07.12.2018 | Kanu (Allg.)

Die Rafting-WM in Argentinien im Rückblick

Im November 2018 fand die IRF R4 Weltmeisterschaft im Rafting in Argentinien statt. Auf dem Aluminé River Nähe der Stadt Villa Pehuenia wurden in den Disziplinen Sprint, H2H, Slalom und Down-River die Weltmeisterschaftstitel vergeben.
Rafting Team Germany 2018

In Patagonien wurde erstmals Deutschland von einem Herren-Team des Augsburger Kajakvereins vertreten. Die Mannschaft nahm mit den Sportlern Jochen Knorz, Martin Schneider, Niklas Lettenbauer und Robert Dorner an den Wettkämpfen teil. In Vorfreude trainierte das Team, trotz widriger Umstände wie Wassermangel, Baustellen und Forstarbeiten am Eiskanal Augsburg, auf den wichtigsten Wettkampf des Jahres hin. Als Vorbereitung für die WM 2018 hat das Team im August an einem Weltcup Rennen in Yushu (China) auf 3.600 Metern Höhe teilgenommen.

 

Erfahrungsbericht:
Vom Münchner Flughafen aus sind die Sportler am Samstag den 03.11.2018 über Madrid und kurzem Aufenthalt in Buenos Aires nach Neuquen geflogen. Von dort aus ging es 320 km durch Patagonien, teils über Schotterpisten zum Veranstaltungsort Villa Peheunia. Nach der 5,5 stündigen Busfahrt wurde das Team bei 4°C und leichtem Schneeregen bei der Eröffnungsfeier mit Tango und weiteren traditionellen Tänzen empfangen. Nun war es bereits Sonntagabend.

Am nächsten Tag ging es zum ersten Training. Bei schönstem Wetter, aber Minusgraden startete in der Früh der Transfer zur Wettkampfstrecke. Der wuchtige Fluss Alumine ist glasklar, jedoch auf Grund der Speisung durch die Schneeschmelze eiskalt. Eine Eingewöhnung an die unbekannten Boote war auf Grund der sehr ungewöhnlichen Sitzposition zwingend notwendig.

Dienstag der 06.11.2018 war der erste Wettkampftag. Die Weltmeisterschaft wurde mit dem Sprint eröffnet. Das deutsche Boot erwischte eine ordentliche Linie und verpasste eine Top 10 Platzierung mit einer Fahrtzeit von 96,34 sec. nur haarscharf mit dem 11. Platz. Der Weltmeistertitel ging an Brasilien vor Japan und Tschechien. Nach dem Sprint folgte das Training für die Disziplin „Downriver“. Für die Strecke mit vielen anspruchsvollen Wuchtwasser-Passagen wird eine Fahrtzeit von ca. 60 min benötigt, die keine Zeit zur Erholung zulässt. Die Schlüsselstellen sind jedoch durch den Veranstalter mit Safety-Kajakern gut gesichert.

Am zweiten Wettkampftag stand das KO-Rennen H2H an. Gegen den Europameister aus Tschechien war im Achtelfinale Schluss. Mit einer guten Taktik und hartem Fight konnten die Tschechen an den Rande einer Niederlage gebracht werden. Leider ging der Zielsprint knapp zu Gunsten der Tschechen aus. Durch eine gute Laufzeit konnte erneut der 11. Platz erreicht werden. Tschechien wurde Vizeweltmeister hinter Japan und vor unseren Freunden aus Chile.

Der 8. November 2018 stand für das Slalom-Training zur Verfügung. Nach ca. 1,5 h Busfahrt erreichten wir die Strecke am Rio Ruca Choroy. Nach erster Begehung der Strecke und Absprache der wichtigsten Teilsegmente konnte festgestellt werden, dass die sehr enge und steile Strecke einen Weltmeisterschafts würdigen Rahmen bieten würde. Im ersten Trainingslauf wurde die Strecke kennengelernt und in den nachfolgenden Läufen konnten die Schlüsselstellen (Walzen) ausgiebig getestet werden. Der sehr starke Wind verursachte leider schwankende Torstangen und somit für alle Teams schwierige Trainingsbedingungen.

Am darauffolgenden Wettkampftag waren die Wetterbedingungen für unsere Paradedisziplin zur Freude aller wieder optimal. Die 14 Auf- und Abwärts-Tore wurden von den Judges sehr kniffelig gehängt. Dies hat sich auch im Ergebnis wiedergespiegelt. Kein Team konnte einen fehlerfreien Lauf ins Ziel bringen. So gesehen waren für uns perfekte Randbedingungen geschaffen. Im ersten Lauf hatten wir die Taktik, einen Sicherheitslauf mit nur sehr wenig Risiko auf die Anzeigentafel zu bringen. Dies gelang uns auch recht gut. Im Zielbereich wies uns jedoch der chilenische Trainer darauf hin, dass der Torrichter uns an Tor 2 fälschlicherweise 50 Strafsekunden gegeben hat. Nach Rücksprache mit einem tschechischen Trainer, der die obere Passage gefilmt hat und uns dieses Material zur Verfügung gestellt hat, haben wir erfolgreich Protest gegen diese Fehlentscheidung einlegen können. Das äußerst sportliche Verhalten des chilenischen Trainers und dem tschechischen Trainer war etwas sehr Besonderes und spiegelt den Spirit dieser Sportart wieder! Im zweiten Lauf steigerten wir uns im Bereich der Fahrzeit durch mehr Risiko deutlich. Am Ende sprang ein hervorragender 11ter Platz heraus. Weltmeister wurde Tschechien mit über 17 Sekunden Vorsprung auf das zweitplatzierte Team Japan. Den dritten Platz sicherte sich Brasilien.

Am 10. November 2018 war die Königsdisziplin der Weltmeisterschaft die Abfahrt / Downriver angesetzt. Leider spielte an diesem Morgen das Wetter nicht mehr mit und es war mit nur ca. 5°C deutlich kälter, als die Tage davor.

Am neu eingeführten Regattastart verspekulierten wir uns, so dass wir in Kämpfe mit Peru, Kolumbien und Mexiko über mehrere 100 Meter verwickelt waren, was unseren Hauptkonkurrenten für eine bessere Platzierung in der Gesamtwertung, wie den Niederländern und Kanadiern, die Möglichkeit eröffnet hat, direkt am Start unbedrängt einen Vorsprung herauszufahren. Nach starker Aufholjagd wurden unsere Mühen nur zum Teil belohnt und wir wurden am Ende des Tages 12ter.

Durch die sehr konstanten Platzierungen über alle Wettkämpfe hinweg konnten wir am Ende einen 10ten Platz in der Gesamtwertung einfahren. Dieses Ergebnis auf unserer ersten Weltmeisterschaft hat uns alle sehr gefreut. Der Abstand zu den Top 8 der Welt wurde weiter verringert und wir blicken mit Zuversicht auf die nächsten Wettkämpfe. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen der Russen, Brasilianer, Chilenen, Japaner usw. deutlich andere sind. Eine Anreise für das Training zwei Wochen vor dem Wettkampfbeginn, ein eigenes Trainerteam, Videoanalyse, eigener Zeitnahme usw. sind für uns finanziell nicht zu stemmen. Wir hoffen für die Zukunft mehr finanzielle Mittel für ähnliche Maßnahmen zu generieren, um die sportliche Entwicklung voranzutreiben.


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