren und Indiana/Apatcha. Siren liefert die typische Siren-Finne mit (siehe Foto). Die Montage der Finne wird der ein oder andere von Euch als fummelig empfinden, da die Schraube hinten, unter der überstehenden Finne, sitzt. Die Finnen von Indiana und Apatcha sind speziell von Andi Widmann designt und wurden strömungstechnisch modelliert. Und ja, das macht sich positiv bei den Fahreigenschaften bemerkbar.

Was wir schade finden: nicht einmal der Hälfte der Boards liegt eine Leash bei. Hier wird – aus unserer Sicht – an der Sicherheit der Kunden gespart.  

 

SUP-SPORT: Wie habt ihr eigentlich konkret getestet?

Andreas (SUPScout): Zuerst einmal haben wir uns die Ausstattung der Boards angesehen, z.B. welche Features wurden am Deck verbaut: gibt es ein oder zwei Gepäcknetze, wie viele Griffe, gibt es die Möglichkeit für einen Schultergurt, wie groß ist das EVA-Deckpad? Schon hier zeigen sich deutliche Unterschiede bei den Herstellern.  

Ein weiteres Augenmerk lag auf dem verwendeten Material – Single -vs. Double-Layer, verwendetes Dropstitch, Anzahl der Dropstitch-Fäden.

Wir sind mit den Boards an einem windigen und somit welligen Tag auf den Pilsensee – nochmals herzlichen Dank an Guido von Bavarian Waters, dass wir an seiner Traumlocation den Test durchführen konnten – und am Ammersee zum Testen gegangen. Neben den Hauptkriterien wie Geradeauslauf und Manövrierbarkeit haben wir auch Gleiteigenschaften der SUPs und Stabilität bei Wellen ausgetestet, mit unterschiedlichen Fahrergewichten. Klar gibt es deutliche Unterschiede, ob ich mit einem SUP mit 10‘6 oder 14‘ unterwegs bin. Trotzdem hat uns das ein oder andere Board dann doch positiv überrascht.  

   

SUP-SPORT: Auch wenn wir hier nicht von einem Vergleichstest sprechen? Habt ihr ein Fazit?

Andreas (SUPScout): Jedes der von uns getesteten Boards hat seine Vorteile und somit sein ideales Einsatzgebiet.  

  • LiteVenture kommt mit seinem Ultra Light dem Ideal eines SUP für Mehrtagestouren und für euer nächstes Micro Adventure am nächsten. Das Board ist mit 8,5 kg das leichteste Board im Testumfeld, der Boardbag ist als einziger wasserdicht und lässt sich somit auf eure Tour mitnehmen. Dafür bezahlt ihr 995 €.
  • Makaio bietet aus unserer Sicht mit dem Loana nicht nur das auffälligste Design, sondern auch das beste Paket mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis ab. Das Board läuft flott, spurstabil, ist von der Verarbeitung und Materialauswahl gut. Das Ganze für 699,- €.
  • Am drehfreudigsten war das Tahe Air Yak 10‘6. Das Tahe Air Yak sehen wir dadurch eher bei Touren auf Kleinflüssen oder auf dem Meer. Dort fühlt es sich pudelwohl und ist mit 499,-€ das günstigste SUP im Test
  • Wollt ihr schneller unterwegs sein, wenig Gepäck mitnehmen, aber kein Raceboard kaufen, dann solltet ihr Euch den Pike von Siren ansehen. Das Board war gefühlt das Flotteste bei unserem Test. Der Preis für den Pike liegt bei 789,-€.
  • Das Indiana Touring ist mit 1.049,-€ das teuerste Touren SUP im Test. Der Preis spiegelt sich in der Qualität der Verarbeitung und der verwendeten Materialien wider.
  • Der Stemax Nature 12‘6 hat uns mit seiner stabilen Wasserlage überzeugt. Das Board läuft ruhig durchs Wasser und auch Querwellen können ihm nichts anhaben, mag auch an seiner Breite liegen. Für 796,-€ bekommt ihr ein Drei-Finnen-System für den Einsatz von See bis Meer.  
     

Und was ist jetzt für Euch das richtige Board? Es kommt drauf an: wie sind eure Paddelgewohnheiten, wie sieht euer Paddelrevier aus, wie groß und schwer seid ihr und last but not least, wieviel Geld wollt ihr investieren. Ein Tipp von uns: testet vor dem Kauf unterschiedliche Boards, z.B. bei einem SUP-Händler oder einem Verleih.

 

 


 


Diesen Artikel sowie weitere Touren, Beiträge und Themen findest du im SUP-SPORT 2021:

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